Suchen

Medtech meets Pharma „Synergien zwischen Medikamentenentwicklung und Medizintechnik erschließen“

| Redakteur: Peter Reinhardt

Am 21. Oktober findet das 1. Fachsymposium Medtech meets Pharma statt. Warum Kooperationen zwischen Medizintechnik- und Pharmaindustrie dazu beitragen, dass Bayern beim Thema Gesundheit eine Spitzenposition einnimmt, erklärt der Schirmherr der Veranstaltung, Staatssekretär Franz Josef Pschierer vom Bayerischen Ministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie.

Firmen zum Thema

„Kombinationsprodukte, wie Applikationssysteme für Medikamente, bieten Potenzial für Synergien zwischen den Branchen Medizintechnik und Pharma“, Staatsekretär Franz Josef Pschierer vom Bayerischen Ministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie.
„Kombinationsprodukte, wie Applikationssysteme für Medikamente, bieten Potenzial für Synergien zwischen den Branchen Medizintechnik und Pharma“, Staatsekretär Franz Josef Pschierer vom Bayerischen Ministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie.
(Bild: Pschierer)

Herr Pschierer, auf der Arab Health haben Sie bei einem Gespräch mit Dr. Wolfgang Sening, Mitveranstalter des Fachsymposiums Medtech meets Pharma, spontan zugesagt, die Schirmherrschaft zu übernehmen Was reizt Sie am Dialog zwischen den Branchen Medizintechnik und Pharma?

Das große Thema Gesundheit ist eines der Zukunftsfelder, auf denen wir in Bayern international eine Spitzenposition einnehmen wollen. Durch die demographische Entwicklung sehen wir hier einerseits eine steigende Nachfrage nach neuen Behandlungsmöglichkeiten, andererseits aber auch das Potenzial, durch Forschung entsprechende Technologien und Produkte zu entwickeln.

Die Medizintechnikbranche und deren Zulieferindustrie wachsen deutschlandweit. Wie ist die aktuelle Situation in Bayern und wo sehen Sie Potenzial für Synergien zur Pharmabranche?

Die Medizintechnik ist eine dynamische und hoch innovative Branche. In den jüngsten fünf Jahren ist die Zahl der Mitarbeiter in Bayern um zirka 10 Prozent gestiegen, der Umsatz um 20 Prozent und der Auslandsumsatz sogar um 35 %. Mehr als 70 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaften die bayerischen Medizintechnikunternehmen mittlerweile im Ausland. Wir stehen also schon gut da.

Mit dem Trend zur personalisierten Medizin wird es künftig verstärkt darauf ankommen, Synergien zwischen Medikamentenentwicklung und Medizintechnik zu erschließen, um innovative Konzepte in die klinische Praxis zu übertragen. Unsere beiden bayerischen Spitzencluster in diesen Bereichen, der Münchner Biotechcluster M4 und das Medical Valley im Raum Nürnberg/Erlangen, planen bereits eine verstärkte Zusammenarbeit. Konkret könnten solche Synergien zum Beispiel durch Kombinationsprodukte, wie Applikationssysteme für Medikamente, erschlossen werden. Andererseits sehe ich aber auch einen stark wachsenden Einfluss der Informationstechnologie im Gesundheitsbereich. Denken Sie nur an die Themen Healthcare IT und Digitalisierung. Alle diese Trends bieten nicht zuletzt auch auf Basis einer ausgezeichneten Forschungsinfrastruktur hier in Bayern gute Chancen für unsere Pharma- und Medizintechnikunternehmen.

Gerade viele mittelständische Unternehmen der Zulieferindustrie sind in der Medizintechnik und Pharma engagiert. Sehen Sie hier besonderes Potenzial?

Der Mittelstand ist die Stütze unserer bayerischen Wirtschaft. Auch der Großteil der Pharma- und Medizintechnikunternehmen in Bayern besteht aus KMU. Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern machen hierzulande sogar mehr als die Hälfte aller Medizintechnik-Unternehmen aus. In ähnlicher Größenordnung bewegt sich das bei Zulieferern, die oftmals nur einen Teil ihres Umsatzes mit der Medizintechnik- und Pharmabranche machen. Diese kleinen und mittelständischen Unternehmen sind innovativ und auch flexibel genug, um neue Marktchancen zu nutzen.

Aber viele innovative Mittelständler haben Probleme bei der Erschließung von Exportmärkten. Kann die Politik hier helfen?

Natürlich. Das Bayerische Wirtschaftsministerium im Verbund mit Bayern International tut dies schon seit Jahren: Zum einen über Messebeteiligungen und Infostände wie eben auf der Arab Health mit rund 90 bayerischen Ausstellern. 2014/2015 sind im Bereich der Gesundheitswirtschaft weitere Messebeteiligungen vorgesehen, unter anderem in Kenia, Thailand, Japan, China und Indien. Zum anderen durch Unternehmer- und Delegationsreisen mit entsprechendem Branchenfokus. So werde ich zum Beispiel im Oktober mit einer Wirtschaftsdelegation nach China reisen. Frau Staatsministerin Ilse Aigner wird im Januar 2015 eine Wirtschaftsdelegation nach Saudi Arabien führen. Und nicht zuletzt unterstützen auch unsere mittlerweile 23 Auslandsrepräsentanten bayerische Unternehmen auf deren Exportmärkten.

Inwieweit engagiert sich die bayerische Staatsregierung bei der Innovationsförderung an der Grenzfläche von Industriebranchen, wie zwischen Medizintechnik und Pharma sowie deren Zulieferindustrie?

Innovationen entstehen oftmals gerade auch an den Schnittstellen von Wertschöpfungsketten oder Branchen. Die Bayerische Staatsregierung trägt dem Rechnung und fördert Innovationen und neue Technologien mit einem breiten Instrumentarium: Vom Aufbau von Forschungskapazitäten an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen über die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft in Clustern und Netzwerken wie zum Beispiel auch dem Fachsymposium Medtech meets Pharma bis zur Förderung von F&E-Projekten in Unternehmen. Hier reicht die Palette von bewusst technologieoffenen Förderprogrammen wie etwa dem Innovationsgutschein für kleine Unternehmen und Handwerksbetriebe in Bayern bis zu speziellen Programmen zum Beispiel für die Medizintechnik. Für interessierte Unternehmen ist das Innovations- und Technologiezentrum Bayern (IZTB) im Haus der Forschung ein kompetenter Ansprechpartner und Förderlotse.

Wenn Sie drei Wünsche hätten, um unseren Standort in Deutschland und Bayern international noch konkurrenzfähiger zu machen, welche wären das?

Erstens: Einen noch effizienteren Technologietransfer. Um unsere gute internationale Wettbewerbsposition weiter auszubauen, muss es uns gelingen, exzellente Ideen aus der Forschung noch schneller in neue Produkte und Dienstleistungen umzusetzen und auf den Markt zu bringen. Dafür brauchen wir zweitens die notwendigen Fachkräfte und drittens das notwendige Kapital. Ich denke dabei insbesondere an Wagnis- und Wachstumskapital für junge, technologieorientierte Unternehmen – hier haben wir im Vergleich zu unseren Konkurrenten eine echte Angebotslücke. Es ist unsere Aufgabe als verantwortliche Politiker, die dafür notwendigen und förderlichen Rahmenbedingungen vor allem auch auf Bundesebene zu schaffen – und wo dies nicht reicht, den Akteuren geeignete Anreize und Hilfen bereitzustellen.

Zum Programm und zur Anmeldung

(ID:42987269)