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Hartmann Gruppe Trotz Rekordumsatz geringeres Ergebnis

| Redakteur: Peter Reinhardt

Solide Geschäftszahlen liefert die Hartmann-Gruppe fürs erste Halbjahr 2017. Sogar ein Umsatzrekord wird vermeldet – und es wird in die Zukunft investiert. Doch gestiegene Rohstoffkosten und regulatorische Aufwendungen beeinträchtigen das Ergebnis.

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Die Hartmann-Gruppe hat den Umsatz in allen Absatzmärkten gesteigert und konnte erstmals in der fast 200-jährigen Unternehmensgeschichte schon auf Halbjahressicht die Milliarden-Euro-Grenze überschreiten.
Die Hartmann-Gruppe hat den Umsatz in allen Absatzmärkten gesteigert und konnte erstmals in der fast 200-jährigen Unternehmensgeschichte schon auf Halbjahressicht die Milliarden-Euro-Grenze überschreiten.
(Bild: Hartmann Gruppe)
  • Hartmann steigert Umsatz in allen Absatzmärkten
  • Erstmals Milliardengrenze auf Halbjahressicht überschritten
  • Höherer Rohstoffkosten und regulatorische Aufwendungen drücken aufs Ergebnis

Als einer der international führenden Anbieter von Medizin- und Pflegeprodukten hat die Hartmann-Gruppe den Konzernumsatz im ersten Halbjahr 2017 gegenüber dem Vorjahr um 3,4 Prozent 1.006,8 Mio. Euro gesteigert. Damit wurde auf Halbjahressicht erstmals die Milliardengrenze überschritten.

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Sortimentsumstellungen verringern das Wachstum

Das erwartungsgemäß verhaltenere Wachstum im zweiten Quartal ist unter anderem auf Sortimentsumstellungen im Zuge anstehender Markteinführungen im Segment Inkontinenzmanagement zurückzuführen. Aufgrund von Wachstumsinvestitionen, die sich vor allem im höheren Aufwand für Vertrieb und Marketing widerspiegeln, sowie höherer Rohstoffkosten und regulatorischer Aufwendungen verringerte sich das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) leicht auf 65,4 Mio. Euro (Vorjahr 68,6 Mio. Euro). Das Konzernergebnis liegt mit 45,4 Mio. Euro dennoch auf Vorjahreshöhe (45,3 Mio. Euro).

„Wir investieren in Leuchtturm-Projekte wie beispielsweise die Veroval-Diagnostikgeräte, die für die zukünftige Positionierung unserer Segmente entscheidend sind“, erklärt Chief Executive Officer Andreas Joehle die Strategie, der dafür vorübergehend den leichten Rückgang der Ebit-Marge in Kauf nimmt. „Zusätzlich ermöglicht uns unsere gute Finanzausstattung auch gezielte Akquisitionen, wie mit der erfolgreich abgeschlossenen Übernahme der Lindor-Aktivitäten in Spanien und Portugal unter Beweis gestellt“, macht Joehle deutlich.

Wachstum im Wund- und Infektionsmanagement

Hartmann konnte den Umsatz in allen Absatzmärkten steigern. In Europa erreichte der Konzern einen Umsatzanstieg von 2,7 Prozent, wozu Deutschland mit einer Wachstumsrate von 4,1 Prozent überproportional beitrug. In den nicht-europäischen Ländern betrug das Umsatzplus sogar 8,5 Prozent, was jedoch auch durch positive Währungseffekte begünstigt wurde. Organisches Wachstum konnte Hartmann hier vor allem in Afrika, Asien und Ozeanien erzielen.

Das Umsatzwachstum in den drei medizinischen Kernsegmenten, die im ersten Halbjahr 2017 einen Anteil von 78,8 Prozent am Gesamtumsatz der Gruppe hatten, wurde wesentlich durch innovative Behandlungs- und Diagnostikkonzepte vorangetrieben.

Im Segment Wundmanagement stieg der Umsatz um 5,7 Prozent auf 224,4 Mio. Euro, wozu insbesondere das Behandlungskonzept Hydro Therapy und vorkonfektionierte Wundversorgungs-Sets beitrugen. Die im zweiten Quartal eingeführte Veroval-Diagnostik Geräteserie stieß auf starke Nachfrage seitens der Apothekenkunden und trug zum Wachstum des Bereichs Personal Health Care bei.

Lindor-Geschäft soll ab Q3 zum Umsatz beitragen

Das Segment Inkontinenzmanagement verzeichnete mit 319,5 Mio. Euro einen Umsatz auf Vorjahresniveau. Der kräftige Umsatzanstieg bei Moli Care Mobile konnte Einbußen bei klassischen Produkten für die mittelschwere und schwere Inkontinenz weitgehend ausgleichen. Das zum 30. Juni 2017 erworbene Lindor-Geschäft wird ab dem dritten Quartal zum Umsatz beitragen.

Der Umsatz im Segment Infektionsmanagement erhöhte sich um 5,3 Prozent auf 249,7 Mio. Euro. Hierzu trugen weiterhin die strategischen Initiativen zur Verbesserung der Hygiene-Compliance bei der Hände- und Oberflächendesinfektion bei. Bei den weiteren Konzernaktivitäten nahmen die Umsatzerlöse um 3,7 Prozent auf 213,2 Mio. Euro zu.

Solides Ebit trotz Wachstumsinvestitionen und steigender Rohstoffkosten

Dem positiven Umsatzeffekt, unterstützt durch Einsparungen in Logistik und Produktion, steht eine insgesamt überproportionale Zunahme des Aufwands für Vertrieb und Marketing gegenüber. Darüber hinaus wirkten sich die Entwicklung der Absatzpreise, steigende Rohstoffkosten und die Umsetzung der neuen Medizinprodukteverordnung (MDR) negativ aus. Die Ebit-Rendite liegt daher mit 6,5 Prozent unter dem Vorjahreswert von 7,0 Prozent.

Anhaltend solide Finanzlage

Im Zusammenhang mit der Finanzierung der Akquisition von Lindor ging der Nettofinanzstatus auf -18,4 Mio. Euro zurück. Im Zuge der guten Liquiditätsentwicklung erwartet Hartmann aber bis zum Jahresende wieder positive Werte. Die Eigenkapitalquote nahm im Vergleich zur Jahresmitte 2016 auf 57,4 Prozent zu. Derweil arbeiteten zum Ende des ersten Halbjahres 2017 weltweit 10.519 Mitarbeiter in der Hartmann-Gruppe. Das sind 147 Personen mehr als zum Ende des Vorjahres.

Moderates Umsatz- und Ebit-Plus weiterhin erreichbar

Für das laufende Jahr rechnet die Hartmann-Gruppe, wie im Geschäftsbericht 2016 prognostiziert, weiterhin mit einem moderaten Umsatzanstieg und einem ebenfalls moderaten Plus beim Ebit. Dies setzt allerdings voraus, dass sich die negative Preisentwicklung bei einigen Rohstoffen in der zweiten Jahreshälfte nicht fortsetzt. „Auch die mit der Umsetzung von MDR verbundenen regulatorischen Kosten, die uns im zweiten Halbjahr und darüber hinaus begleiten werden, stellen Herausforderungen dar“, teilt das Unternehmen gegenüber der Presse mit.

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