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Lebende Implantate Weltpremiere auf der Medica: Tissue Engineering trifft Textiltechnik

| Redakteur: Peter Reinhardt

Ein Team von Medizinern, Naturwissenschaftlern und Ingenieuren entwickelt in Aachen unter der Leitung von Prof. Dr. med. Jockenhövel ein lebendes Implantat. Das völlig neue Verfahren verbindet das Tissue Engineering mit textilen Implantaten und soll die Lebensqualität bei Lungenkrebs im Endstadium verbessern. Der Fokus liegt auf der durch Lungenkrebs hervorgerufenen Verengung der Atemwege, der sogenannten Stenose, die zu Husten, Heiserkeit und enormer Kurzatmigkeit führt und im schlimmsten Fall die normale Atmung verhindern kann.

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Im EU-Projekt Pulmo-Stent geht es um die Entwicklung personalisierter Stents für die Atemwege. Dafür wird herkömmliche Stent-Technologie mit dem Tissue Engineering kombiniert.
Im EU-Projekt Pulmo-Stent geht es um die Entwicklung personalisierter Stents für die Atemwege. Dafür wird herkömmliche Stent-Technologie mit dem Tissue Engineering kombiniert.
(Bild: ITA-RWTH)

Bei der bisher üblichen Behandlung von Stenosen mit Stents kann das Gewebe durch diese Stützstrukturen hindurchwachsen und das Gefäß erneut verschließen. Im EU-Projekt Pulmo-Stent geht es um die Entwicklung personalisierter Stents für die Atemwege. Dafür wird die herkömmliche Stent-Technologie mit dem Tissue Engineering kombiniert. Jede einzelne Schicht der Stents trägt zur Gesamtfunktion bei. Die innere Schicht der Stents wird dabei mit einer tissue-engineerten Zellschicht besiedelt, dem Epithel.

Die Zellen bilden an der Oberfläche feinste Härchen, die den Abtransport von Schleim in Richtung Mundhöhle übernehmen. Die Stabilität der Pulmo-Stents wird durch eine metallische, geflochtene Struktur realisiert. Diese ist in eine Kunststoffschicht eingebettet, welche das Einwachsen von Tumorgewebe verhindert. Dieser Aufbau stellt die natürliche Funktion der Luftröhre wieder her. Das auf der Medica vorgestellte Konzept ist nicht nur in der Luftröhre und in Blutgefäßen anwendbar. Die Plattformtechnologie wird zurzeit auch schon auf die Speiseröhre übertragen.

Medica 2014: Halle 2, Stand C80/C90

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