VDE/DKE

Weißbuch identifiziert Lücken bei der OP-Vernetzung

| Redakteur: Kathrin Schäfer

Ein neues Weißbuch über sichere dynamische Vernetzung in Operationssaal und Klinik analysiert den aktuellen Stand der Medizingerätevernetzung im OP und identifiziert Standardisierungslücken und -bedarfe.
Ein neues Weißbuch über sichere dynamische Vernetzung in Operationssaal und Klinik analysiert den aktuellen Stand der Medizingerätevernetzung im OP und identifiziert Standardisierungslücken und -bedarfe. (Bild: BVMed-Bilderpool/Aesculap)

Zusammen mit dem Deutschen Institut für Normung, Integrating the Healthcare Enterprise und Health Level Seven haben Normungsexperten des VDE/DKE ein Weißbuch über sichere dynamische Vernetzung in Operationssaal und Klinik erarbeitet. Darin werden der aktuelle Stand der Medizingerätevernetzung im OP analysiert sowie Standardisierungslücken und -bedarfe identifiziert.

IT ist aus der Patientenversorgung nicht mehr wegzudenken. Das gilt auch für den Operationssaal. Umso wichtiger ist es, dass medizinische Geräte und Informationssysteme verlässlich und interoperabel kommunizieren. Nach Ansicht des VDE werden Medizingeräteausstattungen im OP allerdings zurzeit von herstellerspezifischen Lösungen weniger Anbieter dominiert. Um die Sicherheit weiterhin auf einem hohen Niveau zu halten, den Betreibern von Kliniken bei der Beschaffung und Vernetzung neuer Geräte mehr Freiräume zu verschaffen und dabei Kosten zu sparen, bedürfe es standardisierter Schnittstellen.

Eine detaillierte Normungs-Roadmap erarbeiten

Mit dem Weißbuch möchte der VDE einen Weg für die Erarbeitung einer detaillierten Normungs-Roadmap „Vernetzung in OP und Klinik“ aufzeigen. „Jeder interessierte Experte kann an ihrer Erstellung mitarbeiten“, erklärt Johannes Dehm vom VDE. Ziel der Normungs-Roadmap sei es, die Lücken zu beschreiben und auf die zukünftig notwendigen nationalen und internationalen Normungsaktivitäten hinzuweisen.

Jetzige Standards sind unvollständig

Ein wichtiges Ergebnis der Weißbuch-Analyse lautet, dass einige bestehende Standards eine gute, aber noch unvollständige Ausgangsbasis für die Vernetzung von Medizingeräten bieten. Dies betrifft unter anderem den in der Anwendung befindlichen internationalen Standard DIN EN ISO 11073 („Medizinische Informatik – Kommunikation patientennaher medizinischer Geräte“). Die in der DIN EN 11073-Standardfamilie definierten Bestandteile eines Systems ermöglichen die Kommunikation von Geräten für die persönliche Gesundheit. Dabei werden beispielsweise Vitaldaten zwischen unterschiedlichen medizinischen Geräten ausgetauscht, ausgewertet und Geräte ferngesteuert. Organisationen wie DICOM (Digital Imaging and Communications in Medicine) und HL7 bieten wiederum andere Bausteine zur OP-Kommunikation, wie etwa die Integration mit Bildarchiven in der Klinik. Was jedoch fehlt ist ein „horizontaler“ Standard, der die bestehenden Ansätze so integriert, dass ein schlüssiges technisches Gesamtkonzept für den Einsatz innerhalb und außerhalb des OPs entsteht.

Die Handlungsempfehlungen im Weißbuch zielen insbesondere darauf ab, die vorhandenen Normensätze zu erweitern und IHE als Bindeglied für die Entwicklung der nötigen Use Cases beispielsweise für die Neurochirurgie und laparoskopische Chirurgie zu nutzen. Damit würden IHE-Profile zu großen Teilen die Rolle des bisher fehlenden „horizontalen“ Standards übernehmen. Des Weiteren gilt es, Anforderungen zur Dokumentation von Geräten festzulegen und Zertifizierungs- und Testkonzepte zu erörtern. Auch sind in der entstehenden Standardarchitektur an allen kritischen Stellen Zugriffsrechte und Datenschutz so sicherzustellen, wie dies für andere Teile des Krankenhauses bereits der Fall ist.

Die Idee, die erforderliche Interoperabilität zwischen Produkten unterschiedlicher Hersteller in einen gemeinsamen weltweit gültigen Standard für die Medizintechnik und Medizin-IT zu organisieren, entwickelte sich aus dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt OR Net heraus, in dem über 50 Partnerinstitutionen aus Forschung, Klinik und Industrie zusammenarbeiten. Die Organisationen DKE, DIN, IHE und HL7 sind weltweite Initiativen von Anwendern, Herstellern und Entwicklern mit dem Ziel, der Standardisierung und Harmonisierung des Datenaustauschs zwischen IT-Systemen im Gesundheitswesen.

Das Weißbuch kann kostenlos im Infocenter des VDE heruntergeladen werden.

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