Inpac Medizintechnik

Umzug als Prozess

| Autor: Kathrin Schäfer

Ihnen steht die Vorfreude ins Gesicht geschrieben: (v.l.n.r.) Dr. Heiko Kaczorowski, Dr. Ralph Hermann und Dr. Birgit Fischer im neuen, noch leeren Reinraum von Inpac Medizintechnik.
Ihnen steht die Vorfreude ins Gesicht geschrieben: (v.l.n.r.) Dr. Heiko Kaczorowski, Dr. Ralph Hermann und Dr. Birgit Fischer im neuen, noch leeren Reinraum von Inpac Medizintechnik. (Bild: Schäfer)

Inpac Medizintechnik zieht um. Der Verpackungsdienstleister wird im Laufe dieses Jahres ein Kundenprojekt nach dem anderen in die neuen Räume transferieren. Devicemed war neugierig – auf den neuen Standort und darauf, wie so ein Umzug genau abläuft.

27. Januar 2016. Ich fahre mit dem Zug nach Pforzheim, wo ich mit Heiko Kaczorowski verabredet bin, einem der Geschäftsführer von Inpac Medizintechnik. Zur Compamed hatte das Unternehmen angekündigt, 2016 nach und nach neue Räume zu beziehen. Schon auf der Zugfahrt geht mir mein letzter eigener Umzug durch den Kopf. Wer umzieht, so denke ich, setzt sich in der Regel einen Termin, bestellt ein Umzugsunternehmen und transportiert sein Eigentum am Tag X von einem Ort zum anderen. Wenn eine ganze Firma umzieht, ist der Aufwand hierfür natürlich ungleich höher. Da kann solch ein Unterfangen schon einmal mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Wenn jedoch ein Medizintechnikdienstleister umzieht, können Projekte nicht einfach unterbrochen, Maschinen und Anlagen nicht einfach abgeschaltet werden. Mit anderen Worten: Da wird der Umzug zu einer echten Herausforderung. Doch am Ende winkt: eine hochmoderne Fertigung nach neuestem Stand der Technik.

Los geht´s im März 2016

Inpac Medizintechnik ist Dienstleister für die Verpackung von Sterilprodukten und entwickelt und produziert nicht nur kundenspezifische Verpackungen und Blister. So reicht das Angebot von der Produktion der Packmaterialien bis zur Fertigung und Sterilisation verkaufsfertiger Ware. Als ich Heiko Kaczorowski am Bahnhof in Pforzheim treffe, fällt mir als erstes auf, wie sehr sich der Geschäftsführer über den neuen Firmensitz freut. Schon auf dem Weg in das Industriegebiet erklärt er mir, wo die Bauarbeiten stehen. Ein gutes Jahr Bauphase hat er jetzt hinter sich. Das Lager ist bereits im Neubau untergebracht. Die ersten Teile der Verwaltung werden ab Ende März dorthin ziehen.

15 km Silikonfugen auf 4.000 m2

Auf der fast fertigen Baustelle laufen wir dem Reinraumbauer in die Arme. Er hat noch Fragen. Im zukünftigen Reinraum treffen wir auf Handwerker, die die Decke streichen. Außerdem müssen die Fugen der Fenster noch mit Silikon ausgespritzt werden. „15 km Silikonfugen gibt es im ganzen Gebäude“, so Kaczorowski. Diese Zahl hat den promovierten Chemiker sichtlich beeindruckt. Beeindruckend sind auch die 4.000 m2 Fläche, die ab Ende März für Medizintechnikprojekte zur Verfügung stehen. Erst 2011 hatte Inpac einen neuen, 350 m2 großen Reinraum gebaut. Aber das Unternehmen wächst. Schnell ist es mit seinen Kapazitäten schon wieder an die Grenze geraten.

Nach einem ersten Rundgang treffen wir Dr. Ralph Hermann, ebenfalls Bauherr und Geschäftsführer von Inpac, und Dr. Birgit Fischer, die Leiterin des Vertriebsteams. Gemeinsam erklären sie mir, wie der Umzug vonstattengehen wird: „Unsere Kundenprojekte werden erst nach und nach in die neuen Reinräume transferiert. Zugute kommt uns hierbei: Wir haben viele Verpackungsanlagen gleichen Typs. Deshalb können wir die erste Maschine umziehen und validieren lassen. Und die anderen werden sukzessive folgen“, verrät Hermann. Und Kaczorowski ergänzt: „Vielen unserer Kunden haben wir die neuen Räumlichkeiten schon gezeigt. Und natürlich haben wir sie rechtzeitig informiert, wann ihre Projekte umziehen werden.“ Beide rechnen damit, bis Ende des Jahres ganz in dem neuen Gebäude anzukommen.

Stück für Stück in die neuen Räume

Der Vorteil dieses Verfahrens ist: Während eine Maschine im neuen Werk validiert wird, sind diejenigen im alten Werk noch einsatzfähig. Produktionsausfälle gibt es keine, vielmehr herrschen Überkapazitäten. Letztere sind jedoch bei Inpac auch im Normalfall vorhanden, denn viele Kundenprojekte sind an schnelle Lieferzeiten gekoppelt. Um diese zusagen zu können, hat Inpac jetzt unter anderem eine EO-Sterilisationsanlage einbauen lassen. Deren Durchlaufzeit beträgt nur noch zirka 13 Stunden. Das im Gegensatz zu reinem Ethylenoxid nicht explosive Gemisch enthält nur sieben Prozent EtO, der Rest ist Kohlendioxid. Durch die Prozessführung kann das lange Entgasen deshalb deutlich reduziert werden. „Im besten Fall lässt sich ein Produkt in zwei Tagen verpacken und steril ausliefern“, freut sich Fischer. Andere gängige Sterilisationsverfahren deckt Inpac über externe Dienstleister ab.

Neu ist im neuen Inpac-Gebäude auch die HPW-Erzeugeranlage. HPW steht für highly purified water. Wie die Sterilisationsanlage kann ich auch sie schon besichtigen. „Im Gegensatz zu anderen Firmen verwenden wir bei jedem Reinigungsschritt Wasser mit sehr hoher Qualität“, erklärt mir Hermann. Künftig wird dies HPW-Qualität sein. Von der Offenheit, mit der mir Inpac den Neubau, die fast fertigen Reinräume und die bereits installierten Anlagen zeigt, profitieren sonst vor allem Kunden. Diese Transparenz, sie gehört quasi zur Unternehmensphilosophie. Gläserne Wände an dem nun 1.200 m2 großen Reinraum hin zu anderen Bereichen zeugen davon. Und auch die Tatsache, dass man Dekra, der zuständigen Benannten Stelle, die neuen Räume schon vorgestellt hat. So offen Inpac sich jedoch in Produktionsmethoden und Dokumentationsprozesse hineinschauen lässt, so diskret ist man, was die Namen, Produkte und das Know-how der Kunden angeht. Bei dem Lohnfertiger sind solche Daten streng vertraulich.

Auch für die Zukunft noch jede Menge Platz

Apropos Know-how: Von den 109 Mitarbeitern, die Inpac derzeit beschäftigt, arbeiten gut 70 in der Produktion, der Rest in Verwaltung und Logistik. Kaczorowski und Hermann sehen deren Know-how als das Herz ihres Unternehmens. Deshalb war es ihnen wichtig, mit ihrem Standort nahe Birkenfeld zu bleiben. Damit das auch so bleibt, gibt es auf der grünen Wiese rund um den neuen Firmensitz noch jede Menge Platz. „Wir sind in den letzten Jahren sehr stark gewachsen“, bilanziert Kaczorowski. Sollte das so weitergehen, ist auf dem Gelände genug Raum, um die Produktionsfläche noch einmal zu verdoppeln. ks

Ergänzendes zum Thema
 
Auch mehr Raum für Sonderprojekte
Sechs Reinräume am bisherigen Firmensitz stehen zukünftig für Sonderprojekte zur Verfügung.

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