Medizintechnikbranche

Schwaches Wachstum, Geschäftsmodelle unter Druck

| Redakteur: Kathrin Schäfer

„Alle Unternehmen der Branche müssen sich die Frage stellen, wie sie ihre Innovationskraft aufrechterhalten“, sagt Heinrich Christen von der Unternehmensberatung Ernst & Young.
„Alle Unternehmen der Branche müssen sich die Frage stellen, wie sie ihre Innovationskraft aufrechterhalten“, sagt Heinrich Christen von der Unternehmensberatung Ernst & Young. (Bild: Ernst & Young)

Die Medizintechnik-Branche befindet sich in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess und steht sowohl in den USA als auch in Europa massiv unter Druck. Diesseits wie jenseits des Atlantiks schrumpfen die Budgets für das Gesundheitswesen, staatliche Zulassungsbehörden legen immer strengere Maßstäbe für das Kosten-Nutzen-Verhältnis medizinischer Leistungen fest. Dies meldet die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young.

Die Krankenversicherungen als Kostenträger geben diesen Druck im System weiter an die Hersteller von Medizintechnik: Neue medizintechnische Produkte müssen Patienten und Kostenträgern einen klaren Mehrwert bringen, um sich auf dem Markt behaupten zu können. Dieser Mehrwert muss über reine technische Verbesserungen weit hinausgehen.

Nur noch verhaltenes Umsatzwachstum

Die Folge: Medizintechnik-Unternehmen müssen an neuen Geschäftsmodellen arbeiten. So wollen sie sich in den veränderten Wertschöpfungsketten des Gesundheitssystems nicht länger als reine Technik-Lieferanten positionieren, sondern streben eine Stellung als ganzheitliche Dienstleister an. Diese Umstellung birgt die Chance, neue Märkte und damit Umsatzpotenziale zu erschließen, ist aber zugleich ein finanzieller wie auch operativer Kraftakt für die Unternehmen: Umsatz- und Gewinnwachstum verharren derzeit auf Vorkrisenniveau. Kapital für die nötigen Innovationen, um die Umstellung zu bewältigen, wird zunehmend knapp – insbesondere für kleine und junge Unternehmen. Zu diesen Ergebnissen kommt der „Medizintechnik-Report 2013“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY).

Unternehmen befinden sich in einer kritischen Marktphase

„Die Ergebnisse unserer aktuellen Studie zeigen, dass sich die Medizintechnik-Branche derzeit an einem kritischen Punkt befindet“, sagt Siegfried Bialojan, Leiter des Life-Science-Kompetenzzentrums von Ernst & Young in Mannheim. Der Umsatz börsennotierter Medizintechnik-Unternehmen in den USA und in der EU betrug im Jahr 2012 insgesamt knapp 340 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Wachstum von zwei Prozent gegenüber dem Umsatz des Jahres. In den Vorjahren war das Wachstum mit 4 bzw. 6 Prozent noch deutlich stärker ausgefallen.

„Zudem geht das gebremste Umsatzwachstum in den USA mit einem Gewinneinbruch um 37 Prozent bei den reinen Medizintechnik-Unternehmen einher“, berichtet Bialojan. Der Reingewinn der börsennotierten US-Unternehmen sank von 13,7 Mrd. US-Dollar im Jahr 2011 auf 8,7 Mrd. US-Dollar im Jahr 2012. Im Vorjahr war der Gewinn des US-Unternehmen noch um 19 Prozent gestiegen. Doch dieser Gewinnsprung war fast ausschließlich auf neue Buchhaltungsregeln in den USA und auf die Auflösung von Rückstellungen bei Großkonzernen zurückzuführen. Solche Sondereffekte entfallen nun – und zeigen, wie kritisch die Situation der Unternehmen tatsächlich ist. „Der Druck von Seiten der Kostenträger und Zulassungsbehörden auf die Medizintechnikbranche ist in den USA besonders stark. Grund sind die anstehenden Reformen und Budgetstreitigkeiten im Gesundheitswesen“, konstatiert Bialojan.

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