Zum mittlerweile 16. Mal fand der Gesundheitskongress statt. So kurz nach der Bundestagswahl stand er unter dem passenden Motto „Das Gesundheitssystem gerecht und zukunftsfähig gestalten“.
„Von entscheidender Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit des Gesundheitswesens ist die Verzahnung des ambulanten und stationären Sektors“, erklärten Prof. Dr. Günter Neubauer, Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomik, und Claudia Küng, Geschäftsführerin der WISO S.E. Consulting GmbH, im Vorfeld. Große Erwartungen würden in diesem Zusammenhang auch mit der Digitalisierung verknüpft: „Die Digitalisierung kann mit ihren Einsatzmöglichkeiten von Telemedizin, APPs und Big Data einen wesentlichen Beitrag für eine bessere Gesundheitsversorgung leisten. Aber hier ist vor allem die Politik gefordert, den rechtlichen Rahmen und finanzielle Anreize zu verbessern.“
In München nahm man die Herausforderung des breitgefächerten Themas an. Mehr als 150 Referenten informierten über integrierte Versorgung, telemedizinische Fernbehandlung, Personalmangel in Pflege und Arztberuf, finanzielle Benachteiligung der Reha, Cybercrime, Qualitätsmanagement, Digitalisierung, den Wettbewerb der Krankenkassen, die Auswirkungen des Korruptionsstrafrechts, eine funktionierende Notfallversorgung und vieles mehr.
Unfaire Finanzströme in der GKV?
Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) eröffnete den Gesundheitskongress gemeinsam mit dem kroatischen Gesundheitsminister Milan Kujundžic, der die über 900 Kongressteilnehmern aus elf Ländern aufrief, mehr Kooperationsprojekte mit dem kroatischen Gesundheitswesen zu beginnen. Kujundžic kündigte überdies an, dass sein Land beabsichtige, Kroatien zum regionalen Zentrum des Gesundheitstourismus machen zu wollen.
Huml forderte die anderen Bundesländer auf, sich bei der Reform des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs der gesetzlichen Krankenkassen für die Einführung einer regionalen Komponente stark zu machen. Bayerische Krankenkassen zahlten aufgrund eines höheren Lohnniveaus überproportional viel in den Gesundheitsfonds ein, erhielten aber im Risikostrukturausgleich nur Zuweisungen auf dem Niveau des Bundesdurchschnitts – trotz Leistungsausgaben, die in hochpreisigen Bayern ebenfalls höher lägen. Daraus ergebe sich pro Jahr ein Fehlbetrag von einer Milliarde Euro für bayerische Krankenkassen. „Das trifft nicht nur Bayern und das trifft nicht nur in Bayern tätige Kassen, sondern das ist strukturell ein Problem und trifft viele der Hochlohn- und Hochpreisregionen in ganz Deutschland“, warb Huml um politische Unterstützung aus anderen Regionen Deutschlands. „Wie es momentan ist, ist es eben nicht fair“, so die Politikerin.
Gesundheitsakte
Eines der zentralen Themen des Kongresses war die schleppende Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens. Der Chef des renommierten Berliner IGES-Instituts, Bertram Häussler, verglich die bereits im November 2003 gesetzlich verankerte Einführung einer elektronischen Patientenakte, die bis heute nicht erfolgt ist, mit den Ereignissen um Google Streetview im Jahr 2008. Damals hatten rund 244.000 Deutsche Google untersagt, Fotos ihres Hauses in den Straßenansichten des weltweiten virtuellen Stadtplansystems öffentlich zu machen. Google verpixelte damals große Teile des Bildmaterials und stellte die fotografische Erfassung weiterer deutscher Städte schließlich ein, während der Rest der Welt bis heute von Google weiter erschlossen wird.
„In einer solchen verpixelten Welt ist es einfach auch schwierig sich vorzustellen, wie die Zukunft sein soll“, kritisierte Häussler. Die Ursache für vierzehn Jahre Stillstand bei der elektronischen Patientenakte sei, „dass die Regie an die Selbstverwaltung gegeben worden ist, die die Verpixelung eher sieht, als dass sie den Weg nach vorne sieht.“ Häussler schlug vor, die Zuständigkeit für die digitale Infrastruktur an eine Organisation außerhalb des Gesundheitssystems zu übergeben, „beispielsweise die Bundesnetzagentur“.
Melanie Huml kündigte für das kommende Jahr ein landeseigenes Pilotprojekt an, bei dem eine digitale Gesundheitsakte in Nordbayern eingeführt werde. Sie verwies darauf, dass die Patienten bereits heute digitale Daten für sich sammeln, die aber nicht systematisch genutzt würden. Man habe „lange diskutiert“, ob man ein solches Projekt starten solle: „Wir tun es aber so, dass es natürlich kompatibel ist mit dem, was auf Bundesebene angedacht ist“.
Stand: 08.12.2025
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Blick in andere Länder
In mehreren Veranstaltungen des Kongresses ging es um den Erfahrungsaustausch zwischen europäischen Regionen. So präsentierte die italienische Provinz Südtirol ihr Modell für eine Integrierte Versorgungsplanung. Die Landesregierung von Südtirol hat im Jahr 2015 eine umfangreiche Reform ihres Gesundheitswesens beschlossen, vor allem, um den Folgen des demografischen Wandels und zunehmender Versorgungslücken, insbesondere durch Facharztmangel, zu begegnen.
Schwerpunkte in der Umsetzung waren die Verbesserung der Integrierten Versorgung, für die als Grundlage eine einheitliche IT-Infrastruktur geschaffen werden musste. Ziel war unter anderem ein stark integriertes System der Betreuung, in dem die Gesundheitsversorgung vor Ort und jene im Krankenhaus eng miteinander verzahnt sind. Es sollten vor allem mehr „echte Alternativen zur Krankenhausaufnahme“ geschaffen werden, skizzierte der Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebs, Thomas Schael, die Herangehensweise: „Wir müssen die Behandlungsprozesse im Blick haben, um schneller zu Lösungen zu kommen. Etwa: Wie vermeiden wir Re-Akutisierungen bei Diabetikern mit Komplikationen?“
Kongress 2018
Der nächste Europäische Gesundheitskongress München findet am 25. und 26. Oktober 2018 statt.