Der 3D-Scan eröffnet der Orthopädie neue Wege. Aus detaillierten Scan-Daten entstehen individuell angepasste medizinische Korsetts. Ein französisches Orthopädieunternehmen nutzt einen 3D-Scanner und kann durch den digitalen Workflow die Patienten besser versorgen.
Unabhängig von der Größe des Objekts lassen sich 3D-Scans leicht bearbeiten, verändern oder in eine Spezialsoftware integrieren.
(Bild: Neut)
Speziell angepasste medizinische Korsetts werden sehr häufig verschrieben, um Rückenschmerzen nach Operationen zu lindern, Muskelverspannungen zu lösen und Wirbelsäulendeformationen zu stabilisieren. Für den perfekten Sitz und Halt muss das Korsett dabei der individuellen Anatomie der Patienten entsprechen. Doch die Herstellung nach traditionellen Methoden, bei der eine Gipsform direkt am Körper der Patienten modelliert wird, gestaltet sich schwierig und ist nicht zuletzt ein langwieriger Prozess: Eine Schicht Gips wird auf die betroffene Stelle aufgetragen, von Hand geglättet und geformt. Anschließend wird sie bis zu einer Stunde lang ausgehärtet. Währenddessen wird Maß genommen. Die Patienten müssen über den gesamten Ablauf hinweg stillhalten, was zu Muskelversteifungen und Schmerzen führen kann.
Sobald der Gips ausgehärtet ist, wird er mit einer elektrischen Säge aufgeschnitten. Das kreischende Geräusch der Säge kann dabei für viele Patienten eine sehr furchteinflößende Erfahrung sein. Das Gipsverfahren kann bis zu drei Tagen dauern und ist insgesamt sehr langwierig, schmutzig und erfordert viel körperliche Anstrengung seitens der Patienten, da die aufgetragenen Formen teilweise sehr schwer sein können.
Neut, ein französisches Orthopädieunternehmen, kennt diese Herausforderungen gut. Auf Basis von modernster Scantechnologie hat es eine Lösung gefunden, Korsetts schnell und unkompliziert herzustellen. Dabei wird die Korsettform sorgfältig vermessen und präzise modelliert. Das hebt nicht zuletzt die Patientenversorgung auf ein neues Niveau.
Neuer Workflow verbessert die Patientenversorgung
Scannen eines Patienten mit Artec Eva Lite.
(Bild: Neut)
Mithilfe eines professionellen tragbaren 3D-Scanners werden die Körperteile der Patienten schnell und detailliert erfasst – auch leichte Bewegungen und Ungenauigkeiten werden automatisch korrigiert. Der 3D-Scanner Artec Eva Lite bietet dabei eine Geometrieerfassung mit einer Auflösung von bis zu 0,5 mm, sodass alles im ersten Durchgang korrekt festgehalten wird und somit i. d. R. keine zweite Scanrunde erforderlich ist. Der Scanner arbeitet dabei mit strukturiertem weißem Licht und orientiert sich bei der Ausrichtung und Erfassung ausschließlich an der Geometrie. Daher eignet er sich gut, um texturlose Scans von geometrisch komplexen Objekten, wie dem menschlichen Körper, anzufertigen. Insgesamt kann im Vergleich zu herkömmlichen Methoden dabei viel Zeit eingespart werden und der eigentlich mühsame Prozess der Messung wird erleichtert.
Ob in einem Krankenhaus, in einem Rehabilitationszentrum oder bei einem humanitären Einsatz – solche 3D-Scanner können an jedem Ort direkt zum Einsatz kommen und beeinträchtigen somit nicht die Routineabläufe auf einer Krankenhausstation oder im Instrumentenraum. Außerdem ist es dank Scanvorgang auch nicht mehr erforderlich, dass Patienten mit Wirbelsäulenverletzungen oder -deformationen das Bett verlassen oder sich übermäßig bewegen müssen. Dadurch können wiederum Unbehagen und Stress, wie sie beim Gipsabdruck typischerweise auftreten, vermieden werden. Vielmehr wird durch den einfachen Workflow beim Scannen garantiert, dass sich die Patienten sicher fühlen und von zusätzlichem Stress verschont bleiben.
Erstellung von CAD-Modellen für die Herstellung der Korsetts
Die fertigen Körperscans werden im nächsten Schritt in eine CAD-Software geladen und zu einem präzisen, millimetergenauen CAD-Modell verarbeitet, minimal bereinigt und ausgerichtet. Nachdem die Körperscans optimiert und zu einem einzigen 3D-Modell zusammengefasst wurden, kann die Polygonnetz-Datei als STL-Datei exportiert und in eine spezielle orthopädische Software geladen werden.
Alexandre Neut beim Betrachten des 3D-Modells in Artec Studio.
(Bild: Neut)
Die Orthopädietechniker können nun das Korsettmodell exakt nachbilden und dieses direkt im Anschluss an eine Fräsmaschine senden, um eine Form aus einem Polyurethanblock zu fräsen. Diese wird dann wiederum für die Herstellung des Korsettmodells bereitgestellt.
Beim traditionellen Gipsverfahren werden die bis zu 50 kg schweren Gipsmodelle für die spätere Ansicht oder den Einsatz bei weiteren Behandlungen umständlich gelagert. Bei der modernen Scantechnologie müssen hingegen die erfassten 3D-Scandaten der Patienten nur in der CAD-Software archiviert werden. So können Ärzte die 3D-Scandaten wiederverwenden und aktualisieren, wenn Patienten z. B. eine ähnliche Behandlung benötigen sollten – was bei Wirbelsäulenverkrümmungen wie Skoliose, Kyphose oder Lordose häufig der Fall ist. Das macht den Arbeitsalltag der Orthopäden insgesamt deutlich flexibler und effizienter.
Stand: 08.12.2025
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Die Zukunft der 3D-Technologie in der Orthopädie
Die moderne 3D-Scantechnologie spielt eine transformative Rolle bei der Herstellung speziell angepasster medizinischer Korsetts. Sie erleichtert und beschleunigt den Arbeitsalltag in der Orthopädie. Dank dem 3D-Scanner hat Neut einen zugänglichen und bequemen Weg gefunden, medizinische Korsetts entsprechend dem neusten Stand der Technik zu erstellen. Gleichzeitig sorgen sie im Sinne der Patienten für mehr Komfort, Sauberkeit und Schnelligkeit. Der einfache Workflow ermöglicht ein sorgfältiges Vermessen und präzises Modellieren der Korsettform.
Die Orthopädietechniker von Neut sind bereits überzeugt, dass der 3D-Scanner in der Zukunft ein alltägliches und essenzielles Werkzeug in der Orthopädie sein wird, und hoffen neben den medizinischen Korsetts auf weitere neue Einsatzmöglichkeiten. Denkbar wäre z. B. der Einsatz des 3D-Scanners auch bei der Entwicklung von Modellen für orthopädische Schuhe.
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