Suchen

Fruth Innovative Technologien – Fit AG / EMO Hannover 2017

Sind die Tage der klassischen Werkzeugmaschine gezählt?

| Autor/ Redakteur: Walter Frick / Peter Reinhardt

Alle Welt redet von 3D-Druck, additiver Fertigung und generativen Schichtbautechnologien. Gleichwohl frisst die klassische Werkzeugmaschine noch lange nicht ihr Gnadenbrot.

Firmen zum Thema

Wie bei anderen Fertigungstechnologien auch, benötigen auch additiv gefertigte Bauteile eine Qualitätsprüfung.
Wie bei anderen Fertigungstechnologien auch, benötigen auch additiv gefertigte Bauteile eine Qualitätsprüfung.
( Bild: Fit AG )
  • Additive Technologien als Sahnehäubchen auf der EMO Hannover 2017
  • Schichtbautechnologien erreichen Status der Normalität im Fertigungsalltag
  • AM-Experte setzt auf Kombination unterschiedlicher CNC-Technologien

Sein Anliegen, „Kompetenzen im Bereich Schichttechnologien in die Produktfertigung zu übertragen“, hat Carl Fruth mittlerweile längst erreicht: Im Rahmen eines Technologietags mit Hausausstellung im April dieses Jahres konnte die Fit AG (Fruth Innovative Technologien) im oberpfälzischen Lupburg die „erste additive Fabrik“ eröffnen. „Die Fit-Factory ist auch international gesehen einzigartig in Bezug auf Fertigungskapazität und Automatisierungstechnik und soll als Vorlage für weitere Additive-Manufacturing-Fabriken der Fit-Gruppe dienen“, so der Firmengründer und Vorstandsvorsitzender Fruth. Er ist ein Pionier der additiven Fertigung – und ein Visionär, für den es schon vor zehn Jahren „keine Frage war, dass Schichtbautechnologien in Zukunft Normalität im Fertigungsalltag sein werden und der Absatz von Fräsmaschinen oder Spritzgussmaschinen immer weiter zurückgeht“.

Ergänzendes zum Thema

Bildergalerie

Die Tage der „Mutter aller Maschinen“ sind noch nicht gezählt

Das heißt aber noch lange nicht, dass die Tage der „Mutter aller Maschinen“ – also der klassischen Werkzeugmaschine – gezählt sind. Das belegen die Innovationen, mit denen die Aussteller der EMO Hannover 2017 aufwarten. Als Hemmschuh für den Durchmarsch additiver Technologie in die individualisierte Massenfertigung bezeichnete Fruth selbst noch vor einigen Jahren die „fehlenden produktionstauglichen Fertigungsanlagen“. Das hat sich inzwischen verändert. Fruth formuliert es so: „Es gibt eine große Anzahl zarter Pflänzchen. Viele unserer Kunden möchte bestehende Komponenten gerne mittels additiver Technologien herstellen. Das ist jedoch nur sehr selten möglich“. Im Regelfall werde eine Neuentwicklung der Komponenten und sehr häufig auch der angrenzenden Komponenten des Systems notwendig. Vor diesem Aufwand scheuen viele Unternehmen zurück. Zudem erfordern generativen Schichtbautechnologien natürlich auch spezielle Entwicklungskompetenzen.“

Kompetenzgerangel in klassischen Unternehmen

Die vereinen sich nicht auf einem einzelnen Konstrukteur, sondern fordern ganze Teams. „In klassischen Unternehmen verursacht das Kompetenzgerangel und Unsicherheit“, weiß Furth. Innovative Unternehmen sähen das aber als Chance: „Wir unterstützen unsere Kunden in diesem Prozess und trainieren sie Bauteil für Bauteil auf Höchstleistung in AM-Design. Deshalb nennen wir diese Produkte auch ADM – Additive Design and Manufacturing.“

Additive Fertigung in automatisierten Prozessketten

Beim Thema „additive Fertigung in automatisierten Prozessketten“ – früher von ihm als ,Achillesferse’ bezeichnet – blüht Fruth geradezu auf: „Sie treffen jetzt mein Steckenpferd. Wir haben keine digitale Spezifikation unserer Produkte. Deshalb fliegt Industrie 4.0 nicht, und deshalb klappt es auch mit der Automatisierung nicht richtig. Wenn alles per Hand automatisiert und optimiert werden muss, ist das ganz klassische Massenfertigung – ein alter Hut!“ Ob ein Roboter am Band steht oder ein Mitarbeiter das Produkt wendet, dabei gehe es nicht um fundamental neue Ansätze: „Solange eine Zeichnung und dicke Aktenordner mit Text notwendig sind, um ein Produkt zu spezifizieren, wird das nichts mit Industrie 4.0. Und dabei geht es nicht darum, ob es auch eine PDF-Datei der Spezifikation gibt – es geht um maschinenlesbare Spezifikationen und deren vollautomatische Umsetzung.“

Mehr Technologien teilen sich den Markt

Die unvermeidliche Frage, ob denn die konventionelle Werkzeugmaschine arbeitslos wird, beantwortet der AM-Experte differenziert: „Die Fertigung von Bauteilen erfolgt in einer Prozesskette. Heute und auch morgen. Additiv gefertigte Bauteile benötigen ebenso wie andere Fertigungstechnologien eine Qualitätsprüfung: ob jedes Bauteil oder jedes 50. bei Gleichteilen, spielt dabei gar keine Rolle. Insofern denke ich nicht, dass es ein Ersetzen bestehender Technologien gibt.“ CNC-getriebene Verfahren seien alle sehr flexibel einzusetzen und würden alle ihren Markt haben. Die Frage sei vielmehr: „Welchen Anteil kann jede einzelne Technologie am Gesamtkuchen haben?“ Das Stück für die unterschiedlichen additiven Fertigungstechnologien ist derzeit winzig klein, es könne nur größer werden. Fruth glaubt jedoch auch, „dass der Kuchen insgesamt für CNC-Verfahren größer wird, auf Kosten werkzeuggebundener Fertigungstechnologien und anderer sehr personalintensiver Verfahren. Wir setzen auf die Kombination der unterschiedlichen CNC-Technologien.“

Auf der bevorstehenden EMO Hannover 2017 erwartet Fruth „die neuesten CNC-basierten Fertigungstechnologien, zu denen die additive Fertigung zählt, zu finden sowie neuartige potenzielle Produktlösungen in diesem Bereich. Eine Vielzahl von Anlagenherstellern additiver Verfahren und Materialhersteller stellen auf der EMO Hannover aus. „Für uns als Betreiber der Anlagen ist die Messe daher interessant.“

Autor: Walter Frick, Fachjournalist aus Weikersheim.

Lesen Sie auch

Weitere Artikel über 3D-Druck, Auftragsfertigung und Fertigungseinrichtungen finden Sie in unserem Themenkanal Fertigung.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44794766)