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US-Gesundheitsmarkt: Einfluss von Ärzten soll wieder wachsen

| Redakteur: Kathrin Schäfer

„Viele Akteure haben erkannt, dass der Wandel des Gesundheitssystems den Input der Mediziner braucht“, erklärt Michael Kunst, Bain-Partner und Leiter der europäischen Praxisgruppe Pharma und Gesundheitswesen. Dies gelte nicht nur für die USA, sondern auch für Deutschland.
„Viele Akteure haben erkannt, dass der Wandel des Gesundheitssystems den Input der Mediziner braucht“, erklärt Michael Kunst, Bain-Partner und Leiter der europäischen Praxisgruppe Pharma und Gesundheitswesen. Dies gelte nicht nur für die USA, sondern auch für Deutschland. (Bild: Bain & Company)

Dem US-amerikanischen Gesundheitssystem mangelt es an einem tragfähigen Modell für eine hochwertige, bezahlbare medizinische Versorgung. Eine Studie zeigt: Nach Jahren des Ausprobierens tun sich viele Ärzte schwer damit, weitere Reformen zu unterstützen.

  • Sicherstellung einer guten, bezahlbaren medizinischen Versorgung bleibt die größte Herausforderung für das US-Gesundheitssystem
  • Ärzte müssen stärker in erfolgskritische Entscheidungsprozesse einbezogen werden
  • Ergebnisse sind auch für Deutschland von Bedeutung

Keiner der in den letzten Jahren eingeführten Managementansätze im US-Gesundheitssystem hat zu einem Durchbruch geführt. Im Gegenteil: Der erhoffte Fortschritt durch neue Reformen hat sich laut der aktuellen Studie „Front Line of Healthcare Report 2017“ der internationalen Managementberatung Bain & Company in den vergangenen zwei Jahren sogar verlangsamt. Die Suche nach einem tragfähigen Versorgungsmodell geht damit weiter – und sie bedarf der stärkeren Einbindung von Medizinern in die Entscheidungsprozesse. Die Bain-Studie basiert auf der Befragung von rund 1.000 Ärzten sowie jeweils 100 Klinikeinkäufern und Krankenhausfinanzchefs.

Reformbereitschaft der Ärzte gesunken

Nach Jahren des Ausprobierens tun sich viele Ärzte schwer damit, weitere Reformen zu unterstützen. 60 Prozent glauben mittlerweile, dass es in den nächsten zwei Jahren schwieriger wird, eine vergleichbar hochwertige medizinische Versorgung aufrechtzuerhalten. Gründe dafür sind vor allem die steigenden regulatorischen und administrativen Herausforderungen. Neue Versuche zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung werden von vielen Ärzten nur noch mitgetragen, wenn der Nutzen für eine bessere medizinische Versorgung klar belegt ist.

Kostenkontrolle spielt im US-amerikanischen Gesundheitssystem eine zentrale Rolle. In den letzten Jahren haben zunehmend Manager und Einkäufer die Entscheidungen über den Kauf medizinischer Produkte und Dienstleistungen in Krankenhäusern und Gesundheitszentren getroffen. Doch inzwischen hat eine Gegenströmung eingesetzt: Ärzte werden wieder stärker eingebunden. „Viele Akteure haben erkannt, dass der Wandel des Gesundheitssystems den Input der Mediziner braucht“, erklärt Michael Kunst, Bain-Partner und Leiter der europäischen Praxisgruppe Pharma und Gesundheitswesen. „Ärzte können den Weg hin zu einer besseren und vor allem nachhaltigen medizinischen Versorgung maßgeblich mitgestalten.“ Laut Bain-Studie wollen sie zudem eine aktivere Rolle in ihren Kliniken spielen und generell stärker in Entscheidungsprozesse einbezogen werden.

Operateure entscheiden mit über den Kauf von Medizintechnik

Diesen Sinneswandel spüren die Medizintechnikunternehmen in den USA deutlich. Gerade die Krankenhäuser hatten in den vergangenen zehn Jahren die Ärzte aus den Einkaufentscheidungen für medizinische Geräte weitestgehend hinausgedrängt und Anschaffungen vornehmlich nach Kostenaspekten getätigt. Jetzt werden wieder die Empfehlungen der Chirurgen eingeholt. Das bestätigen 80 Prozent der Befragten. Darüber hinaus bleibt laut 85 Prozent der Operateure der Einkauf bei Kaufentscheidungen neutral oder hat sogar einen positiven Einfluss auf sie. 70 Prozent der Chirurgen halten zudem den Preis bei Neuanschaffungen für wichtig.

Deutschland könnte dem Trend bald folgen

„Eine ähnliche Entwicklung ist in Deutschland denkbar“, stellt Bain-Experte Kunst fest. Auch hierzulande stehen derzeit noch Kostenkontrolle und eine Ökonomisierung des Gesundheitswesens im Zentrum vieler Bemühungen. Dabei befürchtet jeder dritte Arzt in Europa, dass sich Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen negativ auf die medizinische Versorgungsqualität auswirken. Und 42 Prozent rechnen sogar damit, dass eine gleichbleibend hohe medizinische Versorgungsqualität nicht mehr für alle Menschen sichergestellt werden kann. „Viele Klinikärzte betrachten die Kostenkontrolle im Gesundheitswesen nicht als Notwendigkeit, sondern als Sparmaßnahme“, betont Kunst. „Entsprechend kritisch stehen sie ihr gegenüber.“

Aller Kritik zum Trotz ist durch die Strukturreformen im Gesundheitswesen auch das Kostenbewusstsein der Akteure deutlich gestiegen. „In Zukunft steht die Gesundheitspolitik europaweit nicht nur vor der Herausforderung, die steigenden Kosten in den Griff zu bekommen“, so Kunst. „Vielmehr gilt es parallel dazu eine ausreichende Patientenversorgung zu gewährleisten sowie die medizinische Qualität weiter zu verbessern.“ Dafür bedürfe es nicht zuletzt in Deutschland einer stärkeren Einbindung von Ärzten in erfolgskritische Entscheidungsprozesse.

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