France

Optoakustische Bildgebung Hautscanner und KI zeigen den Schweregrad von Diabetes an

Quelle: Pressemitteilung Technische Universität München 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Bei fortgeschrittenem Diabetes verändern sich kleine Blutgefäße. Das ließ sich bisher durch eine Biopsie nachweisen. Mit der optoakustischen Bildgebung und künstlicher Intelligenz lassen sich jetzt detaillierte Daten aus verschiedenen Hautschichten analysieren und der Schweregrad der Erkrankung feststellen – ganz ohne invasiven Eingriff.

Diabetes nachweisen: Mit einem Tropfen Blut lässt sich die Erkrankung nachweisen. Den Grad der Schwere von Diabetes lässt sich mit optoakustischer Bildgebung und künstlicher Intelligenz feststellen.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Diabetes nachweisen: Mit einem Tropfen Blut lässt sich die Erkrankung nachweisen. Den Grad der Schwere von Diabetes lässt sich mit optoakustischer Bildgebung und künstlicher Intelligenz feststellen.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Veränderungen von kleinen Blutgefäßen sind eine häufige Auswirkung von fortschreitendem Diabetes. Solche mikrovaskulären Veränderungen lassen sich mit optoakustischen Bildgebungsmethoden messen. Zum Einsatz kommen Lichtimpulse, um Ultraschallwellen im Körpergewebe zu erzeugen. Diese Wellen werden von Sensoren aufgenommen und in Bilder umgewandelt.

Ultraschallwellen entstehen, wenn sich Körpergewebe um bestimmte Moleküle minimal zusammenzieht oder ausdehnt. Diese Moleküle, z. B. Hämoglobin, absorbieren Licht besonders stark. Da sich Hämoglobin in den Blutgefäßen konzentriert, lassen sich mit der optoakustischen Bildgebung besonders detaillierte Bilder von Blutgefäßen erzeugen, die mit anderen nicht-invasiven Bildgebungsverfahren nicht möglich sind.

Optoakustik praktisch in der Medizin einsetzen

Die Grundlagen der Optoakustik, auch Photoakustik genannt, sind seit mehr als 100 Jahren bekannt. Praktische Anwendungen in der Medizin sind jedoch relativ neu. Vasilis Ntziachristos ist Professor für Biologische Bildgebung an der Technischen Unicersität München (TUM) und Direktor des Instituts für Biologische und Medizinische Bildgebung sowie des Bioengineering Centers bei Helmholtz München. Mit seinem Team hat er eine Reihe optoakustischer Bildgebungsverfahren entwickelt, darunter RSOM, kurz für „Raster-Scan Optoacoustic Mesoscopy“.

Nun hat das Team RSOM weiterentwickelt, um die Auswirkungen von Diabetes auf die menschliche Haut zu untersuchen. Aus RSOM-Aufnahmen der Blutgefäße im Bein von 75 Diabetikern und einer Kontrollgruppe identifizierten die Forscher mithilfe eines KI-Algorithmus Merkmale einer Diabeteserkrankung. Sie erstellten eine Liste von 32 besonders aussagekräftigen Veränderungen im Erscheinungsbild der Hautvenen. Dazu gehörten Merkmale wie die Anzahl der Gefäßverzweigungen oder der Gefäßdurchmesser.

Kleine Blutgefäße in der Haut verändern sich

RSOM-Aufnahmen von der Haut eines gesunden Probanden (links), eines Patienten mit Diabetes (mitte) und eines Patienten mit Diabetes und Neuropathie (rechts).(Bild:  Nikoletta Katsouli / TUM)
RSOM-Aufnahmen von der Haut eines gesunden Probanden (links), eines Patienten mit Diabetes (mitte) und eines Patienten mit Diabetes und Neuropathie (rechts).
(Bild: Nikoletta Katsouli / TUM)

Schon länger ist bekannt, dass die kleinen Blutgefäße in der Haut von Diabetikern verändert sind. Die Veränderungen lassen sich z. B. in Biopsien erkennen, also in kleinen Hautstücken, die herausgeschnitten werden. Biopsien zeigen aber nicht zuverlässig, was tatsächlich im Körper passiert, denn durch die Schnitte können Gefäße verformt werden. Außerdem stellen sie immer einen Eingriff in den Körper dar und sind für wiederholte Untersuchungen über einen längeren Zeitraum nicht geeignet.

Die RSOM-Messung hingegen ist nicht-invasiv, dauert weniger als eine Minute und kommt ohne Strahlung oder Kontrastmittel aus. „Andere optische bildgebende Verfahren liefern nicht die Tiefe oder die Details, die die RSOM ermöglicht“, sagt Angelos Karlas, leitender Arzt der Studie.

Mit einer einzigen RSOM-Messung können gleichzeitig Daten aus verschiedenen Hautschichten gewonnen werden. So konnten die Forschenden erstmals feststellen, dass Diabetes die Gefäße in verschiedenen Hautschichten unterschiedlich beeinflusst: Während beispielsweise die Zahl der Gefäße und Verästlungen in der dermalen Ebene bei Diabetikern verringert war, waren sie dichter unter der Hautoberfläche, in der epidermalen Ebene, erhöht.

Kombination von Merkmalen ist aussagekräftig

Jedes der 32 oben genannten Merkmale wird durch das Fortschreiten und den Schweregrad der Erkrankung beeinflusst. Doch erst wenn man sie zu einem Score zusammenfasst, lässt sich ein Zusammenhang zwischen dem Zustand der kleinen Blutgefäße in der Haut und dem Schweregrad des Diabetes herstellen. Dies konnte in der Studie erstmals gezeigt werden.

„Mit RSOM können wir jetzt die Auswirkungen von Diabetes quantitativ beschreiben“, sagt Vasilis Ntziachristos. „Da es uns gelungen ist, RSOM immer mobiler und kostengünstiger zu machen, eröffnen diese Erkenntnisse völlig neue Möglichkeiten für die kontinuierliche Überwachung des Gesundheitszustands der Patienten – immerhin mehr als 400 Millionen Menschen weltweit. Mit kurzen und schmerzlosen Untersuchungen könnte so innerhalb von Minuten festgestellt werden, ob Therapien anschlagen – auch zu Hause.“

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:49872847)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung