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Interview Ruhig schlafen dank KI-basierter App zur Schnarchdiagnostik

Von Julia Engelke

Schnarchen kann nicht nur störend, sondern in manchen Fällen auch gefährlich sein. Ein Medizinprodukt zur Schnarchdiagnose kann helfen. Im Interview mit Devicemed erklärt Heiko Butz, Geschäftsführer von Diametos, was bei der Entwicklung und Zertifizierung zu beachten ist.

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Heiko Butz (r.) und Christoph Janott haben Diametos zusammen gegründet.
Heiko Butz (r.) und Christoph Janott haben Diametos zusammen gegründet.
(Bild: Tuca Paoli)

Herr Butz, wie kam Ihnen die Idee, Diametos zu gründen und ein Medizinprodukt zur Schnarchdiagnose zu entwickeln?

Dr. Christoph Janott und ich gründeten Diametos im Jahr 2020, mit dem Ziel, Menschen, die unter Schnarchen leiden, zu helfen. Dazu zählen sowohl die eigentlichen Schnarcher an sich, als auch deren Partner. Denn Schnarchen kann auch zu großen Problemen in einer Beziehung führen. So ist Schnarchen in den USA sogar ein anerkannter Scheidungsgrund. Noch dringlicher ist es allerdings, sich mit den Schnarchen zugrundeliegenden medizinischen Problemen zu befassen. Allen voran steht hier die Schlafapnoe, die bei rund der Hälfte aller Schnarcher auftritt. Eine Schlafapnoe bezeichnet kurze, aber vermehrt vorkommende Atemaussetzer in der Nacht. Unbehandelt kann die Schlafapnoe zu gravierenden gesundheitlichen Problemen führen.

Es war bisher äußerst schwierig für Schlafmediziner, die anatomischen Ursachen des Schnarchens zu diagnostizieren. Uns kam daher schon früh der Gedanke, dass man mit einer KI-gestützten Analysemethode die Arbeit von Schlafmedizinern vereinfachen könnte. Christoph Janott entwickelte die relevante Technologie dazu in seiner Doktorarbeit. Ich war selbst jahrelang vom Schnarchen betroffen und habe so selbst erfahren, wie schwierig die Diagnose und wie langwierig die anschließenden Therapien sein können. So kamen wir zusammen und gründeten Diametos mit dieser gemeinsamen Vision.

Warum ist ein Risiko-Screening auf Schlafapnoe wichtig für Patienten?

Neue Studien zeigen, dass rund die Hälfte aller Schnarcher unter einer Schlafapnoe leiden. Der Atem setzt plötzlich aus, bis es zu einer unwillkürlichen Weckreaktion des Körpers kommt und man automatisch wieder atmet. Dies passiert bei Schlafapnoe-Patienten bis zu mehrere hundert Mal jede Nacht. Schlafapnoe verhindert so Tiefschlafphasen und damit echte Erholung. Die direkten Folgen davon sind andauernde Tagesschläfrigkeit und häufig auch Sekundenschlaf, können aber auch noch gravierender sein: Als Langzeitfolgen von Schlafapnoe sind beispielsweise Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt. Auch haben Menschen mit Schlafapnoe ein deutlich erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Ein Risiko-Screening ist sehr wichtig, und es wird in jedem Fall geraten, einen Arzt aufzusuchen.

Wie funktionieren Diametos’ Produkte Somnofox und Snorefox genau?

Zurzeit entwickeln wir mit Snorefox und Somnofox zwei Produkte, um Patienten und Schlafmedizinern bei der Behandlung des Schnarchens zur unterstützen. Snorefox ist eine medizinische App, die ein einfaches Risiko-Screening auf Schlafapnoe mit dem Smartphone ermöglicht. Die Patienten legen das Handy vor dem Schlafengehen einfach auf den Nachttisch und Snorefox analysiert die Schnarchgeräusche. Patienten können dies so ohne großen Aufwand auch außerhalb von spezialisierten Diagnostik-Zentren machen.

Somnofox ist ein Medizinprodukt zur anatomischen Ursachenanalyse des Schnarchens und kann Schlafmedizinern bei einer genauen Diagnose der zugrundeliegenden Ursache assistieren. Denn Schnarchen ist ein anatomisch sehr komplexer Vorgang und es gibt verschiedene Ursachen für die unschönen Schnarchgeräusche. Beispielsweise können dies Vibrationen der Zunge oder des Gaumens sein. Somnofox setzt hier an und untersucht die verschiedenen Schnarchgeräusche mithilfe von künstlicher Intelligenz. Aufgrund der akustischen Details der verschiedenen Schnarchgeräusche kann Somnofox Rückschlüsse auf die Ursache des Schnarchens ziehen. Schlafmediziner bekommen dann einen detaillierten Analysebericht an die Hand, um die geeignete Therapieform zu wählen.

Sie und Christoph Janott haben beide lange Erfahrung im Venture-Building bzw. in der Kommerzialisierung von Medizinprodukten. Was sind Ihre Learnings, wenn es um die Vermarktung von Medizinprodukten geht?

Zunächst ist es wichtig den Markt genaustens zu beobachten, das heißt, Kundenwünsche zu erkennen, um den Product-Market Fit zu finden und ggfs. auszutarieren. Natürlich muss man auch das Verhalten von Wettbewerbern auf dem Schirm haben. Auch ist es wichtig, sich bereits zu Beginn damit auseinanderzusetzen, wer die Kosten für das Medizinprodukt oder die medizintechnische Dienstleistung trägt: strebt man an, in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen aufgenommen zu werden, möchte man sein Produkt als digitale Gesundheitsanwendung anerkennen lassen oder zielt man auf den Selbstzahlermarkt? Die Marktpositionierung, das Marktvolumen und das Pricing können so für identische Produkte extrem unterschiedlich aussehen.

Des Weiteren sind PR-Maßnahmen wichtig, denn ein junges Unternehmen muss in die relevanten Medien kommen und so beim Zielpublikum bekannt werden. Aus dem Venture Building kann ich noch mitnehmen, dass die Frage nach dem Team, also mit wem du gründest, entscheidend ist. Die Chemie zwischen den Gründern muss einfach stimmen, denn man wird über Jahre hinweg an einem Strang ziehen müssen und da muss es auch menschlich passen.

Wie lief der Zertifizierungsprozess des Medizinproduktes ab?

Unsere Software-Applikationen Snorefox und Somnofox sind Medizinprodukte und fallen somit unter die EU-Medizinproduktverordnung (MDR) und bedürfen einer CE-Kennzeichnung, die wir haben. Beim Zertifizierungsprozess war es für uns von großem Vorteil dass wir bereits aus vergangenen Projekten praktische Erfahrung in regulatorischen Dingen haben. So konnten wir die nötige Dokumentation erarbeiten und der Zertifizierungsprozess lief reibungslos. Zudem konnten wir uns in einigen Aspekten auf die professionelle Unterstützung des VDE als professionelles Beratungshaus in regulatorischen Fragen verlassen. Unerfahreneren Gründern ist in jedem Fall zu empfehlen, sich professionelle Hilfe von spezialisierten Beratungen zu holen.

Dieses Jahr werden wir Snorefox und Somnofox auf den deutschen Markt einführen und danach „Post-Market-Entry“ kontinuierlich evaluieren.

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