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Transaktionsgeschehen in der Medtech-Branche
Mergers & Acquisitions im 2. Halbjahr 2024

Eine Analyse von Dr. Christian Bridts* 6 min Lesedauer

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Die Transaktionsaktivität der Medizintechnik-Branche im zweiten Halbjahr 2024 deutet nicht auf eine Rückkehr zu früheren Transaktionsniveaus hin. Auch Großtransaktionen waren, zumindest in Deutschland, Mangelware. Interessant für Investoren sind Unternehmen mit KI-Aktivität.

Gesellschafter auf Zeit? Viele Deals in der Medizintechnik-Branche liefen im 2. Halbjahr 2024 unter der Beteiligung von Finanzinvestoren.(Bild:  Dilok - stock.adobe.com)
Gesellschafter auf Zeit? Viele Deals in der Medizintechnik-Branche liefen im 2. Halbjahr 2024 unter der Beteiligung von Finanzinvestoren.
(Bild: Dilok - stock.adobe.com)

Weder international noch national deutet die Transaktionsaktivität im zweiten Halbjahr 2024 in der Medizintechnik-Industrie auf eine Rückkehr zu früheren Transaktionsniveaus hin. International wurden die vergleichsweise niedrigen Transaktionszahlen im ersten Halbjahr volumenmäßig noch durch eine Handvoll Großtransaktionen kaschiert. Das zweite Halbjahr konnte auch in dieser Hinsicht nicht an diese Entwicklung anschließen. Zur überschaubaren Zahl nennenswerter Transaktionen der Branchenführer zählen die folgenden:

  • Baxter verkauft seine in Vantive gebündelten Kidney-Care-Aktivitäten für 3,8 Milliarden US-Dollar an Carlyle und Atmas Health, nachdem man ursprünglich einen Spin-Off der Einheit anvisiert hatte. Vantive erzielte 2023 einen Umsatz von 4,45 Milliarden US-Dollar.
  • Thermo Fisher Scientific Inc., ein weltweit agierendes Unternehmen im Bereich der Analyse-, Diagnostik- und Labortechnologie und -Services, übernimmt für 2,8 Milliarden Euro die schwedische Olink Holding AB, die Analysesysteme und Dienstleistungen im Bereich der Proteomik anbietet und 2024 einen Umsatz von ca. 200 Millionen US-Dollar angesteuert hat.
  • Johnson & Johnson (J&J) greift für bis zu 1,7 Milliarden US-Dollar bei V-Wave zu, einem Hersteller implantierbarer Geräte zur Behandlung von Herzinsuffizienz. Zudem erwirbt J&J für 400 Millionen US-Dollar mit Laminar ein Unternehmen, das u. a. ein Gerät für die Behandlung von Vorhofflimmern entwickelt hat.
  • Owens & Minor sichert sich mit der Rotech Healthcare Holdings für 1,36 Milliarden US-Dollar einen Spezialisten für Krankenbetten, Rollstühle und Home Care Devices.
  • Auch Edwards Lifesciences übernimmt ähnlich wie J&J für bis zu 1,2 Milliarden US-Dollar mehrere Unternehmen im Kardiologie-Bereich, darunter Endotronix sowie die ursprünglich in Deutschland gestartete und heute in Kalifornien niedergelassene Jena Valve Technology.
  • Die schwedische Getinge-Gruppe übernimmt mit Paragonix für bis zu 477 Millionen US-Dollar einen Innovator im Bereich Organtransport und -konservierung, der damit zuletzt rund 43 Millionen US-Dollar Umsatz erzielt hatte.

Siemens ohne Healthineers?

Großtransaktionen waren im zurückliegenden Halbjahr in Deutschland Mangelware. Allerdings erzielten ein öffentlich diskutierter Spin-Off und zwei angekündigte Taking-Privates einige Aufmerksamkeit. So befasst sich Siemens offenbar konkret mit der Option, seine Medtech-Tochter Healthineers, bei der man seit dem IPO 2018 immer noch mit 75 Prozent beteiligt ist, schrittweise völlig in die Unabhängigkeit zu entlassen. Die Beteiligung an Healthineers wird bei einem Umsatz 2024 von rund 23 Milliarden Euro und einem Gewinn von über 3 Milliarden Euro an der Börse – und damit ohne Paketzuschläge und Prämien – mit um die 45 Milliarden Euro bewertet. Die Siemens-Tochter ist seit langem das unangefochtene deutsche Medtech-Aushängeschild. International muss man sich mit einer Reihe von US-Branchenriesen und zügig aufholenden asiatischen, insbesondere chinesischen, Adressen messen, und zählt in der erweiterten Medtech-Branche zwar nach Umsatz klar zu den Weltmarktführern, dies aber nur mit Abstrichen auch nach Börsenbewertung. Im Falle eines vollzogenen Spin-Offs müsste sich Healthineers künftig ohne Konzern-Rückendeckung erfolgreich mit diesem aggressiven Wettbewerbsumfeld und etwaigen exogenen Effekten (Zollpolitik, andere staatliche Wettbewerbseingriffe etc.) auseinandersetzen.