Das Berliner Medtech-Unternehmen Diamontech hat erstmals in einer klinischen Studie am Institut für Diabetes-Technologie in Ulm nachgewiesen, dass der Blutzucker mithilfe einer neuen Lasertechnologie nicht-invasiv gemessen werden kann. Dabei zeigte sich, dass die Methode ein vergleichbares Niveau wie kommerziell zugelassene Geräte erreicht. Auf dieser Basis entwickelt Diamontech aktuell tragbare Messgeräte, die den Alltag einer wachsenden Anzahl an Betroffenen erleichtern sollen.
Die Geschäftsführung des Berliner Start-ups Diamontech (v. l.): Dr. Michael Kaluza (CTO), Sergius Janik (COO) und Thorsten Lubinski (CEO)
(Bild: Diamontech)
In Deutschland leben immer mehr Menschen mit Diabetes. Aktuell sind etwa 10 Millionen Menschen von der „Volkskrankheit“ betroffen. Insbesondere Typ-2-Diabetes, verstärkt durch Lebensstil und Alter, nimmt dabei rasant zu. Fast eine halbe Million Neuerkrankungen gibt es insgesamt pro Jahr. Besorgniserregend ist v. a. die hohe Dunkelziffer: Schätzungsweise bis zu zwei Millionen Menschen wissen nichts von ihren erhöhten Blutzuckerwerten. „Das ist problematisch, da die Erkrankung eine konsequente Überwachung erfordert und den Betroffenen tägliche Disziplin sowie ein hohes Maß an Eigenverantwortung abverlangt“, erklärt Thorsten Lubinski, Mitbegründer und CEO des deutschen Medtech-Unternehmens Diamontech. Dabei ist die regelmäßige Überprüfung des Blutzuckers ausschlaggebend. Doch die gängigen Methoden hierzu sind belastend: Fingerstechen ist schmerzhaft, aufwändig und mit Verbrauchsmaterialien verbunden. „Das führt dazu, dass viele Menschen mit Diabetes zu selten messen und dadurch zu wenig Informationen über ihren Blutzuckerverlauf haben“, ergänzt Lubinski.
Seit Jahrzehnten forschen Teams weltweit daher an einer Lösung, die den Blutzucker zuverlässig ohne Nadeln misst. Das Berliner Start-up hat nun einen bedeutenden Schritt auf diesem Weg erreicht. In einer klinischen Studie am Institut für Diabetes-Technologie in Ulm konnte Diamontech erstmals belegen, dass die Lasertechnologie Glukosewerte schmerzfrei und zuverlässig durch die Haut erfasst. Die Methode stimuliert Glukosemoleküle in der Haut mithilfe eines Infrarotlasers und misst die entstehende Wärme mit einer mehrfach patentierten Technologie. Die Ergebnisse erreichen bereits die Genauigkeit einiger kommerzieller Systeme, die noch auf einen Stich angewiesen sind. „Begonnen hat alles mit einem Prototyp in Kühlschrankgröße. Heute arbeiten wir an einem tragbaren Gerät, das so klein wie ein Mobiltelefon ist. Die Ergebnisse der Studie sind ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einer schmerzfreien, zuverlässigen Blutzuckerkontrolle“, sieht Lubinski voraus.
Alltagsnahe Echtzeit-Studie belegt Blutzuckermessung durch Auflegen
Über mehr als 15 Jahre wurde das Verfahren kontinuierlich weiterentwickelt. Jetzt ging es auf den klinischen Prüfstand. In der Studie wurden die Messungen verblindet durchgeführt. Der CEO erklärt, was das bedeutet: „Die Teilnehmenden sehen die Messergebnisse des Geräts nicht, und auch das System selbst hat keinen Zugriff auf spätere Referenzwerte.“ So konnte unabhängig überprüft werden, ob die Technologie zuverlässig funktioniert, und zwar unter Bedingungen, die dem Alltag der Betroffenen ähneln. Viele frühere Forschungen scheiterten genau daran, dass sie ihre Systeme nur anhand vergangener Daten oder Laborwerte geprüft hatten. „Noch nie zuvor hat eine vollständig nicht-invasive Technologie in einer prospektiven und damit verblindeten Studie diese Stufe der klinischen Validierung mit so vielen Probanden erreicht“, betont Lubinski.
Smartwatches & Co.: So könnte die Glukosemessung künftig aussehen
Mit der klinischen Validierung richtet Diamontech den Fokus nun konsequent auf die Produktentwicklung. Das Unternehmen arbeitet aktuell an tragbaren Geräten, die die Technologie alltagstauglich machen sollen. Dazu zählt das portable D-Pocket: ein handliches Gerät, das nicht-invasive Glukosemessungen ermöglicht und so eine niedrigschwellige Blutzuckerkontrolle ohne Nadeln und Schmerzen bietet. „Unser Anspruch ist es, die Versorgung nachhaltig für Menschen mit Diabetes sowie für Ärzte und das Gesundheitssystem zu erleichtern“, erläutert Lubinski. Der Geschäftsführer schlussfolgert: „Diese Studie zeigt, dass der Weg zu marktreifen, nicht-invasiven Geräten realistisch ist. Unsere Vision ist es, die Technologie weiter zu miniaturisieren und in Smartwatches zu integrieren. Für viele Betroffene kann das langfristig ein völlig neues Level an Freiheit und Lebensqualität bedeuten.“
Medtech aus Deutschland mit Signalwirkung für den Innovationsstandort
Die Ergebnisse gehen weit über die medizinische Bedeutung hinaus: Sie zeigen, dass wegweisende Hightech-Entwicklungen weiterhin in Deutschland entstehen können – und hier auch bleiben. In einer Zeit, in der viele europäische Tech-Unternehmen Richtung USA abwandern, setzt Diamontech bewusst ein Zeichen für die Innovationskraft hierzulande. „Wir entwickeln hier, weil wir davon überzeugt sind, dass wissenschaftliche Exzellenz und technische Innovation in Deutschland zusammengehören“, so Lubinski. Dabei betont der Experte: „Langfristig wird der Erfolg solcher Projekte aber nur möglich sein, wenn wir die Forschungstiefe Europas mit der Umsetzungsgeschwindigkeit und der Kapitalbereitstellung des Silicon Valley verbinden.“ Diamontech sieht die Studie als Beleg dafür, dass deutsche Medtech-Unternehmen internationale Maßstäbe setzen können – und als Auftrag, die technologische Entwicklung mit hohem Tempo weiter voranzutreiben.
Stand: 08.12.2025
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