Spectaris

Schwierige Rahmenbedingungen für die deutsche Hilfsmittelindustrie

| Redakteur: Peter Reinhardt

Das internationale Geschäft der deutschen Hilfsmittelhersteller entwickelt sich bei den meisten Unternehmen besser als der Inlandsumsatz. Die Exportquote liegt inzwischen bei rund 55 Prozent.
Das internationale Geschäft der deutschen Hilfsmittelhersteller entwickelt sich bei den meisten Unternehmen besser als der Inlandsumsatz. Die Exportquote liegt inzwischen bei rund 55 Prozent. (Bild: gemeinfrei)

Eigentlich könnte es der deutschen Hilfsmittelindustrie ganz gut gehen. Doch Zuwächsen bei Umsatz und Exportquote stehen unbefriedigende Rahmenbedingungen gegenüber, beklagt der Branchenverband Spectaris. Marcus Kuhlmann leitet bei Spectaris den Fachverband Medizintechnik. Er fordert Nachbesserungen im derzeit diskutierten Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz.

Anlässlich des Beginns der Fachmesse für Rehabilitation Rehacare heute in Düsseldorf stellt der Industrieverband Spectaris die neuen Eckdaten zum Hilfsmittelmarkt vor. Demnach konnten die rund 300 deutschen Hilfsmittelhersteller mit ihren mehr als 21.000 Beschäftigten im Jahr 2015 einen Umsatz von knapp 3,6 Mrd. Euro erwirtschaften. Dies entspricht einem Zuwachs von etwas mehr als 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das internationale Geschäft entwickelte sich dabei bei den meisten Unternehmen besser als der Inlandsumsatz. Die Exportquote liegt inzwischen auch im Markt für Hilfsmittel bei rund 55 Prozent und damit nicht mehr allzu weit unter der der gesamten Medizintechnikindustrie mit einer Exportquote von zuletzt 64 Prozent.

Einsparbemühungen der Krankenkassen belasten die Branche

Für das noch laufende Jahr wird erneut eine leichte Umsatzsteigerung in einer ähnlichen Größenordnung wie im vergangenen Jahr erwartet. Die Lage im Inland ist aufgrund der massiven Einsparbemühungen der Krankenkassen und des großen Kostendrucks im Gesundheitswesen jedoch weiterhin schwierig – und so bleibt die Ertragslage bei zahlreichen Unternehmen trotz der leichten Umsatz- und Mengenzuwächse angespannt.

Bei allem Verständnis für die Notwendigkeit eines ausgewogenen Haushaltens im Gesundheitssektor können viele Hersteller den Kostendruck in der aktuellen Ausprägung nicht immer nachvollziehen. „Schaut man sich den Anteil der Hilfsmittelausgaben an den Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung an, der mit weniger als 4 Prozent noch deutlich unter dem Verwaltungskostenanteil in Höhe von knapp 5 Prozent liegt, stellt sich die Frage, ob der Sparhebel an der richtigen Stelle angesetzt wird“, so Marcus Kuhlmann Leiter des Fachverbands Medizintechnik bei Spectaris. Verstärkt werde dieser Eindruck dadurch, dass die GKV-Gesamtausgaben im ersten Halbjahr dieses Jahres stärker gestiegen sind als die Ausgaben für Hilfsmittel. Kuhlmann weiter: „Die deutlichen Einsparungen treffen vor allem ältere Menschen und Menschen mit Behinderung. Immer häufiger müssen diese wirtschaftliche Aufzahlungen leisten.“ Ohne die Unterstützung von tatkräftigen Angehörigen seien zudem viele dieser Menschen nicht in der Lage, sich über die ihnen zustehenden Leistungen vollumfänglich zu informieren und ihre Ansprüche durchzusetzen.

Spectaris sieht noch erheblichen Verbesserungsbedarf beim HHVG

Spectaris hat in diesem Zusammenhang große Erwartungen an das zurzeit diskutierte Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG). „Schon seit einiger Zeit stellen wir mit Sorge fest, dass die Qualität der Hilfsmittelversorgung sinkt und auf Hilfsmittel angewiesene Menschen nicht mit dem qualitativ besten, sondern zu oft mit den für die Krankenkassen günstigsten Hilfsmitteln versorgt werden.“ Die Reformen, die über das HHVG zu einer Steigerung der Versorgungsqualität führen sollen, seien aber bisher nur im Ansatz geeignet, die Situation nachhaltig zu verbessern. „Wir sehen noch erheblichen Verbesserungsbedarf beim HHVG, insbesondere mit Blick auf die Verbindlichkeit qualitativer Versorgungsaspekte sowie der zwingend erforderlichen engeren Einbindung aller an der Hilfsmittelversorgung Beteiligten in die Entscheidungsprozesse. Es darf nicht sein, dass immer nur die gesetzlichen Krankenkassen mehr oder weniger die alleinige Entscheidungsbefugnis haben“, kritisiert Kuhlmann. Der schwierige Spagat zwischen der Sicherung der Versorgungsqualität auf der einen und dem Kostendruck auf der anderen Seite dürfe nicht alleine zu Lasten der Patienten, Leistungserbringer und Hersteller gehen.

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