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Obsoleszenzmanagement von Medizingeräten
Warum Display-Einkauf per Klick zum Risiko wird

Ein Gastbeitrag von Sven Flagmann* 6 min Lesedauer

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Die Entwicklung von Medizingeräten dauert Jahre und erfordert aufwändige Zulassungsverfahren. Displays, etwa von Blutdruckmessgeräten, werden dabei in der Regel individuell gebaut. Werden dessen Teile im Internet gekauft, laufen Hersteller Gefahr, dass ihre Lieferfähigkeit über mehrere Jahre hinweg nicht gewährleistet ist. Muss ein Teil wegen Abkündigung im Medizingerät ersetzt werden, geht das mit einem kostspieligen Redesign einher. Hersteller müssen das Obsoleszenzmanagement deswegen von Anfang an berücksichtigen.

Obsoleszenzmanagement ist für alle entwickelnden Unternehmen ein wichtiger Faktor – in der Medizintechnikbranche sogar ein besonders entscheidender. Denn um zugelassen zu werden, muss ein Medizingerät, z. B. ein Patientenmonitorsystem, langwierige und umfangreiche Zertifizierungsprozesse durchlaufen.(Bild: ©  Brocreative - stock.adobe.com)
Obsoleszenzmanagement ist für alle entwickelnden Unternehmen ein wichtiger Faktor – in der Medizintechnikbranche sogar ein besonders entscheidender. Denn um zugelassen zu werden, muss ein Medizingerät, z. B. ein Patientenmonitorsystem, langwierige und umfangreiche Zertifizierungsprozesse durchlaufen.
(Bild: © Brocreative - stock.adobe.com)

Obsoleszenzmanagement stellt sicher, dass die Versorgung mit kritischen Bauteilen und Komponenten über die gesamte Nutzungsdauer von Produkten gewährleistet ist. Damit lässt sich rechtzeitig auf Abkündigungen (End-of-Life) von Herstellern reagieren, etwa durch die Bevorratung von Ersatzteilen oder das Anstoßen einer Neuentwicklung.

Obsoleszenzmanagement ist für alle entwickelnden Unternehmen ein wichtiger Faktor – in der Medizintechnikbranche sogar ein besonders entscheidender. Denn um zugelassen zu werden, muss ein Medizingerät, z. B. ein Blutanalysegerät oder Patientenmonitorsysteme, langwierige und umfangreiche Zertifizierungsprozesse durchlaufen, Qualifizierungen und Funktionsnachweise erbringen und die Einhaltung von Normen nachweisen. Von Beginn der Entwicklung bis zur Auslieferung vergehen schnell drei, manchmal auch sechs Jahre; eine Entwicklung kostet oftmals mehrere Millionen Euro. Benötigt ein Medizingerät nun mehrere Jahre bis zur Marktreife, muss es einen langen Productlifecycle besitzen und über Jahre hinweg verkauft werden können, damit sich die Entwicklung rentiert. Hersteller müssen hier unbedingt die Langzeitverfügbarkeit von Komponenten beachten – das Beispiel von Displays macht es deutlich: Werden ein Display oder einzelne Teile abgekündigt und sind nicht mehr verfügbar, müssen Teile des aufwendigen Entwicklungsprozesses wiederholt und das Endprodukt rezertifiziert werden. Die dadurch entstehenden Kosten sind massiv. Schlecht gemanagte Obsoleszenz hat sogar das Potenzial, existenzbedrohlich zu werden, wenn das Hauptprodukt des Unternehmens nicht mehr lieferfähig ist und eine Insolvenz droht.