Wirtschaftskrise, Inflation und steigende Preise werfen einen langen Schatten auf das neue Jahr. Wie steht es um die Zukunft des Medizintechnik-Marktes 2024? Das Healthcare- und Life-Sciences-Team beim EMS-Experten Plexus wagt einen Blick auf mögliche Treiber, Trends und Tücken.
Auf welche Trends kann sich die Medizintechnik-Branche 2024 einstellen?
(Bild: witsarut - stock.adobe.com)
Der EMS-Dienstleister Plexus hat einen Blick auf das neue Jahr gewagt: Wie steht es um den Medizintechnik-Markt 2024?
Kosten zurück auf Platz eins
Die Medizintechnik in Deutschland steht unter enormem Druck – einem enormen Kostendruck. Zwar rechnen nach einer Herbstumfrage des Bundesverbands Medizintechnologie (BV-Med) zwei Drittel der Medtech-Unternehmen in Deutschland mit einem besseren Umsatzergebnis als noch 2022. Die Werte reichen aber noch nicht an die Vorpandemiejahre heran. Mit einem durchschnittlichen Umsatzanstieg von 4,8 Prozent schneidet der deutsche Markt zudem deutlich schlechter ab als der Rest der Welt (6,4 Prozent). Immerhin 19 Prozent gingen von einem Umsatzrückgang im Jahr 2023 aus.
Hier trifft sich die Medizintechnik-Branche 2024
Regulatory Affairs Expert Talks: 19. bis 20. März, Würzburg
Medtec Live with T4M: 18. bis 20. Juni, Stuttgart
Compamed/Medica: 11. bis 14. November, Düsseldorf
So verwundert es nicht, dass Medizintechnik-Hersteller auch bei Investitionen auf die Bremse treten und R&D-Ausgaben kürzen. Darüber hinaus setzt sich der Trend der Deindustrialisierung fort: Immer mehr Unternehmen schließen ihre heimischen Produktionsstätten, weil Energiepreise, Personalkosten sowie Compliance-Aufwand steigen. Damit ist die Kosteneffizienz – die im Kontext von Supply-Chain- und Covid-19-Krise zwischenzeitlich etwas an Dringlichkeit verlor – als Priorität Nummer eins auf der Agenda von Herstellern zurück.
Outsourcing wird zur Überlebensfrage
Sparen allein stellt in der Kostenkrise keine effektive Strategie dar. Hersteller werden 2024 vielmehr ihre Entwicklung, Fertigung und Supply Chain weiter auslagern, externe Partner stärker in das eigene Mitarbeiter-Team integrieren und den bürokratischen Compliance-Aufwand so weit wie irgend möglich in die Hände Dritter legen. Durch Outsourcing gewinnen Unternehmen zudem die dringend benötigte Flexibilität und Schnelligkeit, um im aktuellen Wettbewerbsumfeld innovativ zu sein und sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren.
Vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), die immerhin 93 Prozent der Branche ausmachen, wird diese Strategie zur Überlebensfrage.
Neue Herausforderungen rücken dadurch in den Vordergrund: Wer seine Fertigung in kostengünstigere Länder verlagert, muss nicht nur weiterhin hohe Qualitäts- und Compliance-Standards erfüllen, sondern diese auch „aus der Ferne“ sicherstellen. Wer für die Entwicklung von Medizinprodukten externe Ingenieure und Softwareentwickler mit an Bord holt, muss noch mehr als zuvor auf Datensicherheit, Cybersecurity und Schutz des geistigen Eigentums achten. Outsourcing ist keine Ad-hoc-Lösung. Eine auf Langfristigkeit ausgelegte Strategie sowie eine umsichtige Auswahl des Partner-Netzwerks sind daher entscheidend.
Supply Chain: Widerstandsfähig, aber hoch bürokratisch
Eine gute Nachricht für 2024: Die Supply Chain scheint sich weiter zu erholen. Noch in den letzten Jahren arbeiteten Medizingerätehersteller an der Widerstandsfähigkeit ihrer Lieferketten, bauten eigene Safety Stocks auf und holten ihre Produktion entweder gleich ganz zurück (Re-Shoring) oder verlagerten sie in die Nähe (Nearshoring). Lieferengpässe bleiben zwar ein Ärgernis. Eine radikale Neuausrichtung der Supply Chain – wie sie vor zwei Jahren noch vorstellbar war – scheint jedoch nicht mehr nötig.
Exemplarisch für diesen Aufwärtstrend ist der Halbleitermarkt. Die zweite Jahreshälfte 2023 sah bereits eine Verbesserung bei Angebot und Verfügbarkeit. Vorlaufzeiten, Kosten und Marktdynamik zeigen sich so weit stabil. In den nächsten Monaten wird sich dieser Trend aller Voraussicht nach fortsetzen.
Ganz von der Sorgenliste von Herstellern verschwindet die Supply Chain deswegen nicht. Seit dem 1. Januar 2024 gilt in Deutschland das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) erstmals auch für Unternehmen mit mehr als 1.000 Arbeitnehmern. Auf EU-Ebene soll in den nächsten Monaten ein noch strengeres Gesetz in Kraft treten. Der Richtlinienentwurf dazu wurde bereits im Sommer 2023 verabschiedet.
KI: Vom Trend zur Technologiewende
Ein Thema, das 2024 auf keiner Trendliste fehlen darf und auch in der Medizintechnik an Bedeutung gewinnt, ist künstliche Intelligenz (KI). Rechtliche Rahmenbedingungen, um KI-Technologien in einem so hochsensiblen Bereich wie der Medizin und dem Gesundheitswesen sicher einzusetzen, sind entweder lückenhaft, unausgereift oder lassen auf sich warten. Der im Juni 2023 verabschiedete Artificial Intelligence Act (kurz: AIA) z. B. greift wohl frühestens in zwei bis drei Jahren. Medtech-Unternehmen müssen aber jetzt eine KI-Strategie entwickeln, wollen sie von der Technologie profitieren und wettbewerbsfähig bleiben.
Stand: 08.12.2025
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KI ist dabei mehr als nur ein Chatbot à la Chat GPT. Mit Fotos trainierte künstliche neuronale Netze (KNN) können bereits heute Melanom- und Karzinom-Klassifizierungen vornehmen und Hautkrebs frühzeitig erkennen. Chirurgische Roboter unterscheiden dank Computer Vision zwischen verschiedenen Arten von Geweben. Large Language Models (LLMs) vereinfachen den Zugang zu wichtigen Informationen für Ärzte. Und generative KI (Gen AI) entlastet das medizinische Fach- und Pflegepersonal im Gesundheitswesen bei der Dokumentation und im Monitoring.
Für Medtech-Hersteller wirkt sich KI neben dem Innovationsschub bei Produkten massiv auf Fertigung, Entwicklung und Supply Chain aus. Denn mit und durch KI lassen sich auch KI-Lösungen für die Medizintechnik schneller entwickeln, realisieren und auf den Markt bringen. Im Halbleitermarkt z. B. soll die Microsoft-KI zukünftig gleich selbst das Design der geplanten Microsoft-KI-Chips übernehmen. In den nächsten Jahren werden Hersteller verstärkt in die KI-Tauglichkeit ihrer Standorte investieren oder alternativ auf Partner mit entsprechenden Kapazitäten und Know-how setzen.
Nachhaltigkeit kein USP mehr
Der soziale, ökonomische und ökologische Fußabdruck der Medizintechnik bleibt groß. Laut der SEE-Impact-Study ist die Branche allein in Deutschland für den Ausstoß von 8,9 Millionen Tonnen Treibhausgas verantwortlich. Über 60 Prozent der Emissionen fallen dabei indirekt in den globalen Lieferketten an. Auch der Anteil an Einweggeräten (Single-Use) und Verbrauchsmaterialien ist vergleichsweise hoch. Dementsprechend heftig schlägt das Thema Nachhaltigkeit bei Herstellern ein. Die Nachfrage nach Product Sustainability Solutions nimmt seit Jahren kontinuierlich zu und wächst parallel mit regulatorischen Anforderungen in der EU.
Strategien zur Dekarbonisierung zielen daher zukünftig stärker auf alle Phasen des Produktlebenszyklus. Von energieeffizientem Design, umweltschonenden Industrieanlagen und CO2-armen Lieferketten über recyclebare Materialien und weniger Verpackung bis hin zur Rückführung von Komponenten im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Über Lebenszyklusanalysen (LCA) können Unternehmen die Auswirkungen eines Produkts auf die Umwelt messen und die erreichte Ökobilanz als Produkteigenschaft vermarkten. Über kurz oder lang wird Nachhaltigkeit jedoch ihr Alleinstellungsmerkmal verlieren und vielmehr zur Norm werden.
Compliance-Mix: MDR, GDNG und Co.
Der bürokratisch-regulatorische Druck auf die Medizintechnik nimmt 2024 weiter zu. Neben branchenübergreifenden Auflagen zur Lieferkette, Nachhaltigkeit, Cybersecurity und KI-Einsatz kämpfen Medtech-Hersteller nach wie vor mit der Umsetzung der EU-Medizinprodukteverordnung (engl. Medical Device Regulation, MDR). Zwar wurden Fristen und Geltungsbereiche auf Druck von Verbänden verlängert und neu angepasst. Die neuen Formulierungen und Wechselwirkungen zu anderen Vorgaben haben laut VDE Health allerdings zu komplizierten und zum Teil schwer verständlichen Übergangsbestimmungen geführt.
Ein Lichtblick im Compliance-Dschungel hingegen ist das Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG). Der Entwurf soll bürokratische und organisatorische Hürden bei der Datennutzung verringern, ohne den Datenschutz zu gefährden. Vorgesehen ist, dass auch kommerzielle Unternehmen umfassende und repräsentative Gesundheitsdaten aus der elektronischen Patientenakte (ePA) für die Forschung an innovativen Arzneimitteln und Medizinprodukten nutzen können. Der dadurch erhoffte Innovationsschub hätte in Folge auch einen positiven Effekt auf den Medtech- und Life-Science-Standort Deutschland.