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Transaktionsgeschehen in der Medtech-Branche
Trump sorgt für Abwarten: Mergers & Acquisitions im 1. Halbjahr 2025

Eine Analyse von Dr. Christian Bridts* 7 min Lesedauer

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Die Transaktionstätigkeit der Medizintechnik-Branche ist nach einem guten Start im ersten Halbjahr 2025 wieder abgeflaut. Unsicherheit, vorrangig ausgelöst durch die Aktivitäten der Trump-Administration, sorgt für Abwarten.

Die im 2. Quartal eingekehrte Zurückhaltung bei Unternehmenskäufen ist u. a. der abwartenden Haltung mit Blick auf die Auswirkungen der durch die Trump-Administration ausgesprochenen, angekündigten und teils wieder ausgesetzten oder revidierten Zoll-Maßnahmen zuzuschreiben.(Bild:  GPT Image Editor / KI-generiert)
Die im 2. Quartal eingekehrte Zurückhaltung bei Unternehmenskäufen ist u. a. der abwartenden Haltung mit Blick auf die Auswirkungen der durch die Trump-Administration ausgesprochenen, angekündigten und teils wieder ausgesetzten oder revidierten Zoll-Maßnahmen zuzuschreiben.
(Bild: GPT Image Editor / KI-generiert)

International wies die erste Hälfte des ersten Halbjahres 2025 noch eine durchaus rege Mergers-&-Acquisitions(M&A)-Aktivität auf, die dann jedoch spürbar abebbte. Ihrer Größenordnung und Bedeutung wegen hervorzuheben sind folgende Transaktionen der Branchenführer:

  • Stryker verkündet die 4,9 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme der Inari Medical, die sich auf Produkte und Lösungen für periphere Gefäßerkrankungen spezialisiert hat. In den ersten drei Quartalen 2024 hat Inari damit ca. 440 Millionen US-Dollar umgesetzt.
  • Baxter verkauft seine in der Vantive gebündelten Kidney-Care-Aktivitäten für 3,8 Milliarden US-Dollar an Carlyle und Atmas Health, nachdem man ursprünglich einen Spin-Off anvisiert hatte. Vantive erzielte 2023 einen Umsatz von 4,45 Milliarden US-Dollar.
  • Thermo Fisher Scientific, ein Weltmarktführer im Bereich der Analyse-, Diagnostik- und Labortechnologie und -Services, schlägt doppelt zu und übernimmt für 4,1 Milliarden US-Dollar den Geschäftsbereich Purification and Filtration von Solventum, das damit bisher ca. 1,0 Milliarden US-Dollar umsetzte. Zudem übernimmt man für 2,8 Milliarden Euro die schwedische Olink Holding AB, die Analysesysteme und Dienstleistungen im Bereich der Proteomik anbietet und 2024 einen Umsatz von ca. 200 Millionen US-Dollar angesteuert hat.
  • Johnson & Johnson kündigt die Übernahme von V-Wave an, einem Hersteller von Implantaten für Herzinsuffizienz-Patienten, für bis zu 1,7 Milliarden US-Dollar (0,6 Milliarden US-Dollar sofort), nachdem man erst kürzlich Shockwave Medical (minimalinvasive Behandlung verkalkungsbedingter arterieller Gewebeschädigungen) für mehr als 13 Milliarden US-Dollar und Laminar (Geräte für Vorhofflimmern) für 0,4 Milliarden US-Dollar übernommen hatte.
  • Edwards Lifesciences übernimmt für bis zu 1,2 Milliarden US-Dollar mehrere Unternehmen im Kardiologie-Bereich, darunter Endotronix sowie die ursprünglich in Deutschland gestartete und heute in Kalifornien niedergelassene Jena Valve Technology.
  • Zimmer Biomet übernimmt für 1,1 Milliarden US-Dollar Paragon 28, die sich auf Produkte für Fuß- und Sprunggelenksprobleme fokussieren.
  • Boston Scientific setzt seine Einkaufsoffensive mit dem Erwerb der Restanteile von Bolt Medical für 664 Millionen US-Dollar (Lithotripsie für kardiovaskuläre Anwendungen) sowie der Übernahme von Sonvie Ltd. (Nieren-Denervation mit Ultraschall) für bis zu 540 Millionen US-Dollar fort und baut damit seine führende Position im Kardiologie-Sektor aus.
  • Getinge kauft mit Paragonix Technologies für bis zu 477 Millionen US-Dollar (inklusive Milestone-Zahlungen) einen Hersteller für Lösungen im Bereich des Organtransports. Paragonix hatte zuletzt einen Umsatz von 43,1 Millionen US-Dollar erzielt.
  • Medtronic überlegt, sein Diabetes-Geschäft (Glukosemonitore, Insulinpumpen) mit rund 2,8 Milliarden US-Dollar Umsatz per Spin-Off via IPO zu verselbständigen.

Auffällig ist der signifikante Anteil von Großtransaktionen in den Segmenten Kardiologie und Kardiovaskuläre Lösungen, zwei Bereiche, die demographisch bedingt seit längerem zu den M&A-aktivsten Indikationsbereichen zählen.