France

Kommentar Weltweiter Halbleiter-Engpass: Medizintechnikunternehmen müssen priorisiert werden

Ein Gastkommentar von Katrin Pucknat*

Hersteller von Beatmungs- und Atemtherapiegeräten stehen aktuell aufgrund der angespannten Versorgungslage mit Halbleitern vor logistischen Herausforderungen. Katrin Pucknat, Präsidentin von Resmed Germany, appelliert in einem Gastkommentar an die Solidarität von Unternehmen, politischen Verantwortlichen und Verbrauchern, eine priorisierte Versorgung zu unterstützen.

Halbleiter sind aktuell ein gefragtes und knappes Gut.
Halbleiter sind aktuell ein gefragtes und knappes Gut.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Unzählige Unternehmen, die auf elektronische Komponenten für ihre Produkte angewiesen sind, stehen aktuell vor einer enormen Herausforderung: Zulieferer können die benötigten Bestellmengen pandemiebedingt nicht bereitstellen und die Kosten der Komponenten sind zum Teil drastisch gestiegen. Zudem sind Frachtrouten ausgedünnt, beziehungsweise übersteigt die Nachfrage deutlich das Angebot. Entsprechend sind auch Frachtkosten im internationalen Güterverkehr um ein Vielfaches höher als vor Pandemiebeginn 2020.

Katrin Pucknat, Geschäftsführerin von Resmed Germany
Katrin Pucknat, Geschäftsführerin von Resmed Germany
(Bild: www.marekbeier.de/Resmed)

Hersteller von Beatmungs- und Atemtherapiegeräten sehen sich darüber hinaus weiteren Herausforderungen gegenüber, die in der Tat über das Wohl und Wehe von Patienten entscheiden: Durch die Pandemie, die einen außergewöhnlichen globalen Nachfrageschub mit sich bringt, und die Rückrufaktion eines Mitbewerbers ist das Auftragsvolumen quasi explodiert. Mehr Patienten sind auf Beatmungs- und Atemtherapiegeräte angewiesen und gleichzeitig stehen weniger Anbieter zur Verfügung, wodurch der Druck auf die verbliebenen steigt, die gestiegene Nachfrage zu bedienen.

Priorisierung von Gesundheit gegenüber kurzlebigen Konsumgütern

Soweit so besorgniserregend. Als Hersteller von Beatmungs- und Therapiegeräten konkurrieren wir aktuell vor allem mit Autoherstellern, Smartphone-Produzenten und Unternehmen im Bereich der Unterhaltungselektronik. Oft handelt es sich dabei um Weltmarken, bei denen das Nachfragevolumen für elektronische Komponenten – insbesondere Halbleiter – riesig ist und die demnach für Hersteller besonders attraktiv sind. Entsprechend können wir in den letzten Wochen in der Wirtschaftspresse immer wieder über exklusive, langfristige Lieferverträge mit diesen Weltmarken lesen. Lieferverträge, die es für Medizintechnikunternehmen noch schwerer machen, sich die benötigten Liefermengen zu sichern, um für eine ausreichende Versorgung von Krankenhäusern und Patienten zu sorgen.

Was wir nun brauchen ist ein Akt der Solidarität. Länderübergreifende Solidarität unter den Wirtschaftsunternehmen, die eine Priorisierung der Medizintechnikunternehmen bei der Versorgung mit kritischen elektronischen Komponenten unterstützen. Solidarität unter den Entscheidungsträgern in den Regierungen, die dieses Thema zur Chefsache erklären und auf eine veränderte Verteilung drängen. Und Solidarität in der Gesellschaft, indem sich jeder und jede einzelne überlegt, ob er oder sie unbedingt jetzt das nächste Smartphone oder die neueste Spielekonsole benötigt. Diese Solidarität ist entscheidend dafür, wie viele Menschen, mit dem von ihnen dringend benötigten medizinischen Therapiegerät versorgt werden können. Und damit schlussendlich auch darüber, von wie vielen Menschen die Lebensqualität gewährleistet werden kann.

Weitere Meldungen aus der Medizintechnik-Branche und über Medizintechnik-Unternehmen finden Sie in unserem Themenkanal Szene.

* Katrin Pucknat ist Geschäftsführerin von Resmed Germany.

(ID:47972845)