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Die digitale Transformation in der Medizintechnik nimmt Fahrt auf

| Autor / Redakteur: Markus Meier, René Zölfl* / Alexander Stark

Die Digitalisierung stellt vielfältige Anforderungen an die Medizintechnik-Industrie, ermöglicht aber auch die Schaffung neuer Service- und Geschäftsmodelle.
Die Digitalisierung stellt vielfältige Anforderungen an die Medizintechnik-Industrie, ermöglicht aber auch die Schaffung neuer Service- und Geschäftsmodelle. (Bild: © iconimage - stock.adobe.com)

Stillstand bedeutet Rückschritt. Kein Wunder also, dass die Digitalisierung in der Medizintechnik mit Siebenmeilenstiefel voranschreitet. Der Markt wächst gewaltig: Mit über 450 Milliarden US-Dollar ist der Markt für Medizintechnik einer der größten und wirtschaftlich interessantesten. Das haben auch die Technologie-Riesen schon erkannt.

  • Digitalisierung eröffnet vielfältige Möglichkeiten der Prozessoptimierung
  • Intelligente Vernetzung im Internet of Medical Things für Medizintechnikhersteller von zentraler Bedeutung in der Fertigung
  • Neue Services und Geschäftsmodelle steigern die Attraktivität für den Kunden

Der Einsatz intelligenter Technologien wie Miniaturisierung, 3D-Druck oder Datenanalyse ist gewissermaßen ein Anti-Rückschritts-Versprechen, an dem Unternehmen zunehmend gemessen werden. Zu Recht, denn die Technologien verändern grundlegend die Art und Weise, wie Unternehmen Produkte entwickeln, Informationen aus Produkten abrufen und zukünftige Produkte verbessern.

Ungebremste Innovation

Nur wenige Branchen sind so stark reguliert wie die Gesundheitsbranche. Und doch sind zugleich auch nur wenige Branchen so innovativ wie die Gesundheitsbranche. Hersteller von Medizinprodukten müssen nachweisen, dass ihre Produkte nach strukturierten, wiederholbaren und kontrollierten Prozessen entwickelt und produziert werden. Trotz dieser strikten Auflagen, die im Zuge der neuen Europäischen Medizinprodukteverordnung (MDR) ab Mai 2020 noch einmal verschärft werden, locken das Marktvolumen und die technologischen Möglichkeiten immer mehr Technologieriesen wie Apple und Google an, die ihre Wurzeln im Consumer-Umfeld haben. Innovationen bei Produkten und neue Geschäftsmodelle werden auch zukünftig ein wesentlicher Erfolgsfaktor sein, insbesondere für etablierte Unternehmen – etwa, um personalisierte Medizinprodukte bis zur Losgröße 1 kosteneffizient auf den Markt zu bringen. Das Gebot der Stunde, um wettbewerbsfähig zu bleiben: Digitalisierung.

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Prozesse in der Entwicklung und Fertigung optimieren

Viele Prozesse oder Prozessschritte von Medizintechnikherstellern werden heute noch manuell oder in separaten, nicht verbundenen Systemen ausgeführt. Dies führt zu einem erheblichen Mehraufwand, der vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels nicht mehr bewältigt werden kann. Von der Produktentwicklung über die Fertigung bis hin zum Service von Medizinprodukten: Dank des Einsatzes digitaler Technologien ergeben sich vielfältige Möglichkeiten zur Prozessoptimierung.

Die Einführung eines übergreifenden PLM- und ALM-Systems hilft beispielsweise, Daten aus unterschiedlichen Quellen an einem einzigen Ort zu bündeln, und dient als Backbone für die technische Entwicklung, Qualitätssicherung und die Verwaltung von Normen und Vorschriften. Medtronic, einer der Marktführer in der Medizintechnik, konnte beispielsweise durch eine weitreichende Digitalisierung und enge Verzahnung der Prozesse in der Produktentwicklung seine Entwicklungszeiten um 8 bis 12 Prozent reduzieren.

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Hochpräzise medizinische Geräte sind nur dann erfolgreich, wenn sie mit gleichmäßig hoher Qualität nach definierten Spezifikationen hergestellt werden. Die Digitalisierung der Fertigung ist damit eine der zentralen Stellschrauben für Hersteller medizintechnischer Produkte. Damit auf dem Weg von der technischen Entwicklung an die Fertigung keine wichtigen Details verloren gehen, ist ein integrativer Ansatz zentral. Die intelligente Vernetzung von Maschinen und Anlagen im sogenannten Internet of Medical Things (IoMT) hilft, stets den Überblick zu behalten. Sind die Maschinendaten sichtbar und im Kontext der Verwendung darstellbar, lassen sie sich für Analysen nutzen. So können zum Beispiel mithilfe von Technologien wie Machine Learning und Künstlicher Intelligenz (KI) Maschinen- und Prozesszustände vorhergesagt werden.

Der Service wird digital

Die Verfügbarkeit von Geräten ist in der Medizintechnik entscheidend. Daher ist es wichtiger denn je, den Kundendienst in den Mittelpunkt zu stellen. Anhand von Ferndiagnosen oder kontextbezogenen Reparaturanweisungen können Servicetechniker die Häufigkeit und die Dauer von Servicemaßnahmen reduzieren. Dank der Konnektivität mit seinen Produkten spart etwa das Medizintechnikunternehmen Elekta 20 Prozent der Serviceeinsätze ein und gewährleistet dabei eine höhere Verfügbarkeit seiner Geräte.

Zusätzliche Optimierungspotenziale ergeben sich im Service durch den Einsatz von erweiterter Realität (Augmented Reality, AR). Die visuelle Bereitstellung von Anweisungen – Schritt für Schritt eingeblendet auf das Produkt – löst sperrige Handbücher und Wartungslisten sowie zeit- und kostenintensive Trainings von Servicemitarbeitern am Produkt ab.

Daten befeuern neue Geschäftsmodelle

Die Digitalisierung der Medizintechnik richtet den Wettbewerb im Gesundheitssystem neu aus und stellt die Wandlungsfähigkeit bewährter Anbieter auf die Probe. Daten sind dabei das neue Öl: werden sie nicht weiterverarbeitet, haben sie keinen Wert. Anbieter, die ihre Geschäftsmodelle konsequent auf die Erhebung und Verarbeitung von Daten aufgebaut haben, beanspruchen den Markt zunehmend für sich. Die Nutzung von Gerätedaten zur Überwachung und Optimierung kann bei dieser Transformation ein guter Ausgangspunkt sein.

Laborgerätehersteller bieten ihren Kunden zum Beispiel bereits heute Anwendungen, die anhand aktueller Gerätedaten Auskunft über die Nutzung und Leistungsfähigkeit geben sowie Möglichkeiten für eine optimierte Nutzung aufzeigen. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz kann helfen, in diesem Datendschungel nicht den Überblick zu verlieren. Hersteller bildgebender Verfahren können mithilfe von KI etwa Bilddaten analysieren und Ärzte bei der Diagnose und Therapie schneller und besser unterstützen. Mit dieser Erweiterung des Portfolios kommt den Herstellern eine völlig neue Rolle zu: Sie entwickeln sich vom reinen Produktanbieter zum Anbieter von Mehrwertleistungen, mit denen sich die Effizienz von Prozessen steigern lässt.

Verlässliche Datenbasis legt Grundstein für Innovationen

Im Zuge der Entwicklung von Medizintechnikhersteller hin zu Anbietern datengetriebener Servicemodelle stehen den Unternehmen schon jetzt große Datenmengen zur Verfügung. Mit der steigenden Anzahl smarter Geräte ist hier zukünftig mit weiterem Zuwachs zu rechnen. Damit Hersteller aus diesen schieren Datenmassen wertvolle Rückschlüsse auf den Zustand ihrer Geräte oder das Wohlbefinden der Patienten, auf die Effizienz entlang des Produktlebenszyklus und somit auch auf den Bedarf an Wartungs-, Instandhaltungs- und Investitionsmaßnahmen in Echtzeit ziehen können, müssen sie die Daten verstehen und mit Big-Data-Analyseverfahren auswerten. Bei dieser Mammutaufgabe unterstützen industrielle Innovationsplattformen wie Thing Worx von PTC. Sie ermöglichen es Herstellern, Daten aus vernetzten Produkten, Prozessen und Geschäftssystemen zu erheben, zu kontextualisieren sowie zu analysieren und zu orchestrieren.

Hersteller, die noch am Anfang dieser Reise stehen, sollten zunächst klein anfangen. Ein guter erster Schritt ist, die Bereiche zu identifizieren, die optimiert werden könnten. Die Design-Thinking-Methode kann auf diesem Weg unterstützen, um Potenziale aufzudecken und das Produkt mit regelmäßigem Feedback aus der Zielgruppe praxisnah zu verbessern.

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Weitere Artikel zur Führung von Medizintechnik-Unternehmen finden Sie in unserem Themenkanal Management.

* Markus Meier, Market Director Life Sciences und René Zölfl, Business Development Director Life Sciences bei PTC

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