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FM Global

„Wir setzen darauf, Schäden zu vermeiden“

| Redakteur: Frauke Finus

FM Global ist ein weltweit tätiger Sachversicherer. Das Geschäftsmodell beruht darauf, Schäden durch ein umfassendes Risikomanagement von vornherein zu vermeiden. Was dieses Angebot für Medizintechnikhersteller leisten kann, erklärt Nigel Todd, Assistant Client Service Manager bei FM Global Deutschland, im Gespräch mit Devicemed.

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Nigel Todd, Assistant Client Service Manager: „Wir sind der Überzeugung, dass es für Unternehmen besser und günstiger ist, Schäden zu vermeiden, statt sie hinterher zu beheben.“
Nigel Todd, Assistant Client Service Manager: „Wir sind der Überzeugung, dass es für Unternehmen besser und günstiger ist, Schäden zu vermeiden, statt sie hinterher zu beheben.“
( Bild: Finus )

Herr Todd, was unterscheidet FM Global von anderen Versicherungen?

Zuerst mal sind wir ein reiner Industrieversicherer für Sachschäden und Betriebsunterbrechungen. Damit ist der Zeitraum nach einem Schadensfall gemeint, in dem ein Werk stillsteht und keinen Gewinn erarbeiten kann. Außerdem sind wir ein „Verein“, unsere Versicherungsnehmer sind anteilig auch Eigentümer, sodass unser Verhältnis auf Gegenseitigkeit beruht. Der wichtigste Punkt ist sicher der folgende: Wir setzen bereits eine Stufe früher an als die meisten Versicherungen. Unsere Idee ist, den Schadensfall gar nicht erst eintreten zu lassen, sondern Schäden durch umfassendes Risikomanagement zu vermeiden.

Wie muss ich mir Schadensvermeidung durch Risikomanagement vorstellen?

Um Schäden zu vermeiden, muss man wissen, wie sie entstehen. Da vertrauen wir nicht einfach auf Wahrscheinlichkeitsrechnung, sondern probieren es aus. In den USA betreibt FM Global ein eigenes Test- und Forschungszentrum. Hier werden wissenschaftliche Studien zum Beispiel auf dem Gebiet der Brandschutztechnik durchgeführt. So eignen wir uns Expertenwissen zur Schadensverhütung an. Möchte ein Medizintechnikunternehmen sein Werk bei uns versichern, kommt einer unserer über 1.800 Ingenieure in einer Ortsbegehung zur Bestandsaufnahme. Er kann dann ein klares Bild der möglichen Gefahrenquellen geben und Empfehlungen aussprechen, wie zum Beispiel der Brandschutz bestmöglich gestaltet sein sollte.

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Welche Risikofaktoren werden bei der Analyse betrachtet?

Die Lage des Standorts und die Naturgefahren, die sich daraus ergeben. Steht das Gebäude zum Beispiel in einem erdbebengefährdeten Gebiet? Außerdem Brandgefahren und nutzungsspezifische Gefahren. Ein Chemiewerk ist anderen Risiken ausgesetzt als ein Bürogebäude. Des Weiteren Anlagenrisiken. Gibt es eine Nadelöhr-Maschine, die die ganze Produktion lahmlegt, wenn sie ausfällt? Und schließlich organisatorische und sonstige Faktoren. Wie werden Heißarbeiten im Betrieb überwacht?

Welche Rolle spielt die Software „Riskmark“ in diesem Zusammenhang? Sie bieten Ihren Kunden an, dass diese ihre Standorte miteinander vergleichen können?

Mit Riskmark macht FM Global die am Standort vorliegenden Risiken transparent und damit zwei oder mehrere Standorte vergleichbar. Das wichtigste Hilfsmittel stellt der von der Analyse-Software ermittelte Riskmark-Wert dar. Die Software wird mit den Informationen gefüttert, die die Ingenieure vor Ort gesammelt haben. Die Ermittlung des Werts basiert auf einem Algorithmus. Er verwendet eine 100-Punkte-Skala, bei der gilt: je höher die Punktzahl, desto geringer die Schadenwahrscheinlichkeit des Standorts. Jeder Standort hat grundsätzlich zunächst 100 Punkte. Diese sind allerdings nur theoretisch zu erreichen, denn praktisch gibt es immer Risiken, die nicht vollständig beseitigt werden können. Durch die oben genannten Risikofaktoren gibt es entsprechende Abzüge, für Gegenmaßnahmen gibt es wieder Pluspunkte. Anhand dieser Punktzahlen ist es möglich, dass ein Kunde mehrere seiner Standorte miteinander vergleichen kann. Auch ist ein Vergleich innerhalb der Branche möglich. Wir haben beispielsweise unter unserem Kundenstamm den durchschnittlichen „typischen Standort“ für die Medizintechnik/Pharmaindustrie mit 48 Punkten ermittelt. Der Riskmanager in einem Medizintechnikunternehmen sieht im besten Fall seine eigene, womöglich geringe Punktzahl als Motivation, Risiken zu reduzieren. Hierfür stehen ihm dann unsere Ingenieure mit Empfehlungen zur Seite. Untersuchungen zeigen, dass unsere Strategie aufgeht. Schäden an Standorten mit den niedrigsten Punktzahlen fallen bis 30-mal höher aus und treten siebenmal häufiger auf als an Standorten mit den höchsten Punktzahlen.

Wie viele Medizintechnikunternehmen sind bei Ihnen versichert?

FM Global versichert zurzeit etwa 20 Firmen mit insgesamt über 70 Standorten aus der Pharmaindustrie/Medizintechnik in Deutschland.

Worauf achten Ihre Ingenieure vor Ort besonders, wenn sie eine Risikobewertung bei einem Medizintechnikhersteller durchführen?

Einer der wichtigsten Prozessschritte in der Herstellung medizintechnischer Produkte ist die Sterilisation der Produkte in Autoklaven. Um die Zuverlässigkeit der Produktion zu gewährleisten, sind sowohl die mechanische Integrität der Autoklaven als auch die zuverlässige Versorgung mit Dampf von entscheidender Bedeutung. Unsere Ingenieure unterstützen unsere Kunden dabei, durch effektive Wartungsprogramme, Instandhaltung und Betrieb der Dampfkessel und Autoklaven die Verfügbarkeit dieser Anlagen zu optimieren. Ein anderes Beispiel sind pflanzliche Öle. Als Grundstoffe für klinische Ernährungsprodukte müssen sie in den Werken in größeren Mengen vorgehalten werden. Sie sind brennbar und können im Brandfall gegebenenfalls die Produktion gefährden. Unsere Ingenieure arbeiten mit unseren Kunden zusammen, um eine sichere Lagerung dieser Öle zu erreichen.

Wenn ein Hersteller sein eigenes Risikomanagement gut meistert, ist er doch aber noch immer den Lieferketten-Risiken ausgesetzt. Was kann man dagegen tun?

FM Global bietet auch an, eine Riskmark-Analyse für die Zulieferer durchzuführen. Vorausgesetzt, der Zulieferer stimmt einer Ortsbegehung zu. So kann beispielsweise auch lokalisiert werden, welcher Zulieferer den größten Schaden generiert, wenn er nicht liefert. Das sind oft gar nicht die wertvollen, teuren Herzstücke eines Produkts, sondern zum Beispiel Rohstoffe wie Kunststoffgranulate zur Herstellung von Kunststoffteilen. Zusammenfassend lässt sich also sagen, wenn Unternehmen die Risiken in den Lieferketten und an den eigenen Standorten bestmöglich reduzieren, sind sie im Schadensfall mit nur geringen Zerstörungen und Ausfällen konfrontiert.

Das Interview führte Frauke Finus.

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