Herz-Kreislauf-Erkrankungen betreffen hierzulande viele Menschen und sind nur mit komplizierten Operationen zu behandeln. An der Universität Sheffield gibt es nun neue Forschungen: dank 3D-Druck kann neues Gewebe gezüchtet werden.
Dr. Sam Pashneh-Tala in seinem Forschungslabor an der University of Sheffield.
(Bild: Formlabs)
3D-Druck: Herstellung komplizierter geometrischer Formen für Gerüste der Blutgefäße
Züchtung menschlicher Zellen in einem Bioreaktor
Schnelle und kostengünstige Anfertigung durch Desktop-Stereolithografie-Drucker
Obwohl der menschliche Körper Erstaunliches leistet und sogar gebrochene Knochen repariert, kann er die meisten Gewebe und Organe bei Verletzungen und Schäden nicht in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Solche Schäden entstehen etwa bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In Deutschland sind kardiovaskuläre Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck eine der häufigsten Erkrankungen im Alter und eine häufige Todesursache. Blockierte und beschädigte Gefäße werden bisher autolog transplantiert: ein Gefäß wird an einer Stelle des eigenen Körpers entnommen und ersetzt das beschädigte Gefäß. Das ist jedoch eine äußerst umständliche und langwierige Operation.
Dieses Verfahren soll sich nun mittels 3D-Druck grundlegend ändern: Dr. Sam Pashneh-Tala forscht an der University of Sheffield dazu, wie Gefäße 3D-gedruckt werden können. Dabei steht er vor besonderen Herausforderungen: Menschliche Gefäße laufen nicht schnurgerade durch den Körper – sie biegen, verzweigen und verjüngen sich. Außerdem sind sie flexibel, um sich an den unterschiedlichen Blutdruck anpassen zu können.
Es gibt zwar erste Versuche, Gewebe und sogar Organe direkt zu drucken, diese können jedoch bisher nicht transplantiert werden. Die Geometrie des Gewebes kann zwar schon nachgebildet werden, die Herausforderung liegt jedoch darin, die mechanischen und biologischen Eigenschaften der Gewebe nachzubilden.
Neue Gewebe werden in speziellen Gerüsten gezüchtet
Dr. Pashneh-Tala nutzt daher ein anderes Verfahren des Tissue Engineerings: Er konstruiert ein Gerüst, an dem menschliche Zellen später in einer in-vitro Umgebung entlangwachsen. Der 3D-Druck spielt hier eine zentrale Rolle: Durch den flexiblen und kostengünstigen Desktop-Stereolithografie-Druck kann Dr. Pashneh-Tala die verschiedenen geometrischen Formen für die Gerüste der Blutgefäße herstellen. Bisher konnten die Wissenschaftler nur gerade Rohre herstellen. Mit dem 3D-Druck können nun auch komplizierte geometrische Formen hergestellt werden.
Der Gerüstbau verläuft dabei in sechs Schritten:
1. In einer CAD-Software konstruiert Dr. Pashneh-Tala zunächst eine Negativ-Form des späteren Gerüsts.
2. Dieses wird anschließend direkt in seinem Labor mit dem 3D-Drucker von Formlabs hergestellt.
3. Nun entsteht die eigentliche Form, worin später die Blutgefäße wachsen: Das Negativ wird mit Silikon ausgegossen und gehärtet.
4. Verschiedene dieser Formen werden im nächsten Schritt zusammengefügt: zwei Formen für das äußere Gerüst sowie eine Innenform.
5. Der Zwischenraum wird dann mit einer biologisch abbaubaren Polymeremulsion gefüllt. Nur unter dem Mikroskop erkennt man, dass diese Strukturen hoch porös sind. Das Polymer, kurz PGS-M, wurde für diesen speziellen Zweck an der University of Sheffield entwickelt. Durch Licht ausgehärtet dient „das Gerüst im Gerüst“ als Struktur für die Zellen.
6. Diese werden schließlich in das Modell eingepflanzt und in einer in-vitro Umgebung gezüchtet.
Der Wissenschaftler arbeitet bereits an weiteren Fortschritten
Um dieses Verfahren weiter zu verkürzen, arbeitet Dr. Pashneh-Tala aktuell daran, die Positive der Gerüstformen mit dem elastischen Kunstharz von Formlabs direkt zu drucken, sodass die Negative überflüssig würden. Das würde eine weitere Zeit- und Kostenersparnis bedeuten. Bevor er das neue Verfahren verwendete, musste der Mediziner alle Modelle an ein externes Labor schicken und mehrere Wochen auf die Fertigung warten. Diese Zeitspanne verkürzt sich dank des Desktop-Stereolithgrafie-3D-Drucks auf wenige Stunden.
Da es sich hier um menschliche Zellen handelt, müssen diese in einer Umgebung gezüchtet werden, die dem menschlichen Körper möglichst ähnlich ist. Dies geschieht in einem Bioreaktor. Auch der Reaktor stammt aus dem 3D-Drucker. Bisher hat Dr. Pashneh-Tala einzelne Komponenten des Reaktors 3D-gedruckt. Nun hat er jedoch begonnen, komplette Kammern mit diesem Verfahren herzustellen. Während die Herstellung sowohl des Reaktors als auch der Formen vorher Wochen dauerte, kann der Wissenschaftler sie durch den Desktop-Stereolithografie-3D-Druck in einem Bruchteil der Zeit und der Kosten selbst herstellen.
Der Reaktor besteht aus einer Kammer, die mit dem Gewebe in seinem Gerüst sowie einem flüssigen Wachstumsmedium gefüllt ist – die Flüssigkeit versorgt die Zellen wie Blut. Der Bioreaktor befindet sich in einem Inkubator, sodass innerhalb des Reaktors in einer sterilen Umgebung 37 Grad herrschen.
In naher Zukunft sollen die gezüchteten Gewebe transplantiert werden
Damit das Gewebe später transplantiert werden kann, ist es wichtig, die Bedingungen zu simulieren, denen es später standhalten muss. Deswegen wird das Wachstumsmedium kontinuierlich durch die Gefäße gepumpt – das simuliert den Blutfluss. Die Zellen in den Gefäßen werden zyklisch gedehnt. Das regt die Zellen an Strukturproteine zu bilden. Diese Proteine sind notwendig, damit sie Blutgefäße bilden können.
Während die Zellen wachsen, löst sich das PSG-M in dem Gerüst auf, sodass am Ende die neu gewachsenen Zellen die spezifische Struktur bilden. Sobald das Gewebe fertig gewachsen ist, kann es getestet werden. Bisher konnte noch keine solche Gewebestruktur transplantiert werden. Dr. Pashneh-Tala schätzt jedoch, dass sie schon in nächster Zeit in klinischen Studien getestet werden können.
Die BBC hat Dr. Pashneh-Tala in seinem Labor besucht
Der Mediziner hofft, dass in naher Zukunft Gewebe und Gefäße individuell für jeden Patienten angefertigt werden können: Klinische Scandaten stellen dann die Basis für die 3D-Modelle der Zell-Gerüste. Patienten spenden eigene Zellen, aus denen in den Bioreaktoren spezifisch für sie angepasste Gewebe gezüchtet werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die transplantierten Gewebe abgestoßen werden, ist nahezu ausgeschlossen, da es sich um eigenes Gewebe handelt.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Durch die Desktop-Stereolithografie-Drucker können die Gerüste für die Gefäße schnell und kostengünstig angefertigt werden. Ohne den 3D-Druck könnte Dr. Pashneh-Tala seine Forschungen nicht so schnell vorantreiben. Dank der digitalen 3D-Modelle können Wissenschaftler international kooperieren und die medizinische Forschung noch schneller vorantreiben.