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Compamed 2016 Was macht die Digitalisierung mit der Medizintechnik?

| Autor / Redakteur: Joachim Schäfer / Kathrin Schäfer

Diese Frage zählt wohl zu den spannendsten überhaupt. Auf dem Messeduo Medica und Compamed wird sie auch dieses Jahr ein gutes Stück weit beantwortet. Denn bereits die Entwicklungen der Zulieferer können für eine bessere ambulante und klinische Versorgung von enormer Tragweite sein.

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Medizintechnische Innovationen – die Ideen und das Know-how dazu stammen zu einem großen Teil von den Zulieferern der Branche. Mehr als 800 von ihnen können Besucher auf der diesjährigen Compamed antreffen.
Medizintechnische Innovationen – die Ideen und das Know-how dazu stammen zu einem großen Teil von den Zulieferern der Branche. Mehr als 800 von ihnen können Besucher auf der diesjährigen Compamed antreffen.
(Bild: Constanze Tillmann/Messe Düsseldorf)

Grundsätzlich ist immer kleinere und kostengünstigere Medizintechnik gefragt und in immer mehr Fällen mit „Vernetzungsoption“. Anbieter benötigen von den Zulieferern entsprechend immer feinere, leichtere und doch zugleich leistungsfähigere Komponenten, Bauteile, Chips, Funkmodule oder etwa auch passende Energie- sowie Datenspeicher. Außerdem gewinnen die Auftragsfertigung und das Outsourcing von Dienstleistungen zu allen Prozessketten-Elementen weiter an Bedeutung. Denn gleich ob es sich bei den Kunden aus der Medizintechnik-Industrie um Großkonzerne oder kleine Familienunternehmen handelt, die Zulieferer bieten sich ihnen als kompetente Partner an.

Die fortschreitende Digitalisierung im Bereich der Gesundheitsversorgung prägt derzeit maßgeblich auch das Geschehen rund um die medizintechnische Produktentwicklung. Vielfach rückt sogar die Hardware eher in den Hintergrund, liefert nur noch die Rechnerleistung und die wesentlichen Innovationen spielen sich auf dem Gebiet der Software ab. Mobile App-basierte Lösungen für die medizinische Bildgebung oder aber für kardiologische Anwendungszwecke sind ausgewählte Beispiele dafür. Ob Hightech-Ultraschallkopf oder Sensoren zum Erfassen von Vitaldaten – im Handumdrehen entstehen daraus durch den Anschluss an einen Tablet-PC oder ein Smartphone voll taugliche Gerätelösungen für viele medizinische Einsatzzwecke.

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Für derartige Innovationen laufen Zulieferer, wie sie sich bei der Compamed präsentieren, zur Höchstform auf. Mit der Digitalisierungs- und Vernetzungsthematik beschäftigen sie sich intensiv. Das Ergebnis sind Neuheiten „nach Maß“, je nach Kundenwunsch mit unterschiedlicher Entwicklungstiefe. Das betrifft etwa Benutzerschnittstellen und die Menü-Führung medizinischer Geräte und Systeme. Dazu zählen passende Touchscreens, Displays oder auch komplexe Elektronik zur kabellosen Übertragung von Daten. Besonders im Trend bei den Kunden aus der Medizintechnik-Industrie liegen einheitliche Bedien- und Steuerungskonzepte für mehrere Systeme unterschiedlicher Baureihen. So müssen sich medizinische Anwender unabhängig von der jeweiligen Funktionalität nicht groß umstellen, wenn sie geräteübergreifend arbeiten.

Produktentwicklung steht heute unter dem Einfluss der Digitalisierung

Augenfällig sind die großen Vorteile, die sich aus der Digitalisierung in Kombination mit voranschreitender Miniaturisierung ergeben, auch auf dem Gebiet der Labormedizin. Bei Blutuntersuchungen ersetzt heute ein handliches „Point-of-Care“-Gerät, das direkt am Patientenbett zum Einsatz kommen kann, ein ganzes Krankenhauslabor. Und dank des Know-hows der Zulieferer und von Forschungseinrichtungen, die sich ebenfalls an der Compamed als Aussteller beteiligen, sind weitere große Fortschritte zu erwarten.

Beispiel Mikroskopie: In kleinen Laboren werden vielfach Proben noch mit hohem Personaleinsatz quasi „per Hand“ und geschultem Auge analysiert. Denn entweder sind Laborautomaten nur auf sehr spezielle Untersuchungen abgestimmt oder aber sie sind schlicht zu teuer, wenn sie ein breiteres Analysespektrum abzudecken haben. Auf Basis neuer Erkenntnisse über das unterschiedliche Leuchtverhalten krankhaften Gewebes lassen sich mittlerweile jedoch für immer mehr Fragestellungen vergleichsweise günstige, automatisierte Scanning-Verfahren entwickeln. Bei der letztjährigen Compamed sorgte beispielsweise eine neuartige Applikation für die Diagnose von Prostatakrebs für reichlich Gesprächsstoff.

Doch nicht nur für die Labormedizin sind die Zulieferer-Innovationen von enormem Nutzen. Das gilt etwa auch in Bezug auf Instrumente für minimalinvasive Eingriffe. Ausgewählte Neuheiten unterstreichen die Komplexität heutiger chirurgischer Werkzeuge. Jüngst wurde von einem Compamed-Aussteller ein MRT-taugliches Mikroendoskop mit Ultraschallfunktion vorgestellt – gleichermaßen nutzbar für Diagnose- sowie Therapiezwecke. Der integrierte Endoskopkopf misst nur wenige Millimeter, ist mit zwei Lichtleitern und einem Ultraschallwandler ausgestattet, so dass damit sogar auf Basis akustischer Wellen Tumorzellen zerstört werden können. Auch der bei der Compamed stark vertretene Bereich neuer Materialien für die medizinische Fertigung trägt seinen Teil zu dieser Innovation bei. Denn das Endoskop besteht aus Keramik und aus Kunststoff, damit es bei der MRT-Bildgebung nicht zu Störungen kommt. Gedacht ist das Instrument mit Hightech-Komponenten für Untersuchungen im Gehirn bei Alzheimer, Parkinson oder Krebserkrankungen.

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