Das Netzwerk Gesundheit der Bayern Innovativ GmbH verbindet viele Unternehmen, darunter auch innovative Start-ups, die die Gesundheitsbranche mit neuen Ideen voranbringen. Eines davon ist die Tricli GmbH. Was genau das junge Unternehmen macht, erzählt Stephan Schad, Geschäftsführer des Start-ups, im Interview.
Stephan Schad, Geschäftsführer von Tricli
(Bild: Tricli GmbH)
Was genau macht Tricli? Was ist das Besondere an Tricli?
Stephan Schad: Wir bei Tricli haben es uns zur Aufgabe gemacht, den Zugang zu klinischen Studien deutlich zu vereinfachen. Unser Ziel ist es, Patientinnen und Patienten frühzeitig auf innovative und neue Behandlungsmethoden aufmerksam zu machen. Dafür bereiten wir komplexe Studieninformationen verständlich auf und stellen sie sowohl zu behandelnden Personen als auch Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung, damit sie schneller und gezielter auf die passende Studie zugreifen können. Die Erstaufbereitung erfolgt bei uns mit Unterstützung von KI. Anschließend durchläuft jede Studie mehrere Prüfstufen und wird mehrfach von unserem ärztlichen Team kontrolliert. Danach pflegen wir sie in unser Portal ein. Von dort aus können wir die Ergebnisse gezielt an Unikliniken, Kliniken oder Selbsthilfegruppen ausspielen. Für Ärztinnen und Ärzte stellen wir die Inhalte hauptsächlich in Form einer App bereit – gewissermaßen „für den Kittel“. Statt eines laminierten Zettels haben sie so alle relevanten Studieninformationen direkt auf dem Smartphone verfügbar. Für Patientinnen und Patienten ist die App weniger zentral. Hier veröffentlichen wir die Studienübersichten in verständlicher Sprache v. a. auf Klinik-Webseiten oder auf den Seiten von Selbsthilfegruppen.
Ein wesentliches Problem in Kliniken besteht darin, dass für bestimmte Zertifizierungen eine festgelegte Anzahl an Studieneinschlüssen erreicht werden muss. Gleichzeitig werden aktuell insgesamt zu wenige Probandinnen und Probanden in klinische Studien eingeschlossen oder der Einschluss dauert zu lange. Das führt dazu, dass Studien abgebrochen werden – nicht, weil die Behandlung oder das Medikament nicht vielversprechend wären, sondern weil schlichtweg zu wenige Teilnehmer gewonnen werden können. Aus dieser Situation in der Klinik heraus entstand unsere Idee: Zunächst wollten wir ärztlichem Fachpersonal eine bessere und strukturierte Übersicht über aktuell laufende Studien geben. Mit der Zeit haben wir dann erkannt, dass auch auf Patientenseite ein großes Interesse besteht, aktiv auf passende Studien hingewiesen zu werden. Unser Fokus liegt derzeitig insbesondere auf onkologischen Studien, da hier der Bedarf besonders hoch ist. So bereiten wir beispielsweise für die größte Brustkrebs-Selbsthilfegruppe Deutschlands, Mamazone, sämtliche Brustkrebsstudien bundesweit auf. Gleichzeitig arbeiten wir mit Kliniken und Unikliniken zusammen, die uns ihre hausinternen Studien melden. Ergänzend greifen wir auf internationale Register wie ClinicalTrials.gov zurück. Damit wir die Informationen für alle Beteiligten möglichst übersichtlich und nutzbar machen, werden die Studien bei uns konsequent nach einem einheitlichen, strukturierten Schema aufbereitet. Auf diese Weise sind sie sowohl für Ärztinnen und Ärzte als auch für Personen in Behandlung leichter vergleichbar und ermöglichen eine schnelle Orientierung.
Was ist Ihre Mission? Was treibt Sie an?
Schad: Was uns antreibt, ist im Kern die Demokratisierung von klinischen Studien, also die einfache und unabhängige Erreichbarkeit von Studien für alle. Der Zugang soll nicht davon abhängen, ob eine Betroffene zufällig auf eine Studie hingewiesen wird, sondern alle sollen die Möglichkeit haben, sich selbst zu informieren. Unser Ziel ist es, dass Patientinnen und Patienten jederzeit Zugriff zu den modernsten und bestmöglichen Behandlungsoptionen haben und diese im Idealfall auch erhalten. Denn eine Studienteilnahme kann unter Umständen lebensverbessernd oder sogar lebensverlängernd sein. Genau das ist unsere Motivation. Bisher ist es meist so, dass man ausschließlich vom behandelnden Fachpersonal auf eine Studie hingewiesen wird. Seltener wird die Studienteilnahme von der erkrankten Person selbst aktiv als Option wahrgenommen. Dadurch entsteht eine starke Abhängigkeit vom Expertise-Trägern: Sind alle relevanten Studien bekannt? Sind die Kapazitäten vorhanden, sich umfassend zu informieren? Hinzu kommt, dass eine einzelne Ärztin oder ein einzelner Arzt, insbesondere in großen Unikliniken, persönlich keinen direkten Vorteil davon hat, wenn eine Patientin oder ein Patient in eine Studie eingeschlossen wird. Dadurch ist nicht immer sichergestellt, dass diese Möglichkeit auch konsequent aufgezeigt wird.
Genau hier setzen wir an. Wir möchten es medizinischem Fachpersonal so einfach wie möglich machen, jederzeit auf aktuelle Studieninformationen zugreifen zu können. Mit unserer App sind diese Informationen jederzeit griffbereit und Interessierte können im konkreten Fall direkt an ein Studienzentrum gemeldet werden. Gleichzeitig stärken wir die Patientenseite: Betroffene Personen können selbst recherchieren, sich einen ersten Überblick verschaffen und sich fundiert informieren können. Auch Angehörige oder Familienmitglieder können recherchieren und so mögliche Studienoptionen identifizieren. Im nächsten Schritt können sie dann das Gespräch mit Fachkundigen suchen und die Chance einer Studienteilnahme aktiv einbringen.
Stand: 08.12.2025
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Und wie geht es jetzt gerade weiter mit Tricli?
Schad: Im Moment liegt unser Fokus darauf, Tricli immer stärker zu vernetzen. Wir möchten die verschiedenen Studienzentren, Patientinnen und Patienten sowie auch die Pharmaunternehmen enger miteinander verbinden. Ziel ist es, die Kommunikation und den Austausch zwischen allen Beteiligten zu verbessern. Dabei wollen wir unser Portal weiter ausbauen und noch mehr Studienübersichten bereitstellen, sodass möglichst viele Nutzerinnen und Nutzer – seien es Beteiligte aus Medizin, Versorgung und Forschung – einfachen Zugriff auf die relevanten Informationen haben. Auf diese Weise können wir den Zugang zu klinischen Studien noch transparenter und unkomplizierter gestalten.
Gibt es einen Fun Fact über Ihr Unternehmen?
Schad: Wir sind ein vierköpfiges Gründungsteam und haben uns aufgrund der Coronazeit das erste Mal physisch bei einem Notar gesehen. Davor lief alles ausschließlich online ab. Es ist ein Fun Fact, weil wir uns vorher nicht alle persönlich kannten und es eine gewisse Zeit gedauert hat – ungefähr ein halbes Jahr – bis wir uns das erste Mal in persona begegnet sind. Diese ungewöhnliche Situation ist bei uns zur Unternehmenskultur geworden.