Über 200.000 Patente wurden 2025 erstmals beim Europäischen Patentamt angemeldet. Anmeldungen aus der Medizintechnik-Branche nahmen ebenfalls zu, Deutschland steht bei den europäischen Staaten an der Spitze.
2025 wurde beim EPA eine Rekordzahl von 201.974 Patentanmeldungen eingereicht.
(Bild: Gemini 3 Pro Image / KI-generiert)
2025 wurde beim Europäischen Patentamt (EPA) eine Rekordzahl von 201.974 Patentanmeldungen eingereicht, was einem Anstieg von 1,4 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Anmeldungen aus Europa, einschließlich aller 39 EPO-Mitgliedstaaten, stiegen um 0,4 % (EU27: +0,7 %), während Anmeldungen von außerhalb Europas um 2,1 % zunahmen.
„Die Rekordzahl an Patentanmeldungen unterstreicht die Innovationskraft Europas und seine Attraktivität als globaler Technologiemarkt", sagte EPA-Präsident António Campinos. „Das Technologie-Dashboard 2025 erfasst Fortschritte und Lücken in verschiedenen gewerblichen Gebieten und hilft politischen Entscheidungsträgern in Europa dabei, Schwerpunktbereiche zu identifizieren sowie Maßnahmen und Investitionen gezielt einzusetzen, um die technologische Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Das Einheitspatent baut zwar bereits Hindernisse ab und beschleunigt den Übergang zu einem stärker integrierten europäischen Innovationsmarkt, dennoch ist weiterhin ein besonderer Fokus erforderlich, insbesondere auf strategische Sektoren wie KI, Halbleiter, Gesundheit und Quantentechnologien.“
Technologietrends: Anstieg der Medtech-Patentanmeldungen
Technologietrends: Computertechnologie weiterhin an der Spitze, Medizintechnik auf Platz vier
(Bild: Europäisches Patentamt)
Die Patentanmeldungen für Medizintechnik stiegen auf 15.905 (+1,3 %) und wurden v. a. von europäischen und US-amerikanischen Unternehmen, Hochschulen und Forschungsinstituten eingereicht. Die Biotechnologie – mit Einsatzbereichen wie medizinische Behandlung und Diagnose, Landwirtschaft, Industrie oder Meeresforschung – verzeichnete 8.203 Anmeldungen, was nach acht Jahren des Wachstums einen leichten Rückgang (-3,3 %) darstellt. Der Bereich Pharmazeutika kam auf 7.833 Anmeldungen und verzeichnet damit im zweiten Jahr in Folge einen Rückgang (-6,3 %); das Niveau entspricht nun dem von 2019. Dies unterstreicht die Bedeutung der EU-Gesetzesvorschläge für ein einheitliches ergänzendes Schutzzertifikat (ESZ) und für eine Verordnung zur Stärkung der europäischen Biotechnologie- und Bioproduktionsbranche.
Die Computertechnologie blieb 2025 mit 17.844 Anmeldungen (+6,1 %) das führende Gebiet, angetrieben durch einen Anstieg der Patentanmeldungen für KI mit Technologien für neuronale Netze und Bilderkennung (+9,5 %) sowie im kleinen, aber schnell wachsenden Bereich der Quantentechnologie (+37,9 %).
Länderentwicklung: VR China und Republik Korea mit stärkstem Wachstum
Die Patentanmeldungen aus allen 39 EPO-Mitgliedstaaten des Europäischen Patentamts stiegen um lediglich 0,4 %, insbesondere dank Zuwächsen bei Anmeldern aus Ländern mit üblicherweise geringerem Anmeldeaufkommen. Die Anmeldungen aus der VR China stiegen um 9,7 %, wodurch Japan mit 1,1 % erstmals auf den dritten Platz verdrängt wurde. Die USA, weiterhin die zweitgrößte Ursprungsregion für Anmeldungen, erlitten einen Rückgang (-1,6 %), während die Republik Korea ein starkes Wachstum (9,5 %) verzeichnete.
Innerhalb Europas wurde das Wachstum von Ländern wie Dänemark (+5,2 %), Österreich (+5,0 %), Spanien (+2,9 %) und insbesondere Finnland (+44,0 %) getragen, während das Anmeldeaufkommen der traditionellen Spitzenreiter wie Deutschland (-2,2 %), Frankreich (-0,4 %), der Schweiz (-0,5 %), den Niederlanden (-0,7 %), dem Vereinigten Königreich (-3,3 %), Italien (‑1,8 %) und Schweden (‑4,3 %) zurückging.
Top-Anmelder: Vier der Top 10 kommen aus Europa
Die drei führenden Unternehmen – Samsung (Republik Korea), Huawei (VR China) und LG (Republik Korea) – festigten ihre Spitzenpositionen aus dem Jahr 2024 durch weiteres Wachstum. Qualcomm (USA) verteidigte den vierten Platz, und Nokia (Finnland) klettere mit einem Plus von 1.000 Anmeldungen gegenüber 2024 um sieben Plätze nach oben auf den fünften Platz. Drei weitere europäische Unternehmen erscheinen in den Top 10: Siemens und BASF aus Deutschland sowie Ericsson aus Schweden. Microsoft war der zweite US-Anmelder in den Top 10, und der Batteriehersteller CATL der zweite Anmelder aus der VR China.
Jede vierte Patentanmeldung wird von einer Erfinderin eingereicht
2025 war in 26 % aller beim EPA eingegangenen Patentanmeldungen aus Europa mindestens eine Erfinderin genannt (ein Anstieg um 1 % gegenüber 2024). Unter den Ländern mit den meisten Anmeldungen (über 2.000 Anmeldungen) lag Spanien mit 42 % an der Spitze, gefolgt von Finnland (34 %), Belgien (32 %), Frankreich (32 %) und Dänemark (30 %).
Kleine Unternehmen nutzen das Patentsystem als Innovationsmotor
2025 entfielen 26 % der aus Europa stammenden Anmeldungen auf Einzelerfinder/innen oder KMU (Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten) und weitere 7 % auf Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen. Dies unterstreicht die Attraktivität des Patentsystems für kleinere Anmelder, die durch die jüngsten gezielten Gebührensenkungen für Kleinsteinheiten, Einzelpersonen, gemeinnützige Organisationen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen noch verstärkt wurde.
Stand: 08.12.2025
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