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Technologieradar Die neue Agenda der Medizintechnik: Sicherheit, Vernetzung und belastbare Modelle

Quelle: Pressemitteilung Bayern Innovativ 4 min Lesedauer

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Die Gesundheitsindustrie befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation, die besonders für herstellende Unternehmen in der Medizintechnik Folgen hat. Digitalisierung, Regulierung und vernetzte Versorgung formen ein neues Marktumfeld, das gleichermaßen Chancen wie Herausforderungen birgt. Die Ergebnisse des aktuellen Technologieradars von Bayern Innovativ zeigen, wie stark die Branche bereits heute von digitalen Technologien abhängig ist und welche Entwicklungen künftig den Erfolg bestimmen werden.

Der Technologieradar 2026 von Bayern Innovativ zeigt: Die Zukunft der Gesundheitsindustrie ist vernetzt, datengetrieben und stärker auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtet als je zuvor.(Bild:  Bayern Innovativ)
Der Technologieradar 2026 von Bayern Innovativ zeigt: Die Zukunft der Gesundheitsindustrie ist vernetzt, datengetrieben und stärker auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtet als je zuvor.
(Bild: Bayern Innovativ)

Im Mittelpunkt des Technologieradars 2026 von Bayern Innovativ stehen fünf Themen, die den Kurs der Medizintechnik nachhaltig prägen: Datenschutz und Informationssicherheit, digitale Infrastruktur, geräteübergreifende Kommunikation, Kosteneffizienz sowie der zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz. Für Unternehmen bedeutet dies, technologische Kompetenz, regulatorisches Know-how und marktorientierte Produktentwicklung enger miteinander zu verzahnen als je zuvor.

Datenschutz und Informationssicherheit

Datenschutz und Informationssicherheit bilden dabei den Dreh- und Angelpunkt. Für medizinische Daten gelten die strengsten Schutzstandards überhaupt – und das aus gutem Grund. Fortschritte in KI, Echtzeitdatenströmen oder cloudbasierten Services sind nur dann umsetzbar, wenn Sicherheit von Beginn an in jedes Produktdesign integriert wird. Herstellende sehen sich mit der Aufgabe konfrontiert, Datenstrukturen so zu gestalten, dass Verschlüsselung, Zugriffskontrolle, Risikoanalysen und kontinuierliches Monitoring nicht am Ende eines Entwicklungsprozesses nachgerüstet, sondern als integraler Bestandteil gedacht werden. In den Befragungen des Technologieradars wird deutlich: Datenschutz ist längst kein regulatorisches Muss mehr, sondern ein Wettbewerbsvorteil. Kliniken, Diagnostiklabore und Versorgungseinrichtungen bevorzugen Systeme, die Sicherheit nachweisbar beherrschen, weil sie ihre eigenen Risiken dadurch minimieren. Alexander Dürsch, Geschäftsführer der Ergo-Tec GmbH geht in diesem Zuge auch auf wachsende Herausforderungen ein: „Die größten Chancen liegen in der Einsparung von Gesundheitskosten und in der Verbesserung der Behandlung durch jederzeit verfügbare Daten. Allerdings stehen hier aufwendige Zulassungsverfahren, hohe regulatorische Anforderungen – etwa durch den AI Act der EU – und die Unsicherheit aufgrund ständig wechselnder politischer Rahmenbedingungen entgegen.“

Digitale Infrastruktur

Um Sicherheit zu ermöglichen und als Unternehmen am Zahn der Zeit zu sein ist es unerlässlich, eine digitale Infrastruktur aufzubauen – ein Bereich, der im Radar ebenso hoch priorisiert wird. Medizintechnikunternehmen müssen heute in der Lage sein, riesige Mengen an Entwicklungs-, Produktions- und Nutzungsdaten strukturiert, interoperabel und revisionssicher zu verarbeiten. Besonders deutlich wird dies beim Blick auf die MDR- und IVDR-Zertifizierung: Für Produkte höherer Risikoklassen werden teils mehrere tausend Dokumente eingereicht. Ohne durchgängige Datenmodelle, automatisierte Dokumentationsabläufe und moderne PLM-, QMS- oder Cloud-Systeme geraten herstellende Organisationen schnell an Grenzen. Digitalisierung wird so zu einem Hebel, der über Zulassungsgeschwindigkeiten und damit über Marktzugang entscheidet. Gleichzeitig profitieren Unternehmen intern von robusten Datenpipelines: Sie ermöglichen konsistentere Qualitätsprozesse, erleichtern Post-Market-Surveillance und schaffen Grundlage für datengetriebene Serviceangebote.

Geräteübergreifende Kommunikation

Eine weitere Erkenntnis des Technologieradars ist die wachsende Bedeutung der geräteübergreifenden Kommunikation. Interoperabilität ist in der Branche längst vom Zukunftsbegriff zum harten Beschaffungskriterium geworden. Versorgungseinrichtungen erwarten, dass Medizintechnikgeräte sich nahtlos in bestehende IT-Landschaften einfügen – von HL7 FHIR über IHE-Profile bis hin zu sicheren Cloud-Schnittstellen. Gerade telemedizinische Anwendungen, mobile Monitoring-Lösungen oder KI-basierte Auswertetools entfalten ihren Nutzen erst im Zusammenspiel verschiedener Systeme. Das nimmt auch Lara Kronester, Projektmanagerin bei Bayern Innovativ wahr: „Geräte, die isoliert funktionieren, verlieren an Marktattraktivität. Vielmehr setzen Unternehmen auf Plattformen, die Daten, Diagnoseprozesse und Serviceleistungen verbinden“. Diese Entwicklung verlangt sowohl softwareseitige Offenheit als auch klare Strategieentscheidungen: Wie viel Interoperabilität ist technisch möglich? Welche Partnerschaften sind sinnvoll? Und wie lässt sich Sicherheit in offenen Architekturen gewährleisten?

Kosteneffizienz

Parallel dazu bleibt Kosteneffizienz ein durchgehendes Thema. Die Branche steht unter hohem wirtschaftlichem Druck – von steigenden Material- und Energiekosten über Fachkräftemangel bis hin zu komplexen regulatorischen Vorgaben. Digitalisierung kann hier entlasten, wenn sie konsequent gesteuert wird. Digitale Zwillinge beschleunigen Entwicklungszyklen, Predictive-Maintenance-Lösungen reduzieren Ausfallzeiten, automatisierte Software-gestützte Dokumentationen sparen Personalressourcen. Auch neue Geschäftsmodelle – etwa abonnementbasierte Servicepakete, datenbasierte Wartungsmodelle oder modulare Produktarchitekturen – bieten Spielräume. Entscheidend ist: Kosteneffizienz bedeutet in der Medizintechnik nicht, „billiger“ zu werden, sondern Ressourcen, Daten und Abläufe klüger zu nutzen. Dafür müssen Unternehmen frühzeitig definieren, welche Daten sie erheben, wie sie diese auswerten und wie sich daraus Monetarisierungspotenziale ableiten lassen.

Künstliche Intelligenz

Unübersehbar ist schließlich die wachsende Rolle von Künstlicher Intelligenz. Für Herstellende eröffnet sie enorme Möglichkeiten – in der automatisierten Bildanalyse, der Entwicklung personalisierter Therapiesysteme, der Produktionssteuerung oder der Auswertung von Real-World-Daten. Gleichzeitig steigt der regulatorische Anspruch, insbesondere durch die enge Verzahnung von EU AI Act und MDR. KI gilt im Gesundheitskontext grundsätzlich als Hochrisikotechnologie, was detaillierte Anforderungen an Datenqualität, Risikoanalysen, Erklärbarkeit und menschliche Kontrollmechanismen mit sich bringt. Unternehmen müssen daher robuste KI-Governance-Strukturen aufbauen, die von der Datenkurationsstrategie über Bias-Prüfungen bis zur kontinuierlichen Überwachung eingesetzter Modelle reichen. Richtig implementiert kann KI jedoch zum Differenzierungsmerkmal werden: Sie erhöht die Präzision von Diagnostikprozessen, unterstützt medizinisches Personal und eröffnet neue Marktsegmente.

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Über alle Zielgruppen hinweg – von digitalen Medizinprodukten über klassische Geräte bis hin zu Wearables, IVD-Systemen oder Hilfsmitteln – zeigt der Technologieradar ein konsistentes Bild, das auch Jennifer Meschnig aufzeigt. Die Projektmanagerin bei Bayern Innovativ hat gemeinsam mit ihrem Team den Technologieradar 2026 verfasst: „Die Zukunft der Gesundheitsindustrie ist vernetzt, datengetrieben und stärker auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtet als je zuvor“. Patientinnen und Patienten werden zu aktiven Mitgestaltenden ihrer Versorgung, etwa über Self-Monitoring-Lösungen oder digitale Begleittherapien. Gleichzeitig steigen Ansprüche an Nutzerfreundlichkeit, Transparenz und Nachhaltigkeit. Hersteller müssen ihre Produkte nicht nur technisch exzellent gestalten, sondern auch intuitiv, ressourcenschonend und gesellschaftlich verantwortungsvoll.

Struktureller Wandel

Für Medizintechnikunternehmen bedeutet das: Der Innovationswettbewerb wird nicht allein über technologische Features entschieden, sondern über die Fähigkeit, digitale, regulatorische und ökonomische Anforderungen intelligent miteinander zu verbinden. Wer Datenschutz als Produktqualität versteht, wer Infrastruktur als Innovationsmotor nutzt, wer Interoperabilität strategisch ausbaut, wer datenbasierte Effizienz realisiert und wer KI verantwortungsvoll operationalisiert, wird langfristig bestehen. Die Branche steht nicht vor einem evolutionären, sondern vor einem strukturellen Wandel. Und genau deshalb eröffnet dieser Moment jene seltene Gelegenheit, sich neu zu positionieren: als verlässlicher, sicherer und zugleich agiler Partner in einer Gesundheitsversorgung, die digitaler, präziser und individualisierter wird.

Der Technologieradar 2026 kann hier heruntergeladen werden.

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