France

BVMed-Umfrage Wie innovationsfreundlich ist der Medizintechnik-Standort Deutschland?

Redakteur: Kathrin Schäfer

Deutschland verfügt in der Medizintechnik über gut ausgebildete Wissenschaftler und Ingenieure und eine sehr gute klinische Forschung. Das Innovationsklima in Deutschland werde aber durch innovationsfeindlich eingestellte Krankenkassen, bürokratische Prozesse und die Unsicherheiten über die künftige Nutzenbewertung von Medizinprodukten zunehmend gefährdet. Das ist das Ergebnis der zweiten Innovationsklima-Umfrage des Bundesverbandes Medizintechnologie.

Firmen zum Thema

Bei der Frage nach Hemmnissen beim Thema Innovationsfinanzierung in Deutschland nennen die Unternehmen in erster Linie eine innovationsfeindliche Politik der Krankenkassen, zu bürokratische Prozesse sowie die Unsicherheit über die künftige Nutzenbewertung von Medizinprodukten.
Bei der Frage nach Hemmnissen beim Thema Innovationsfinanzierung in Deutschland nennen die Unternehmen in erster Linie eine innovationsfeindliche Politik der Krankenkassen, zu bürokratische Prozesse sowie die Unsicherheit über die künftige Nutzenbewertung von Medizinprodukten.
(Bild: Fotolia/cirquedesprit)

An der Umfrage haben sich sich 68 forschende Med-Tech-Unternehmen des BVMed beteiligt. Auf einer Skala von 0 bis 10 bewerten die Unternehmen das Innovationsklima für Medizintechnik in Deutschland mit 6,2. Der Index erreicht damit exakt den Vorjahreswert der ersten Umfrage von Anfang 2012.

Kardiologie als Vorreiter bei Innovationen

Im Rahmen des Informationsservices Med-Tech -Radar zur Innovationsfinanzierung in Deutschland führt der BVMed jährlich eine Online-Umfrage bei seinen Mitgliedern zum Innovationsklima in Deutschland durch. Der Med-Tech Radar wird vom BVMed gemeinsam mit dem High-Tech Gründerfonds und Earlybird Venture Capital veröffentlicht.

Als innovativsten Forschungsbereich schätzen die Unternehmen wie im Vorjahr die Kardiologie ein. 47 Prozent der Befragten nennen diesen Versorgungsbereich. Es folgen Diagnostik (34 Prozent), Chirurgie (32 Prozent), Neurologie (31 Prozent) sowie Onkologie und Orthopädie (jeweils 20 Prozent).

Stärken des Medizintechnik-Standorts Deutschland

Die Stärken Deutschlands beim Thema Innovationstransfer liegen nach Ansicht der Med-Tech-Unternehmen vor allem in den gut ausgebildeten Wissenschaftlern und Ingenieuren (75 Prozent) und dem hohen Standard der klinischen Forschung (62 Prozent, plus 18 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr). Nur noch 43 Prozent nennen das hohe Versorgungsniveau der Patienten (Vorjahr 56 Prozent) und die schnelle Markzulassung durch die CE-Kennzeichnung (Vorjahr 51 Prozent). 40 Prozent nennen gut ausgebildete Ärzte als Standortvorteil Deutschland. Die mit Abstand geringsten Werte erhalten ein gutes Erstattungsniveau (15 Prozent) sowie ausreichendes Kapital für Innovationsfinanzierung über Startfinanzierung oder Venture Capital (nur 9 Prozent).

Politik der Krankenkassen als Hemmnis genannt

Bei der Frage nach Hemmnissen beim Thema Innovationsfinanzierung in Deutschland nennen die Unternehmen in erster Linie eine innovationsfeindliche Politik der Krankenkassen (69 Prozent), zu bürokratische Prozesse (63 Prozent) sowie die Unsicherheit über die künftige Nutzenbewertung von Medizinprodukten (44 Prozent). Häufig genannt werden auch niedrige Erstattungspreise (41 Prozent) und die starre sektorale Budgetierung (35 Prozent).

BVMed fürchtet Gefährdung des Innovationsklimas

BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt erklärt: „Die zweite BVMed-Umfrage zum Innovationsklima zeigt, dass Deutschland nach wie vor als innovationsfreundlich gilt und gute Bedingungen für die Med-Tech-Branche hat. Aber diese guten Voraussetzungen sind zunehmend gefährdet. Nach dem Strategieprozess Medizintechnik brauchen wir jetzt eine stärkere gemeinsame Umsetzung der erkannten Defizite. Wir brauchen besser aufeinander abgestimmte und bedarfsorientierte Forschungsförderungsprogramme, neue Wege in der Finanzierung klinischer Studien und sinnvolle Evidenzlevel sowie entsprechende Studiendesigns für die Nutzenbewertung von Medizinprodukten.“

Kontakt:

BVMed - Bundesverband Medizintechnologie

D-10117 Berlin

www.bvmed.de

(ID:38501490)