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Brainlab Spine Symposium Mensch und Maschine müssen sich ergänzen

Von Johannes Kapfer 4 min Lesedauer

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Roboter, bildgebende Verfahren und KI-basierte Assistenzsystem halten in immer mehr Fachrichtungen der Medizin Einzug. Hochpräzise Hilfsmittel – Made in Germany – erleichtern weltweit die Arbeit von Fachärzten. In der Wirbelsäulenchirurgie verbessert der Einsatz von Technologie das Outcome signifikant.

Professor Roger Härtl präsentiert eine neuartige Operationstechnik.(©  Brainlab)
Professor Roger Härtl präsentiert eine neuartige Operationstechnik.
(© Brainlab)

„Zurücktreten vom Tisch bitte.“ Für etwa dreißig Sekunden bewegt sich im Operationssaal im Münchener Osten kein Mensch. Dafür verrichtet ein mannshoher Körperscanner, der auf den ersten Blick wie der kleine Bruder eines Kernspintomographen anmutet, piepsend und blinkend sein Werk. Kurz darauf bringt ein Chirurg einen, in sterilem Weiß gehaltenen, Roboterarm in Stellung. Einmal, zweimal, dreimal weist das System den Chirurgen an, die Position des Arms zu korrigieren. Schließlich signalisiert ein durchgängig grün leuchtendes Lämpchen vollständige Einsatzbereitschaft. Nun geht es sehr schnell. Der Chirurg setzt ein medizinisches Instrument in die dafür vorgesehene Halterung am Roboterarm und kann direkt mit dem Setzen der ersten Schraube beginnen. Die anwesenden Fachkollegen klatschen anerkennend Beifall.

Nicht nur Chirurgen profitieren

Die OP-Situation findet während des Spine Symposiums 2024 im Hightech-Keller der Brainlab Firmenzentrale in München-Riem statt. Der „Patient“ ist ein Plastikdummy, die Gerätschaften hingegen sind echt und auf dem neuesten Stand der Technik. Operationen am offenen Rücken, die bis vor wenigen Jahren mindestens zwei Chirurgen und mehrere Stunden hochkonzentriertes und stark körperliches Arbeiten in schweren Anzügen anforderten, können dank der eben präsentierten Technologie von einem einzelnen Chirurgen in weniger als einer Stunde durchgeführt werden. Aufgrund der Tatsache, dass die eingesetzten Roboter keinerlei Pausen benötigen, kaum Fehler begehen und im Gegensatz zu Chirurgen auch keine Ermüdungserscheinungen an den Tag legen, steigen auch die Operationserfolge, das so genannte Outcome, signifikant an.

Zwei Professoren berichten über ihre Erfahrungen mit moderner Technik im OP

Professor Dr. Maria Wostrack ist leitende Oberärztin am Münchener Klinikum rechts der Isar. Die Neurochirurgin, deren Spezialität hochkomplexe Eingriffe an der Wirbelsäule sind, schätzt die Erleichterung, die die Digitalisierung im Klinikalltag mit sich bringt: „Zunächst benötigt man eine gewisse Lernkurve für den Umgang mit neuen Technologien – im Nachgang profitiert man allerdings immens davon, insbesondere zeitlich.“ Auch die Tatsache, dass bereits während des Medizinstudiums stets mit dem neuesten Stand der Technik gearbeitet werde und die Lehrinhalte rasch an medizintechnische Innovationen angepasst werden können, spiele dem Healthcare-Sektor in die Karten.

Die gebürtige Moskauerin, die bereits zum Einsatz von Augmented Reality im Gesundheitswesen geforscht und veröffentlicht hat, geht zwar nicht davon aus, dass im Laufe der Dekade jeder Arzt mit einer AR/VR-Brille operieren wird. Für gewisse Operationen stelle die Technik jedoch bereits jetzt ein „erfreuliches Add-On“ dar, das den Leistungserbringern die Arbeit erleichtere. Ihrer Meinung nach können zwei Bereiche des Gesundheitswesens zukünftig besonders stark von Digitalisierungsmaßnahmen profitieren. Zum einen vom Zusammenspiel verschiedener digitaler Module, sodass ein standardisiertes interoperables digitales Netzwerk entstehe. Anderseits müsse man – laut Dr. Wostrack – den Hemmschuh Datenschutz abstreifen. Dadurch könnten erleichterte und ineinander verzahnte Kommunikationskanäle zwischen verschiedenen Organen des Healthcare-Sektors stattfinden und die gesamte Patientjourney sowie das generelle Outcome positiv beeinflusst werden.

Professor Dr. Roger Härtl ist Lehrstuhlinhaber am New Yorker Weill Cornell Medical College, welches über eine der renommiertesten medizinischen Fakultäten in den Vereinigten Staaten verfügt. Der gebürtige Deutsche weiß um die Sonderstellung der Wirbelsäulenchirurgie. Im Gegensatz zu anderen medizinischen Fachbereichen, wie etwa der Herz-, oder Gehirnchirurgie, bei denen oftmals Operationen unabdingbar und meist lebensentscheidend sind, stehe man als Wirbelsäulenchirurg oft vor der schwierigen Abwägung zu operieren. In der Vergangenheit waren die Erfolgschancen bei bestimmten Krankheitsbildern maximal als mittelmäßig zu bewerten. Dank neuer Technologien, wie sie etwa von Brainlab in München entwickelt und vertrieben werden, könne viel häufiger mit positivem Ausgang operiert werden. Insbesondere bei degenerativen Krankheitsbildern, bei denen die Patienten Schmerzsymptome aufweisen, die nicht lebensbedrohlich und durch eine Medikation theoretisch zu behandeln wären, sei die Indikation hin zur Operation nun häufiger gegeben, meint Härtl.

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Möglich hätten dies insbesondere die technischen Fortschritte der letzten 20 Jahre gemacht. Besonders das flächendeckende Aufkommen von bildgebenden Verfahren sei in seinen Augen ein echter „Game-Changer“ gewesen. Beim Einsatz von künstlicher Intelligenz sieht Härtl Parallelen. Ob automatische Protokollierung von Arbeitsschritten, das Erkennen von komplexen Mustern oder die tatsächliche Unterstützung während einer Operation. Die Anwendungsmöglichkeiten seien schier unbegrenzt, und seiner Meinung nach befindet sich die Digitalisierung im Bereich Healthcare noch in den Kinderschuhen. Bei allen Möglichkeiten und aller Technikaffinität möchte Härtl allerdings betonen, dass das wertvollste Kapital des Gesundheitswesens nicht die technischen Gerätschaften sondern das Personal sind. „Es ist wichtig, dass man seine Prioritäten klar verteilt“, sagt Härtl. „Letztendlich geht es um die Menschen, die in der Pflege arbeiten, die sich um die alte Generation kümmern, die Rehabilitationsmaßnahmen begleiten. Und um die Ausbildung einer neuen Generation von Ärzten.“

Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf unserem Schwesterportal www.healthcare-digital.de.

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