Rückläufige Energie- und Rohstoffpreise stabilisieren die Geschäftslage in der Gesundheitswirtschaft und lassen die Unternehmen leicht optimistisch in die Zukunft blicken. Inflation und der anhaltende Fachkräftemangel trüben allerdings weiterhin die Aussichten.
Trotz leichter Entspannung bleibt die Gesundheitswirtschaft unter Druck, zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle DIHK-Gesundheitsreport.
(Bild: onephoto - stock.adobe.com)
Der Blick auf die nächsten Monate ist zu Jahresbeginn deutlich weniger pessimistisch als noch im Herbst 2022, das zeigt der aktuelle DIHK-Gesundheitsreport. Rund 800 Betriebe beteiligten sich an der Umfrage und signalisieren, dass sich die Erwartungen in der pharmazeutischen Industrie und der Medizintechnik deutlich verbessert haben. Aufgrund nachlassender Störungen in globalen Lieferketten steigen auch die Exporterwartungen der industriellen Gesundheitswirtschaft für die nächsten Monate deutlich an.
Jedes dritte Unternehmen (30 %) bewertet in der aktuellen Umfrage seine Lage mit „gut“, im Herbst waren es nur 25 %. Zu dieser Einschätzung kommen die Unternehmen über alle Branchen hinweg, wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägt. Demgegenüber stufen 20 % der Betriebe aus der Gesundheitswirtschaft ihre Geschäftslage als „schlecht“ ein (Vorjahr: 24 %).
„Die Talsohle vom vergangenen Herbst, als Energieengpässe und steigende Preise die Agenda beherrschten, haben die Unternehmen zwar mittlerweile durchschritten“, sagt Achim Dercks, stellvertretender DIHK-Hauptgeschäftsführer. „Es wäre aber verfrüht, jetzt schon die Krise für beendet zu erklären. Solange das Preisniveau weiter hoch bleibt und andere strukturelle Probleme nicht gelöst werden, gibt es keinen tragfähigen Aufwärtstrend.“
So rechnen nur 19 % der Unternehmen der Gesundheitswirtschaft mit einer Verbesserung (zuletzt 10 %), 31 % mit einer Verschlechterung (zuletzt 43 %) der eigenen Geschäfte. Insbesondere in der pharmazeutischen und der Medizintechnikindustrie haben sich die Geschäftserwartungen verbessert. Hingegen gehen im Handel 40 % der Betriebe von einer Verschlechterung der Geschäfte aus, nur 12 % von einer Verbesserung.
Digitalisierungsstrategie muss weiter vorangebracht werden
Zur Verunsicherung trägt auch die weiterhin schleppende Einführung des E-Rezepts bei. Dercks: „Die Digitalisierung im Gesundheitswesen muss endlich entschieden vorangebracht werden. Digitalisierung kann zu einem sinnvolleren Einsatz der knappen Fachkräfte beitragen und zugleich die Qualität der Versorgung steigern.“ Dies, so der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer, wirke sich perspektivisch auch positiv auf die Ausgabenentwicklung im Gesundheitswesen aus, was wiederum der gesamten Wirtschaft zugutekäme.
„Wegen der demografischen Entwicklung müssen Belegschaften insgesamt gesünder und damit verbundene Zusatzkosten für den Faktor Arbeit auch langfristig bezahlbar bleiben.“ Das Bundesgesundheitsministerium müsse daher zentrale Vorhaben der neuen Digitalisierungsstrategie wie eine Stärkung der Forschungsdatenlandschaft zügig umsetzen, fordert Dercks.
Fachkräftemangel belastet weiterhin
Das größte Risiko in der Gesundheitswirtschaft sehen die Unternehmen beim Fachkräftemangel: 67 % der Betriebe (im Vergleich zu 66 % zum Vorjahr) sehen sich hiervon am meisten belastet, wobei Unternehmen in den Gesundheits- und sozialen Diensten mit 79 % (zu 80 % im Vorjahr) am stärksten betroffen sind. Die Medizintechnik liegt mit knapp 64 % über dem Vorjahr (48 %).
Bei den Unternehmen in der pharmazeutischen Industrie ist die Sorge um qualifiziertes Personal zwar gestiegen (48 nach zuletzt 39 %), jedoch nach wie vor deutlich weniger ausgeprägt als in der Gesundheitswirtschaft insgesamt. Der Mangel ist hier auch weniger virulent als in der gesamten Industrie (61 %).
Rückläufiges Risiko bei Rohstoff- und Energiepreisen
Darüber hinaus bleiben die Preise für Rohstoffe und Energie ebenfalls ein großes Risiko für die Betriebe, wenn auch die Risikoschätzung auf 65 Prozent im Vergleich zum Herbst 2022 (79 Prozent) zurückgegangen ist. Besonders die Industrieunternehmen aus der Medizintechnik (85 nach zuletzt 95 %) und der pharmazeutischen Industrie (86 nach zuletzt 93 %) sind von den Preissteigerungen weiterhin stark betroffen. Deutlich weniger Unternehmen reagieren auf die Preisentwicklung mit der Reduzierung ihrer Produktion oder Angebote (4 nach zuletzt 16 % in der Medizintechnik und 11 nach zuletzt 18 % in der Pharmabranche).
Internationales Geschäft erholt sich
Dank nachlassender Störungen in den globalen Lieferketten steigen die Exporterwartungen der industriellen Gesundheitswirtschaft in den nächsten zwölf Monaten deutlich an. In der Medizintechnikbranche rechnen 42 % der Unternehmen mit einem Anstieg der Ausfuhren im Vergleich zu 21 % in der letzten Umfrage. Gingen im Herbst noch 28 % von einem Rückgang aus, sind es jetzt nur noch 16 %. Auch in der Pharmabranche rechnen mehr Unternehmen mit steigenden (33 %) als mit weniger (14 %) Ausfuhren.
Stand: 08.12.2025
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Gesundheitswirtschaft mit optimistischen Erwartungen
Die industrielle Gesundheitswirtschaft blickt deutlich positiver in die Zukunft, als die Industrie insgesamt. Grund dafür dürften in der Gesundheitswirtschaft die weniger konjunkturellen Einflüssen sein. Zudem steigt der Bedarf an Gesundheitsleistungen aufgrund des Wachstums der Bevölkerung und des steigenden Wohlstands, insbesondere in den Entwicklungs- und Schwellenländern, weltweit weiter an. Die industrielle Gesundheitswirtschaft kann somit optimistisch in die Zukunft blicken und auf weiteres Wachstum hoffen.
Investitionsabsichten eher zögerlich
Trotz verbesserter Aussichten bleiben die Investitionspläne der Unternehmen in der Gesundheitswirtschaft auf niedrigem Niveau. Demnach planen 21 % der Unternehmen aufgrund hoher Kostenbelastungen Investitionen zurückzustellen. Nur 32 % wollen in den kommenden Monaten mehr investieren, während 27 % der Unternehmen mit weniger Investitionen planen.
Im Vergleich zur Umfrage im Herbst 2022 ist der Saldo in allen Branchen der Gesundheitswirtschaft gestiegen. Besonders stark haben sich die Absichten in der Medizintechnik entwickelt (9 Punkte nach zuletzt minus 18 Punkten). In der Pharmabranche wollen jedoch mehr Unternehmen ihre Budgets reduzieren als erhöhen. Zudem wollen Pharmaunternehmen so wenig in Produktinnovationen investieren wie zuletzt im Herbst 2015.
Ein Grund ist neben hohen Energiepreisen auch die restriktivere Preisregulierung insbesondere für patentgeschützte Arzneimittel. So sieht das neue GKV-Finanzstabilisierungsgesetz u. a. neue Preisobergrenzen, einen zusätzlichen Herstellerrabatt für 2023 sowie eine Verlängerung des Preismoratoriums bis 2026 vor. „Grundsätzlich sind Bemühungen des Gesetzgebers, die Kosten im System der GKV zu begrenzen außerordentlich wichtig. Dabei sollte die Preisregulierung jedoch unbedingt auch die Auswirkungen auf den Gesundheits- und Wirtschaftsstandort im Auge behalten“, mahnt Dercks. „Reduzierte Investitions- und Innovationsaufwendungen wirken sich nicht nur negativ auf die Forschungsleistungen der Unternehmen und deren regionale Wirtschaftsstandorte aus, sie bremsen auch die Entwicklung der Versorgungsqualität.“
Beschäftigungsplanung leicht erhöht
Branchenübergreifend planen in den nächsten zwölf Monaten 20 % der Unternehmen einen Personalaufbau (17 Prozent in der Vorumfrage). Mit einer geringeren Mitarbeiterzahl planen 16 % (zuvor 18 %) der Betriebe. Die Medizintechnik hat ihre Beschäftigungsabsichten stark erhöht (16 nach zuletzt minus 14 Punkten). In der Pharmaindustrie wirken sich hingegen die niedrigen Investitionsabsichten auf die Beschäftigungsabsichten aus – die Pläne stagnieren auf niedrigem Niveau.
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