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Intersystems Nicht überstrapaziertes Schlagwort, sondern Zukunftsalltag: Interoperabilität

Autor / Redakteur: Jochen Scharafin* / Alexander Stark

Die Welt der Medizintechnik verändert sich: medizintechnische Geräte in Praxen und Kliniken sowie Wearables sind heutzutage IT-Geräte – und sie bringen eine Flut an Daten mit sich. Hierbei handelt es sich sowohl um Gesundheits- sowie Gerätedaten. Potenziell sorgt dieses Datenvolumen für eine enorme Menge an Wissen – nicht nur zum Vorteil der Behandler und Patienten, sondern auch der Gerätehersteller! Um welche Benefits geht es dabei konkret, und welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

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Interoperabilität ermöglicht den hürdenfreien Austausch nutzbarer Daten. Nur mit ihr lassen sich die wichtigsten Branchenpotenziale ausschöpfen.
Interoperabilität ermöglicht den hürdenfreien Austausch nutzbarer Daten. Nur mit ihr lassen sich die wichtigsten Branchenpotenziale ausschöpfen.
(Bild: ©CrazyCloud - stock.adobe.com)
  • Mit hürdenfreiem Austausch nutzbarer Daten die wichtigsten Branchenpotenziale ausschöpfen
  • „Digitaler Wandel in der Medizintechnik braucht Healthy Data = bereinigte, nutzbare Daten“
  • Maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz helfen zusätzlich dabei, Muster zu erkennen

Die Anforderungen an die Medtech-Unternehmen sind strenger geworden. Sie müssen die Sicherheit, die Leistungsfähigkeit und den Nutzen ihrer Geräte und Anwendungen belegen und ihre Prozesse der Qualitätssicherung dokumentieren. Gleichzeitig stehen sie vor der Herausforderung, im Wettbewerb immer schneller neue attraktive Services anzubieten.

Werfen wir dabei unseren Blick auch auf einige internationale Trends. Diese sind umso wichtiger für die Medizintechnikindustrie, da die Exportrate bei über 65 Prozent liegt. Vorreiter der Branche nutzen diese Entwicklungen frühzeitig für ihre Unternehmensstrategie und Marktpositionierung.

Wer in diesem Wust aus neuen Anforderungen und Chancen erfolgreich sein möchte, benötigt qualitativ hochwertige, saubere Daten – Healthy Data – für datengestützte Entscheidungen. Nun stellt sich die Frage: Wie lassen sich die Daten in den Bereichen Diagnostik, Therapie, Monitoring sowie Forschung optimal managen und nutzen?

Grundvoraussetzung Interoperabilität und internationale Standards

Für die Verfügbarmachung und Nutzung der Daten im Zusammenspiel der vielfältigen IT-Systeme und deren nahtlose Integration ist die Interoperabilität der Daten und der Austauschprozesse unumgänglich. Auch die zielgerichtete medizinische Forschung profitiert ungemein von interoperabel verfügbaren Daten, wie das SMITH Konsortium der Medizininformatik-Initiative des BMBF sehr schön zeigt. Grundsätzlich muss sie dafür über die erforderliche Konnektivität verfügen. Darüber hinaus ist es entscheidend, dass die Datenplattform umfassend alle wichtigen nationalen und internationalen Standards, Protokolle und Formate unterstützt, um Daten miteinander zu verknüpfen beziehungsweise transformieren zu können. Damit gehören Datensilos der Vergangenheit an. Das Resultat ist eine einheitliche Datenbasis, die alle bestehenden Informationen vereint. Wichtig ist hierbei der neueste Interoperabilitätsstandard für den Informationsaustausch im Gesundheitswesen, HL7 Fast Healthcare Interoperability Resources (HL7 FHIR).

Anforderungen an das Datenmanagement

Von der Datenplattform wird allerdings noch mehr verlangt. Es kommt auch auf eine sichere Verarbeitung von großen Datenmengen und -transaktionen in Echtzeit an. Daher sollte die Datenplattform zudem eine hohe Performance, eine freie Skalierbarkeit und ausreichende Sicherheitsmaßnahmen aufweisen. Gleichzeitig macht die Verknüpfung mehrerer Quellen eine Bereinigung, Normalisierung und De-Duplizierung der Daten notwendig. Idealerweise erledigt die Datenplattform das automatisch und stellt so Healthy Data bereit – harmonisierte und tatsächlich nutzbare Daten. Trotz aller Stabilitätskriterien sollte eine solche Plattform aber auch die Kür beherrschen und mit modernsten Business-Analytik-Funktionen auch Anwendungen wie künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen für Early Alertings, Mustererkennung, Predictive Maintenance und andere Monitorings ermöglichen.

Dokumentation und Überwachung nach der Inverkehrbringung

Mit der Datenplattform und den Healthy Data als Grundlage lassen sich dann innovative, datenintensive Anwendungen und ergänzende Services schnell, unkompliziert sowie standardkonform realisieren. Möglich ist beispielsweise ein einfacheres, umfassenderes und informativeres Monitoring von Medizinprodukten nach deren Inverkehrbringung (Post-Market-Surveillance). Dadurch wird unter anderem die Früherkennung von Problemen optimiert. Das heißt, Auswirkungen eines Geräts oder einer Therapie, die bei den Bewertungen vor der Markteinführung nicht bedacht wurden oder unvorhersehbar waren, fallen zeitnah in den Blick. Die notwendigen Informationen für so eine Post-Market-Surveillance liefert die Datenplattform, indem sie zum Beispiel Daten von Geräten mit Angaben aus elektronischen Patientenakten oder Laborinformationssystemen kombiniert. Derartige Analytikfunktionen gehören zu einer solchen Datenplattform und können auch als Grundlage für die Erstellung von Dashboards dienen.

Wenn die Analytikfunktionen zusätzlich mit maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz gepaart werden, können Medizintechnikunternehmen über die reine Post-Market-Surveillance hinausgehen. Im Fokus steht dabei die automatische Erkennung von Trends und Mustern. Beispielsweise kann eine künstliche Intelligenz von sich aus Mediziner benachrichtigen, falls Daten auf eine Fehlfunktion eines Geräts oder die Notwendigkeit einer Anpassung der Geräteeinstellungen hindeuten. Das hilft dabei, schwerwiegenden und kostspieligen Ereignissen vorzubeugen.

Predictive Maintenance neu gedacht

Was für die Inverkehrbringung gilt, gilt natürlich auch für die proaktive Wartung. Traditionelle Predictive Maintenance, beruhend auf retrospektiven Daten, wird schon lange in der Medizintechnik eingesetzt. Heute sprechen wir daher besser von vorausschauendem, proaktivem Gerätemanagement. Neu ist dabei, dass eine Vielzahl an Daten kombiniert wird und mit künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen analysiert wird: zum Beispiel die Kombination von Gerätedaten mit anstehenden Ereignissen oder epidemiologischen Daten. Unerwartete Auslastungsspitzen lassen sich so vorhersehen oder auch erforderliche Produktverbesserungen schneller identifizieren und umsetzen.

Value-Based-Care: Behandlungsqualität und Patientennutzen im Fokus

Ging es bei der DRG-Einführung noch um die Steigerung der Effizienz, so geht es bei den Value-Based-Care-Modellen um die Behandlungsqualität und den Patientennutzen. Hierbei sind kombinierte Daten essentiell:

Medizinische Geräte mit einem nachweisbaren klinischen Nutzen für Patienten und wirtschaftlichen Vorteilen für das Gesundheitssystem sind im Hinblick auf Value-Based Care-Modelle für Organisationen attraktiver geworden. Laut einer Studie, die im Medtech Strategist vom Juni 2018 zu lesen ist, suchen viele fortschrittliche Gesundheitsversorger nach Partnerschaften mit Medizintechnikunternehmen, die ihnen bei ergebnisorientierten Programmen helfen. Medizintechnikunternehmen brauchen daher eine Datenstrategie, mit der sie zeigen können, dass sie die Metriken der Verträge erfüllen – und damit die Erwartungen von Leistungserbringern, Kostenträgern und Patienten. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist hier die geeignete Datenmanagementplattform. Mit ihr lassen sich Daten der Patienten – einschließlich klinischer, administrativer, gerätebezogener und selbst generierter Daten – zusammenführen, die dann als Basis für die Bewertung von Geräten und Services dienen.

Fit für das „Internet of Medical Things“

Bereinigte Daten in austauschbaren Formaten – innerhalb entstehender Ökosysteme mit Behandlern und Prozesspartnern: Aus Schlagwörtern wie „Healthy Data“ und „Interoperabilität“ wird somit das ganz reale Herzstück der Zukunftsstrategien aller Behandlungsbeteiligten. Und hier kommt noch ein „Buzzword“, das inzwischen aber ebenfalls mit Realität angefüllt wird: das „Internet of Medical Things“, IoMT.

Das IoMT steht für die Vernetzung von Daten, Anwendungen und Geräten. Dieses Netzwerk ist auf Expansionskurs – mit Riesenschritten: Für das Jahr 2023 erwarten Prognosen, dass 68 Prozent der Medizingeräte miteinander kommunizieren. Die Herausforderung, die Daten interoperabel, die Austauschprozesse nahtlos und die Nutzung der Daten ergebnisstark zu machen, meistern die Beteiligten mit einer Datenplattform wie IRIS for Health von InterSystems – ausgestattet mit Interoperabilität und Konnektivität sowie Tools für maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz.

Heute werden mehr als eine Milliarde Patientenakten mit auf unserer Datenplattform-Technologie basierenden Lösungen verwaltet. Epic, einer der weltweit größten KIS-Anbieter, verwendet unsere Datenplattform InterSystems IRIS. Der schottische NHS und die US Veterans Administration vertrauen Intersystems zur Bereitstellung einheitlicher Patientendaten. Roche Diagnostics entwickelt vernetzte Gesundheitslösungen auf Basis unserer standardisierten Interoperabilität und Tricore Reference Labs arbeiten mit Intersystems Lösungen, um gesunde Daten für die biowissenschaftliche Forschung bereitzustellen. In der DACH-Region vertrauen die neun Universitätskliniken des SMITH-Konsortiums, die Sana Kliniken AG oder schweizerische OFAC auf die Datenmanagementkompetenz von Intersystems.

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In den USA wird es teuer, den Fluss von Patientendaten zu blockieren

Die Ansage kam im Frühjahr aus Washington D.C.: Das Office of the National Coordinator for Health Information Technology (ONC) im U.S. Department of Health and Human Services (HHS), also dem Gesundheitsministerium, und die Centers for Medicare & Medicaid Services (CMS) stellen Hürden im Fluss von Gesundheitsdaten unter Strafe. Das Ziel: Die US-Behörden wollen jeden US-Bürger zur Übernahme von Verantwortung für die eigene Gesundheit befähigen. Auch soll der Patientennutzen in den Mittelpunkt der Leistungserbringung rücken. Die Interoperabilität wird durch die Vorgabe einer veröffentlichten Programmierschnittstelle (Patient Access API) konkretisiert; dies ermöglicht die Nutzung von Daten aus Medizintechnik und Wearables für die medizinische Praxis und Forschung sowie für die Wartung und Weiterentwicklung der Geräte. Die Grundlage bietet der neue Standard FHIR der Standardisierungsorganisation HL7. Die Strafbewehrung bezieht die „IT-Entwickler“ mit ein – also etwa die Anbieter von KIS-Lösungen. Da kein Medizingerät heute mehr ohne IT auskommt und Daten generiert / vermittelt, fallen ggf. auch Medtech-Hersteller unter diese Regelung.

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* Jochen Scharafin ist seit 2019 als Sales Executive bei der Intersystems GmbH tätig. Er verantwortet den Geschäftsbereich IRIS For Health -Data Platform in den Ländern Deutschland, Österreich und Schweiz.

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