Die Gesundheitsindustrie befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation, die besonders für herstellende Unternehmen in der Medizintechnik Folgen hat. Digitalisierung, Regulierung und vernetzte Versorgung formen ein neues Marktumfeld, das gleichermaßen Chancen wie Herausforderungen birgt. Die Ergebnisse des aktuellen Technologieradars von Bayern Innovativ zeigen, wie stark die Branche bereits heute von digitalen Technologien abhängig ist und welche Entwicklungen künftig den Erfolg bestimmen werden.
Der Technologieradar 2026 von Bayern Innovativ zeigt: Die Zukunft der Gesundheitsindustrie ist vernetzt, datengetrieben und stärker auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtet als je zuvor.
(Bild: Bayern Innovativ)
Im Mittelpunkt des Technologieradars 2026 von Bayern Innovativ stehen fünf Themen, die den Kurs der Medizintechnik nachhaltig prägen: Datenschutz und Informationssicherheit, digitale Infrastruktur, geräteübergreifende Kommunikation, Kosteneffizienz sowie der zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz. Für Unternehmen bedeutet dies, technologische Kompetenz, regulatorisches Know-how und marktorientierte Produktentwicklung enger miteinander zu verzahnen als je zuvor.
Datenschutz und Informationssicherheit
Datenschutz und Informationssicherheit bilden dabei den Dreh- und Angelpunkt. Für medizinische Daten gelten die strengsten Schutzstandards überhaupt – und das aus gutem Grund. Fortschritte in KI, Echtzeitdatenströmen oder cloudbasierten Services sind nur dann umsetzbar, wenn Sicherheit von Beginn an in jedes Produktdesign integriert wird. Herstellende sehen sich mit der Aufgabe konfrontiert, Datenstrukturen so zu gestalten, dass Verschlüsselung, Zugriffskontrolle, Risikoanalysen und kontinuierliches Monitoring nicht am Ende eines Entwicklungsprozesses nachgerüstet, sondern als integraler Bestandteil gedacht werden. In den Befragungen des Technologieradars wird deutlich: Datenschutz ist längst kein regulatorisches Muss mehr, sondern ein Wettbewerbsvorteil. Kliniken, Diagnostiklabore und Versorgungseinrichtungen bevorzugen Systeme, die Sicherheit nachweisbar beherrschen, weil sie ihre eigenen Risiken dadurch minimieren. Alexander Dürsch, Geschäftsführer der Ergo-Tec GmbH geht in diesem Zuge auch auf wachsende Herausforderungen ein: „Die größten Chancen liegen in der Einsparung von Gesundheitskosten und in der Verbesserung der Behandlung durch jederzeit verfügbare Daten. Allerdings stehen hier aufwendige Zulassungsverfahren, hohe regulatorische Anforderungen – etwa durch den AI Act der EU – und die Unsicherheit aufgrund ständig wechselnder politischer Rahmenbedingungen entgegen.“
Digitale Infrastruktur
Um Sicherheit zu ermöglichen und als Unternehmen am Zahn der Zeit zu sein ist es unerlässlich, eine digitale Infrastruktur aufzubauen – ein Bereich, der im Radar ebenso hoch priorisiert wird. Medizintechnikunternehmen müssen heute in der Lage sein, riesige Mengen an Entwicklungs-, Produktions- und Nutzungsdaten strukturiert, interoperabel und revisionssicher zu verarbeiten. Besonders deutlich wird dies beim Blick auf die MDR- und IVDR-Zertifizierung: Für Produkte höherer Risikoklassen werden teils mehrere tausend Dokumente eingereicht. Ohne durchgängige Datenmodelle, automatisierte Dokumentationsabläufe und moderne PLM-, QMS- oder Cloud-Systeme geraten herstellende Organisationen schnell an Grenzen. Digitalisierung wird so zu einem Hebel, der über Zulassungsgeschwindigkeiten und damit über Marktzugang entscheidet. Gleichzeitig profitieren Unternehmen intern von robusten Datenpipelines: Sie ermöglichen konsistentere Qualitätsprozesse, erleichtern Post-Market-Surveillance und schaffen Grundlage für datengetriebene Serviceangebote.
Geräteübergreifende Kommunikation
Eine weitere Erkenntnis des Technologieradars ist die wachsende Bedeutung der geräteübergreifenden Kommunikation. Interoperabilität ist in der Branche längst vom Zukunftsbegriff zum harten Beschaffungskriterium geworden. Versorgungseinrichtungen erwarten, dass Medizintechnikgeräte sich nahtlos in bestehende IT-Landschaften einfügen – von HL7 FHIR über IHE-Profile bis hin zu sicheren Cloud-Schnittstellen. Gerade telemedizinische Anwendungen, mobile Monitoring-Lösungen oder KI-basierte Auswertetools entfalten ihren Nutzen erst im Zusammenspiel verschiedener Systeme. Das nimmt auch Lara Kronester, Projektmanagerin bei Bayern Innovativ wahr: „Geräte, die isoliert funktionieren, verlieren an Marktattraktivität. Vielmehr setzen Unternehmen auf Plattformen, die Daten, Diagnoseprozesse und Serviceleistungen verbinden“. Diese Entwicklung verlangt sowohl softwareseitige Offenheit als auch klare Strategieentscheidungen: Wie viel Interoperabilität ist technisch möglich? Welche Partnerschaften sind sinnvoll? Und wie lässt sich Sicherheit in offenen Architekturen gewährleisten?
Kosteneffizienz
Parallel dazu bleibt Kosteneffizienz ein durchgehendes Thema. Die Branche steht unter hohem wirtschaftlichem Druck – von steigenden Material- und Energiekosten über Fachkräftemangel bis hin zu komplexen regulatorischen Vorgaben. Digitalisierung kann hier entlasten, wenn sie konsequent gesteuert wird. Digitale Zwillinge beschleunigen Entwicklungszyklen, Predictive-Maintenance-Lösungen reduzieren Ausfallzeiten, automatisierte Software-gestützte Dokumentationen sparen Personalressourcen. Auch neue Geschäftsmodelle – etwa abonnementbasierte Servicepakete, datenbasierte Wartungsmodelle oder modulare Produktarchitekturen – bieten Spielräume. Entscheidend ist: Kosteneffizienz bedeutet in der Medizintechnik nicht, „billiger“ zu werden, sondern Ressourcen, Daten und Abläufe klüger zu nutzen. Dafür müssen Unternehmen frühzeitig definieren, welche Daten sie erheben, wie sie diese auswerten und wie sich daraus Monetarisierungspotenziale ableiten lassen.
Künstliche Intelligenz
Unübersehbar ist schließlich die wachsende Rolle von Künstlicher Intelligenz. Für Herstellende eröffnet sie enorme Möglichkeiten – in der automatisierten Bildanalyse, der Entwicklung personalisierter Therapiesysteme, der Produktionssteuerung oder der Auswertung von Real-World-Daten. Gleichzeitig steigt der regulatorische Anspruch, insbesondere durch die enge Verzahnung von EU AI Act und MDR. KI gilt im Gesundheitskontext grundsätzlich als Hochrisikotechnologie, was detaillierte Anforderungen an Datenqualität, Risikoanalysen, Erklärbarkeit und menschliche Kontrollmechanismen mit sich bringt. Unternehmen müssen daher robuste KI-Governance-Strukturen aufbauen, die von der Datenkurationsstrategie über Bias-Prüfungen bis zur kontinuierlichen Überwachung eingesetzter Modelle reichen. Richtig implementiert kann KI jedoch zum Differenzierungsmerkmal werden: Sie erhöht die Präzision von Diagnostikprozessen, unterstützt medizinisches Personal und eröffnet neue Marktsegmente.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Über alle Zielgruppen hinweg – von digitalen Medizinprodukten über klassische Geräte bis hin zu Wearables, IVD-Systemen oder Hilfsmitteln – zeigt der Technologieradar ein konsistentes Bild, das auch Jennifer Meschnig aufzeigt. Die Projektmanagerin bei Bayern Innovativ hat gemeinsam mit ihrem Team den Technologieradar 2026 verfasst: „Die Zukunft der Gesundheitsindustrie ist vernetzt, datengetrieben und stärker auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtet als je zuvor“. Patientinnen und Patienten werden zu aktiven Mitgestaltenden ihrer Versorgung, etwa über Self-Monitoring-Lösungen oder digitale Begleittherapien. Gleichzeitig steigen Ansprüche an Nutzerfreundlichkeit, Transparenz und Nachhaltigkeit. Hersteller müssen ihre Produkte nicht nur technisch exzellent gestalten, sondern auch intuitiv, ressourcenschonend und gesellschaftlich verantwortungsvoll.
Struktureller Wandel
Für Medizintechnikunternehmen bedeutet das: Der Innovationswettbewerb wird nicht allein über technologische Features entschieden, sondern über die Fähigkeit, digitale, regulatorische und ökonomische Anforderungen intelligent miteinander zu verbinden. Wer Datenschutz als Produktqualität versteht, wer Infrastruktur als Innovationsmotor nutzt, wer Interoperabilität strategisch ausbaut, wer datenbasierte Effizienz realisiert und wer KI verantwortungsvoll operationalisiert, wird langfristig bestehen. Die Branche steht nicht vor einem evolutionären, sondern vor einem strukturellen Wandel. Und genau deshalb eröffnet dieser Moment jene seltene Gelegenheit, sich neu zu positionieren: als verlässlicher, sicherer und zugleich agiler Partner in einer Gesundheitsversorgung, die digitaler, präziser und individualisierter wird.
Der Technologieradar 2026 kann hier heruntergeladen werden.