Aufbau- und Verbindungsstrategien von optischen Glasfasern mit photonischen integrierten Schaltkreisen (PICs) werden üblicherweise mit Klebstoffen realisiert. Doch diese Verbindungstechnik kann langfristig zu optischer Degradation und dadurch zu hohen optischen Übertragungsverlusten führen. Im Rahmen des Eurostars-Projekts „PICWeld“ entwickelten deshalb Forscher des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM, in Zusammenarbeit mit mehreren Partnern, ein platzsparendes und robustes Laserschweißverfahren zur Fixierung von Glasfasern an photonisch integrierten Schaltkreisen.
Mit dem CO₂-Laserschweißen werden zuverlässige Faserkopplungen für die Medizintechnik geschaffen.
(Bild: Fraunhofer IZM)
Im Rahmen des Eurostars-Projekts „PICWeld“ entwickelten Forschende des Fraunhofer IZM, in Zusammenarbeit mit den Partnern Lionix International BV, Phix Photonics Assembly und Ficon-TEC Service GmbH, ein klebstofffreies, platzsparendes und robustes Laserschweißverfahren zur Fixierung von Glasfasern an PICs. Durch die Integration des Verfahrens in eine automatisierte Justageanlage wurde die industrielle Reife des Systems gezeigt, was die Glas-Glas-Verbindungstechnik für einen kommerziellen Einsatz sehr attraktiv macht.
Wie gestalten sich Wechselwirkungen zwischen Licht und Materie?
Schon lange ist bekannt, dass biochemische Prozesse von Organfunktionen über die Temperaturregulierung bis hin zur Hormonproduktion maßgeblich von Licht geprägt werden. Inzwischen ist die Forschung rund um Licht und Körper weit vorangeschritten, junge Disziplinen wie die Life Science und Biophotonik beschäftigen sich mit Fragen, die sich am Schnittpunkt der Naturwissenschaften und Medizin befinden. Mit hochpräzisen und komplexen Messungen können Informationen darüber gewonnen werden, wie sich die Wechselwirkungen zwischen Licht und Materie gestalten, z. B. bei der Untersuchung der Struktur von Zellen und Geweben, die für Krebserkrankungen relevant sind.
Doch Einblicke in das Innerste zu erhalten, ist kein leichtes Unterfangen: Kürzlich wurden miniaturisierte Systeme basierend auf photonisch integrierten Schaltkreisen mit hochstabilen Faserverbindungen vorgeschlagen, um die Rolle des sichtbaren Lichts in biologischen Prozessen nachvollziehen zu können. An dieser Stelle setzte das Fraunhofer IZM im Projekt „PICWeld“ an und entwickelte ein neuartiges Laserschweißverfahren, mit dem optische Fasern direkt mit PICs auf Quarzglas verschweißt werden können. Mithilfe des Partners Ficon-TEC Service GmbH wurde dieses Verfahren in einer automatischen Anlage umgesetzt, die eine hohe Reproduzierbarkeit und Skalierbarkeit bietet.
Glas-Glas-Verbindungen robust und langlebig aufbauen
Das Forschungsteam rund um Dr. Alethea Vanessa Zamora Gómez hat es sich zur Aufgabe gemacht, Glas-Glas-Verbindungen einfacher, robuster und langlebiger aufzubauen. Solche Verbindungen werden in der Fachwelt der Optik bereits genutzt, jedoch weisen konventionelle Lösungen mehrere Nachteile auf: Zumeist werden die diskreten optischen Bauteile mit einem Klebstoff verbunden. Durch die Weichheit des Klebstoffs kann sich die Position des Bauteils über die Zeit ändern, zudem stellt er eine Störstelle zwischen den beiden Glasschichten dar, die eine Dämpfung des Signals verursachen und nach Alterung des Klebstoffs brüchig werden kann. Die Langzeitstabilität ist daher oft kritisch. Um diese Nachteile zu umgehen, haben die Forscher einen Prozess des CO2-Laserschweißens entwickelt und realisieren damit eine direkte, thermisch robuste und transparente Glas-Glas-Verbindung.
Um das Laserschweißen für zuverlässige Quarzglasverbindungen nicht nur experimentell durchzuführen, wurde eine neue, automatisierte Prozessanlage entwickelt und hergestellt. Die entstandene Anlage ermöglicht eine im Interface klebstofffreie und polarisationserhaltende Kopplung zwischen optischen Quarzglas-Fasern und Quarzglas-PICs mit integrierten Wellenleitern. Doch bis zur Umsetzung anwendungstauglicher Verbindungen mussten die Forscher eine Reihe technologischer Herausforderungen bewältigen. Dadurch, dass Glasfasern und die Substrate unterschiedliche Volumen aufweisen, sind auch die Wärmekapazitäten der beiden Fügepartner ungleich. Diese Diskrepanz resultiert in einem stark unterschiedlichen Aufheiz- und Abkühlverhalten, was z. B. zu Deformationen oder Rissen beim Abkühlen führen kann. Die Lösung der Photonik-Experten lag darin, das Substrat mittels eines separaten und individuell anpassbaren Lasers homogen vorzuheizen, so dass die Schmelzphase der Faser und des Substrats dennoch gleichzeitig erreicht wird.
Die mit thermischer Prozessüberwachung bis 1300 °C, einem bis auf 1 µm genauen Positioniersystem, Bilderkennungsverfahren sowie einer Steuerungssoftware ausgestattete Anlage schweißte bereits im Laufe des Projekts erste Verbindungen, so dass die Funktionsfähigkeit getestet und erste prozessorientierte Messungen durchgeführt wurden.
Erste Folgeprojekte
Übergangslos ergaben sich nach dem PIC-Weld-Abschluss 2021 erste Folgeprojekte, in denen die neue Technologie zum Faserkoppeln von Kollimatoren, Wellenleiterchips und Multilinsenarrays genutzt wurde. „Mit unserer Anlage zum CO2-Laserschweißen haben wir das bisherige Verfahrensprinzip erweitert: Besonders das hohe Automatisierungspotenzial ermöglicht Kunden, PICs mit höchster Kopplungseffizienz zu verwenden. In der Industrie integriert, bedeutet das einen Sprung für die Anwendungsbereiche der Biophotonik, aber auch Quantenkommunikation und Hochleistungsphotonik“, erklärt die Projektleiterin Dr. Alethea Vanessa Zamora Gómez.
Stand: 08.12.2025
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Der Beitrag des Fraunhofer IZM in „PICWeld“ wurde gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit dem Förderkennzeichen: 01QE1744C. Es gehört zum Eurostars-Programm (11324), in dessen Rahmen eine Zusammenarbeit mit Lionix International BV, Phix Photonics Assembly und Ficon-TEC Service GmbH erfolgt ist.