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Kompakte und robuste Antriebssysteme für mehr Mobilität
Assistenzsysteme erleichtern Teilhabe im Alltag

Ein Gastbeitrag von Nora Crocoll und Alex Homburg* 5 min Lesedauer

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Idealerweise sollte in einer Gesellschaft jeder Mensch die Möglichkeit erhalten, sich umfassend und gleichberechtigt zu beteiligen. Viele körperlich beeinträchtigte Personen erleben jedoch tagtäglich, wie schwierig sich diese Teilhabe in der Praxis gestaltet. Neben strukturellen Maßnahmen arbeiten auch viele Forschungsgruppen weltweit an technischen Assistenzsystemen, die das Leben erleichtern können. Hierfür ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Entwicklern und Nutzern notwendig. Und natürlich geht es nicht ohne die passende technische Kompetenz, Komponenten sowie ausreichend finanzielle Mittel.

Rollstuhl entwickelt von den Enhanced Teams der OST Rapperswil (Bild:  Faulhaber)
Rollstuhl entwickelt von den Enhanced Teams der OST Rapperswil
(Bild: Faulhaber)

Das Enhanced Team der Ostschweizer Fachhochschule (OST) in Rapperswil hat sich im Medtech Lab dem Ziel verschrieben, das Leben körperlich beeinträchtigter Menschen zu verbessern. Dazu wollen seine Mitglieder körperlich eingeschränkten Personen alltägliche Herausforderungen erleichtern wie Treppensteigen, an einen Tisch sitzen, in einen Bus ein- oder aussteigen oder durch eine Tür gehen. Wissenschaftler und Ingenieure beschäftigten sich mit der Frage, welchen Beitrag innovative Technik hierbei leisten kann. Damit dabei auch wirklich relevante Lösungen entstehen, arbeitet das Team eng mit verschiedenen betroffenen Personengruppen zusammen. Das können Paraplegiker sein ebenso wie Orthopädie-Techniker oder Angehörige von körperlich Beeinträchtigten. Ausgangspunkt für die Entwicklungen ist dabei stets ein tatsächliches Problem. In enger Absprache mit Betroffenen werden in einem iterativen Prozess Konzepte erdacht, konstruiert, entwickelt und immer wieder getestet, bis sie den realen Alltagsanforderungen zuverlässig begegnen.

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Für mehr Mobilität und Unabhängigkeit

In den knapp zehn Jahren der bisherigen Entwicklungsarbeit sind ein Rollstuhl (Robility Enhanced), ein Exoskelett (Varileg Enhanced) und eine Exoskelett-Rollstuhl-Kombination (Enhanced Hybrid) entstanden. Das Projekt Robility Enhanced steht für Innovationen und Weiterentwicklung im Bereich Rollstuhl. Mit dem Modell „ZED evolution“ hat das Team einen Rennrollstuhl gebaut, der weit mehr kann als klassische Rollstühle. Er kann Treppen steigen, Türen öffnen und sich um die eigene Achse drehen. Hinter Vari Leg Enhanced stecken Forschungen und Entwicklungen rund um ein aktives Exoskelett ähnlich einem „Ironman Suit“, das die Bewegung von Knie- und Hüftgelenk ermöglichen soll und somit Querschnittsgelähmten den aufrechten Gang. Mit dem Enhanced Hybrid schließlich begeben sich die Forscher auf Neuland: Die Vision des Teams ist es, eine Kombination aus Rollstuhl und Exoskelett zu entwickeln, die die Vorteile beider Assistenzgeräte vereint. Man kann sich das wie eine Art „Transformer“ vorstellen: ein Rollstuhl, der sich auf Knopfdruck in ein Exoskelett umbaut. Dies ermöglicht größere Mobilität und Unabhängigkeit für Querschnittsgelähmte im Alltag. Dem Enhanced Team ist es zudem gelungen, mit dem Hybrid auch auf die Krücken zu verzichten, die in der Regel bei Exoskeletten nötig sind.