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Butterfly Network „Die KI-Technologie kann den Diagnoseprozess revolutionieren“

| Redakteur: Miriam Grob

Die neue Ultrasound-on-a-Chip-Technologie von Butterfly Network revolutioniert traditionelle Ultraschallverfahren. Dr. John Martin, Chief Medical Officer bei Butterfly Network erläutert im Interview mit Devicemed die technische Entwicklung des Butterfly iQ und den aktuellen Stellenwert der telemedizinischen Patientenversorgung.

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Dr. John Martin, Chief Medical Officer bei Butterfly Network: „Die Technologie vereinfacht die Anwendung von Ultraschall und ermöglicht Nutzern die bestmögliche Bildgebung.“
Dr. John Martin, Chief Medical Officer bei Butterfly Network: „Die Technologie vereinfacht die Anwendung von Ultraschall und ermöglicht Nutzern die bestmögliche Bildgebung.“
(Bild: Butterfly Network)
  • Ultraschallsystem mit Siliziumchip
  • Butterfly iQ als geschätztes Tool für Mediziner und Fachpersonal
  • Zusammenarbeit über räumliche Distanz hinweg via TeleGuidance

Wie sah die technische Entwicklung aus und wer war daran beteiligt?

Medizinische Ultraschallhardware existiert seit über 50 Jahren, allerdings mit wenig bis gar keiner Innovation seither. Traditionell wurden für Ultraschallgeräte unglaublich zerbrechliche und teure Piezokristalle verwendet, die jeweils mit Kabeln an ein separates Gerät angeschlossen wurden. Diese Kristalle müssen so abgestimmt werden, dass sie drei Arten von Ultraschallwellen erzeugen - lineare, gekrümmte und phasengesteuerte - und erfordern separate Wandler, die es dem medizinischen Personal ermöglichen, bestimmte Bildgebungstiefen zu erfassen, um verschiedene Körperteile zu betrachten, was zu Systemen führt, die bis zu 50.000 Dollar kosten können.

Zum Vergleich: Butterfly hat ein tragbares Ultraschallgerät entwickelt, bei dem diese empfindlichen Kristalle durch einen einzigen Siliziumchip ersetzt werden. Die sogenannte Ultrasound-on-a-Chip-Technologie ist einzigartig am Markt. Der Kostenpunkt für das Ultraschallsystem von Butterfly liegt bei rund 1.900 Euro. Dieser Chip von der Größe einer Briefmarke besteht aus einem Array von Tausenden von programmierbaren, mikrobearbeiteten Sensoren (man kann sich das wie ein Gitter von sehr kleinen Trommeln vorstellen) und ist in der Lage, alle drei der oben beschriebenen Ultraschallwellenmuster mit einer einzigen Sonde zu simulieren – man hält mit dem Butterfly-System also ein Ganzkörper-Ultraschallgerät in der Hand. Dadurch können Ärzte beispielsweise das Herz eines Patienten, die Lunge, die Halsschlagader und mehr innerhalb von Sekunden scannen, was Zeit spart und Leben retten kann. Als Ergebnis der Fortschritte dieser Technologie ist Butterfly von der amerikanischen Behörde FDA für 13 Indikationen zugelassen.

Butterfly ist es erstmals gelungen, den Ultraschall über einen Siliziumchip, gekoppelt mit einem Smartphone oder Tablet, zu erzeugen. Die umfassende technologische Kombination aus Hardware, Cloud-Technologie und Künstlicher Intelligenz ermöglicht die kontinuierliche Einspeisung von Daten in das intelligente Ökosystem von Butterfly und unterscheidet sich damit grundlegend von zuvor entwickelten tragbaren Ultraschallgeräten am Markt.

Die Technologie vereinfacht die Anwendung von Ultraschall und ermöglicht Nutzern die bestmögliche Bildgebung. Ärzte, Pflegepersonal, Rettungssanitäter und medizinische Fachkräfte sind nun in der Lage, Ultraschall für ihre Patienten einfach und sicher direkt am Point of Care anzuwenden und die Bilder über die Tele-Guidance-Funktion auch über räumliche Distanzen hinweg gemeinsam zu beurteilen.

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Welche (Branchen-)Herausforderungen und Hürden waren während des Zulassungsverfahrens für den deutschen Markt zu überwinden?

Um die Genehmigung für den Eintritt in den deutschen Markt zu erhalten, arbeiteten wir, ähnlich wie bei anderen Ultraschallgeräten auf dem Markt, mit den Aufsichtsbehörden zusammen, um die CE-Kennzeichnung zu erhalten. Die CE-Kennzeichnung ermöglicht uns die Kommerzialisierung unseres Geräts auf dem breiteren europäischen Markt.

Wie ist die Resonanz/Feedback von Patienten und Ärzten in Deutschland?

Tragbare Ultraschalllösungen entwickeln sich ständig weiter und stellen damit den Gebrauch eines Stethoskops mehr und mehr in Frage. Wir sehen in vielen Fachgebieten bereits eine große Akzeptanz für den Einsatz von POCUS-Geräten wie dem Butterfly iQ. Die größte Nachfrage kommt hierbei von Hausärzten, Notfallmedizinern und Anästhesisten. Aufgrund des breiten Einsatzbereichs des Geräts, der Vielseitigkeit, leichten Handhabe und Benutzerfreundlichkeit wird der Butterfly iQ schnell zu einem geschätzten Tool für Mediziner und Fachpersonal. Nicht zuletzt spielt auch der attraktive Preis – weniger als 2.000 € pro Anschaffung – eine große Rolle.

Die Telemedizin boomt im Zuge der Coronakrise. Wie schätzen Sie die Bedeutung der telemedizinischen Patientenversorgung in der Zukunft ein?

Die aktuelle weltweite Pandemie ist ein eindeutiger Beleg für den wachsenden Stellenwert und Nutzen von Point-of-Care-Ultraschall und Telemedizin. Butterfly Network ist das erste Unternehmen, das ein integriertes telemedizinisches Angebot mit Fernsteuerungsfunktion, Audio- und Video-Funktion sowie Augmented Reality-basierter Führung auf den Markt gebracht hat. Butterfly Tele-Guidance ermöglicht die Zusammenarbeit von geschulten Fachkräften im Gesundheitswesen auch über räumliche Distanz hinweg und schafft eine einfache Verbindung direkt am Krankenbett. So schaffen wir auch eine Möglichkeit für „virtuelle Krankenhäuser“. Erfahrene Ärzte und solche, die sich selbst in Quarantäne befinden, können anderen Medizinern in den Krankenhäusern via Tele-Guidance beim Ultraschall der Lunge und der Interpretation der Bilder unterstützen. Das erhöht die Kapazitäten und das Know-how vor Ort enorm. Angesichts von Covid-19 haben wir die Veröffentlichung der kostenlosen Betaversion von Butterfly Tele-Guidance vorgezogen, sodass dem medizinischen Fachpersonal mehr Werkzeuge zur Verfügung stehen, um die sich rasant ausbreitende Pandemie zu bewältigen

Weitere Artikel zu Themen wie E-Health und Telemedizin finden Sie in unserem Themenkanal E-Health.

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