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Projektpartnerschaft
Serienfertigung gemeinsam von Beginn an im Blick

Ein Gastbeitrag von Markus Kamm* 7 min Lesedauer

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Medizin-Start-ups stehen oft vor der Herausforderung, eine überzeugende Produktidee in erste Prototypen und die industrielle Serienproduktion zu überführen. Die passende Kooperation hilft dabei, die Anforderungen der Serienfertigung von Beginn an zu berücksichtigen und den gesamten Wertschöpfungsprozess kompetent zu begleiten. Wie eine solche Kooperation – vornehmlich für die Bereiche Testträgersysteme und In-Vitro-Diagnostik – aussehen kann, zeigen zwei Projektpartner am Kundenbeispiel.

Psorx-Labdisk: Die Single-Use-Kartusche enthält alle benötigten Reagenzien für den PCR-basierten Nachweis.  (Bild:  Dermagnostix GmbH)
Psorx-Labdisk: Die Single-Use-Kartusche enthält alle benötigten Reagenzien für den PCR-basierten Nachweis.
(Bild: Dermagnostix GmbH)

Die Ausgründung von Dermagnostix aus dem Hahn-Schickard-Institut für Mikroanalysesysteme beruht auf jahrelanger Forschung des Instituts auf dem Gebiet der zentrifugalen Mikrofluidik. Der große Vorteil gegenüber druckgetriebenen Systemen, durch die Flüssigkeiten in einer Kartusche bewegt werden können, ist, dass bei Zentrifugation keine Blasenbildung auftreten kann, die das ganze System blockieren könnte. „Aus dieser Forschungsarbeit heraus haben wir eine Art Toolbox für die Flüssigkeitsverschaltung bei Lab-on-Chip-Testsystemen entwickelt – praktisch einen klassischen Laborablauf im Kleinformat“, erklärt Prof. Nils Paust von Hahn-Schickard. „Diese Entwicklung treiben wir bis zu einem Technology-Readiness-Level von ca. fünf bis sechs voran, also bis zum Proof-of-Concept bzw. für den ersten Einsatz mit Funktionsmustern. Die Weiterentwicklung zu einem stabilen, zugelassenen Produkt obliegt dann dem Kunden. Oder wir können den Kunden hier auch weiter begleiten und schließlich die Fertigung der Vor- und Kleinserie realisieren.“

Eine Gruppe Dermatologen aus München kam mit einem Assay, also einem biochemischen Ablauf von Analyseschritten, auf Hahn-Schickard zu. Die Ärzte suchten Hilfe, um ein produkttaugliches PCR-Nachweisverfahren für dermatologische Erkrankungen auf einer Lab-on-a-Chip-Kartusche zu integrieren. Mithilfe der Toolbox konnte dieser Assay von Hahn-Schickard auf einem zentrifugalen CD-förmigen System integriert werden. Es erfolgte die Ausgründung von Dermagnostix, um aus dieser Produktidee ein marktreifes Produkt weiterzuentwickeln. Endergebnis ist die Psorx-Labdisk. Das Mini-Labor ermöglicht, die beiden Hauterkrankungen Psoriasis (Schuppenflechte) und Ekzem über eine Hautprobe in etwa zwei Stunden zweifelsfrei voneinander zu unterscheiden.