Im 23. Teil unserer Kolumne der Regulatory-Affairs-Experten von Seleon dreht sich alles um das Thema Nachhaltigkeit, genauer: die nachhaltige Unternehmenstransformation.
Damit Ihre Projekte nicht Gefahr laufen zu platzen: das Seleon-Nähkästchen zu Regulatory Affairs.
(Bild: Devicemed/Daniel Grimm)
In so manchem Lager von Medizinprodukteherstellern findet sich mindestens ein Regal, welches sich vor dem Gewicht schwerer Gebrauchsanweisungen (IFU) biegt. Einige von ihnen sind dicker als so mancher Weltbestseller. Allerdings in bis zu 24 Amtssprachen der EU auf einmal ausgearbeitet, (hoffentlich) nach Usability-Aspekten bewertet und auf ihren Einsatz wartend. Durch die Menge an genutztem Papier und Farbauftrag lasten sie jedoch nicht nur dem Regal auf, sondern v. a. auch unserer Umwelt. Die eIFU wäre eine Lösung – viele wollen sie, doch nur wenige dürfen diese auch aufgrund regulatorischer Vorgaben umsetzen. Wenn es dann zur Umsetzung kommt, so liegen bei der praktischen Anwendung viele Steine im Weg. An der Einführung der flächendeckenden eIFU werden wir wohl alle noch mitarbeiten müssen.
Papierberge sind nicht der einzige Grund für Mehrarbeit: Ein immer engmaschigeres Werk an Nachhaltigkeitsregulatorik soll bedacht sein und Kunden fragen vermehrt in ellenlangen Listen ESG(Environmental Social Governance)-Kriterien ab. Ab und an verliert man bei dieser Belastung dann doch den Grund aus dem Blick, woher all diese Maßnahmen stammen: Wir möchten einer gesunden Menschheit Leistung tragen – und um dieses Ziel zu erfüllen, gehört eine gesunde Umwelt mit zu unserer Verantwortung. Ob alle der angestrebten Maßnahmen zumutbar und zielführend sind, darüber streiten sich einige. Doch anstatt zu frusten, wollen wir das Augenmerk einmal auf einige Dinge legen, welche für das nachhaltige Gesundheitswesen eine echte Chance sein können. Also verstecken wir uns nicht hinter diesem von IFUs gut bestückten Regal!
Ausschreibungen ändern sich
Sieht man sich aktuelle Tender genauer an, fallen einem neue Kriterien im Bereich Nachhaltigkeit ins Auge: Abgefragt wird der Einsatz von bedenklichen Stoffen wie BPA oder PVC, aber auch der Recyclinganteil eingesetzter Materialien oder die Recyclebarkeit der Verpackung. Wer bei den Kriterien positiv heraussticht, kann eher mit einer Beauftragung rechnen, denn diese wiegen zu 20 Prozent der Kaufentscheidung bei, einige sind sogar als Ausschlusskriterium geführt.
Das Programm Born Green Generation von Health Care Without Harm fasst dabei die Gründe der Tenderpunkte treffend zusammen. Auch die „European healthcare’s phase-out list for chemicals of concern“ gibt eine Laufrichtung für Gesundheitseinrichtungen mit weniger Erfahrung im Themenfeld vor, um Material Compliance auf die nächste Stufe zu heben.
Vergütung für nachhaltiges Handeln
Und wer zahlt für die Mehrkosten? Einige Häuser versuchen Gelder des Krankenhauszukunftsgesetzes, welche für die Digitalisierung von Krankenhäusern vorgesehen sind, auch sinnvoll für die Nachhaltigkeit einzusetzen. Denn Nachhaltigkeit und Digitalisierung gehen Hand in Hand. Nur wer über einen verlässlichen Pool an Daten verfügt und diese auswerten kann, mag auch die größten Hebel der eigenen Nachhaltigkeitswende bestimmen und in Gang setzen können. Digitale Tools helfen dabei, Daten zu sammeln, auszuwerten und gleichzeitig die Compliance zu neuer Nachhaltigkeitsregulatorik zu gewährleisten.
Einige wenige Kliniken greifen auch selbst schon tiefer in die Tasche, um nachhaltigere Produkte einzukaufen. Doch das Thema liegt ebenfalls bei den Gesundheitskassen auf dem Tisch. Die Techniker Krankenkasse fordert beispielsweise von der Bundesregierung, dass Nachhaltigkeit als Kriterium in das Sozialgesetzbuch aufgenommen wird. Somit könnten Kliniken für einen nachhaltigen Einkauf mehr Gelder zur Verfügung stehen.
Zuletzt können aber auch Hersteller durch ein verbessertes ESG-Ranking günstigere Investitionen erhalten. Hierzu ist ein ganzheitlicher Blick auf Neuentwicklungen und Ressourcenkalkulationen notwendig. Oft wird von Entwicklern und Managern bei der Entscheidung, ob ein nachhaltigeres Material für einen Aufpreis eingesetzt wird, die Auswirkung auf den ESG-Score nicht mit einkalkuliert. Dabei kann beispielsweise der Einsatz von biobasierten Kunststoffen das ESG-Rating insoweit beeinflussen, dass sich die anfallenden Mehrkosten für den Materialeinkauf amortisieren.
Stand: 08.12.2025
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Regulatorik für den gesamten Produktlebenszyklus
Zuletzt stehen da dann doch noch die ganzen neuen EU-Regulierungen im Hause. Die Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) wird aller Voraussicht nach zum Anfang des Jahres 2025 in Kraft treten. Mit ihr werden Wirtschaftsteilnehmer im EWR (Europäischer Wirtschaftsraum) verpflichtet, über den gesamten Lebenszyklus einer Verpackung mehr Verantwortung zu übernehmen. Hier kommen neue Verpflichtungen auf Hersteller zu, aber auch Chancen. Mit Obergrenzen des Verpackungsvolumens können Material und Transportkosten gespart werden. Und auch mit dem Recycling der Materialien lässt sich Geld machen, wenn genügend Material zur Verfügung steht.
Wir sehen, dass die EU anfängt, ganzheitlich über den Lebenszyklus der Produkte nachzudenken und entsprechend zu regulieren. Diese Denkweise müssen wir nun auch in unseren Unternehmen verankern, Business Modelle, Entwicklung und Einkauf anpassen. Es ist ein langwieriger Prozess, doch glücklicherweise gibt es bei einigen Regulierungen für die Medizintechnik Übergangsregelungen. Anfangen sollten wir jetzt trotzdem schon. Und irgendwann kommt auch noch die eIFU für alle Medizinprodukte – hoffentlich!
Seleons Nähkästchen
Die Seleon GmbH schneidert Ihnen gerne Dienstleistungen im Bereich Produktion, Entwicklung und Consulting auf den Leib. In regelmäßigen Abständen werden wir für Sie in der Devicemed aus dem Nähkästchen plaudern. Noch mehr über uns erfahren Sie auf www.seleon.com/de/regulatory-affairs.