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BV-Med-Herbstumfrage 2016 „Regulatorische Hemmnisse und langsame Entscheidungsprozesse“

| Autor / Redakteur: / Kathrin Schäfer

Die Medizintechnik-Branche wächst im Exportgeschäft nach wie vor deutlich stärker als in Deutschland. Das Umsatzwachstum der BV-Med-Unternehmen beträgt weltweit rund 6 Prozent. Die Entwicklung im Inland ist dagegen mit einem Umsatzwachstum von 4 Prozent leicht rückläufig.

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„Um die Innovationskraft der Medtech-Branche zu erhalten, müssen wir unsere Erstattungs- und Bewertungssysteme an die Dynamik der Technologien anpassen“, fordert der BV-Med-Vorstandsvorsitzende Dr. Meinrad Lugan bei der Vorstellung der Ergebnisse im Rahmen des BVMed-Medienseminars in Berlin.
„Um die Innovationskraft der Medtech-Branche zu erhalten, müssen wir unsere Erstattungs- und Bewertungssysteme an die Dynamik der Technologien anpassen“, fordert der BV-Med-Vorstandsvorsitzende Dr. Meinrad Lugan bei der Vorstellung der Ergebnisse im Rahmen des BVMed-Medienseminars in Berlin.
(Bild: © CHLietzmann/BV-Med)

Diese Zahlen sind das Ergebnis der Herbstumfrage 2016 des Bundesverbands Medizintechnologie BV-Med. Über 80 internationale Unternehmen der Medizintechnik-Branche haben sich beteiligt. Laut deren Einschätzung sorgt die Medizintechnik trotz der schwierigeren Inlandssituation in Deutschland nach wie vor für zusätzliche Jobs. Zwei Drittel der Unternehmen haben in diesem Jahr zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.

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„Um die Innovationskraft der Medtech-Branche zu erhalten, müssen wir unsere Erstattungs- und Bewertungssysteme an die Dynamik der Technologien anpassen, damit die Patienten auch in Zukunft ohne Verzögerungen am medizinischen Fortschritt teilhaben können“, fordert der BV-Med-Vorstandsvorsitzende Dr. Meinrad Lugan bei der Vorstellung der Ergebnisse im Rahmen des BV-Med-Medienseminars in Berlin.

Die unterschiedliche Entwicklung spiegelt sich auch beim Ausblick auf das kommende Jahr 2017 wider. Für den deutschen Markt erwarten nur 26 Prozent eine bessere Geschäftslage. 20 Prozent erwarten schlechtere Geschäfte. Der Ausblick fällt damit deutlich schlechter als im Vorjahr aus.

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Devicemed-Kommentar: „Anlass zur Sorge“

21 Jahre hat es gedauert, bis die Firma Retina Implant ihr mikroelektronisches Netzhautimplantat zur Marktreife bringen konnte. 21 Jahre, bis diese Idee, diese Innovation 2016 als Medizinprodukt zugelassen werden konnte. Doch bedeutet das automatisch, dass sie beim Patienten ankommt? Dass regulatorische Anforderungen aus Brüssel als innovationshemmend wahrgenommen werden, ist nichts Neues. Wenn allerdings auch diejenigen als innovationsfeindlich betrachtet werden, die die Versorgung von Patienten maßgeblich beeinflussen, nämlich die Krankenkassen, dann gibt das durchaus Anlass zur Sorge. Die Medizintechnikbranche, sie ist hoch innovativ – wenn man sie nur lässt.

Kathrin Schäfer, Redakteurin Devicemed

Etwas besser sieht es beim Blick auf die weltweite Geschäftslage aus: 51 Prozent der Unternehmen erwarten hier eine bessere Entwicklung. „Generell ist davon auszugehen, dass die Fallzahlen in der Medizintechnik durch die demografische Entwicklung und den medizintechnischen Fortschritt in den nächsten Jahren weiter zunehmen werden. Eine ausreichend versicherungstechnische Vergütung ist daher unabdingbare Voraussetzung für Medtech-Unternehmen und die weiterhin gewünschte qualitative Versorgung der Patienten“, kommentiert BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt die aktuellen Ergebnisse.

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Trendthema Digitalisierung: Nur 41 Prozent der Firmen betroffen?

Nur 41 Prozent der Medizintechnik-Unternehmen haben angegeben, dass ihre Produkte und Dienstleistungen sehr stark beziehungsweise stark von der Digitalisierung betroffen sind. Die Hälfte der Unternehmen bezeichnet sich als „kaum betroffen“. Die größten Veränderungen erwarten die Unternehmen dabei in den Bereichen medizinischer Apps (39 Prozent), der elektronischen Beschaffungsmaßnahmen (eProcurement, 39 Prozent) sowie im Bereich Produktion/Industrie 4.0 (38 Prozent). Weitere wichtige Digitalisierungsthemen der MedTech-Branche sind elektronische Rechnungen in den Geschäftsprozessen (29 Prozent), telemedizinische Anwendungen (25 Prozent), 3D-Prototyping (21 Prozent) sowie Big-Data-Anwendungen und kognitive Systeme (20 Prozent).

Die zunehmenden regulatorischen Hemmnisse durch langsame Entscheidungsprozesse in Deutschland und zusätzliche Anforderungen durch die europäische Medizinprodukte-Verordnung sind vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen eine große Belastung. Zu den weiteren Hemmnissen aus nationalen Regelungen gehören die Absenkung sachkostenintensiver DRG-Fallpauschalen und die neue Medtech-Nutzenbewertung nach § 137h SGB V.

Der Innovationsklima-Index ist rückläufig

Bemängelt wird in der Umfrage vor allem das niedrige Niveau der Erstattungspreise in Deutschland. 60 Prozent bezeichnen das Erstattungsniveau als „eher schlecht“ oder „sehr schlecht“. Das spiegelt die Tatsache wider, dass Deutschland beispielsweise durch die Mechanismen des G-DRG-Systems weltweit die niedrigsten Preise für Implantate hat. Nur 16 Prozent der befragten Unternehmen bezeichnen das Niveau der Erstattungspreise in Deutschland als „gut“. Der seit dem Jahr 2011 erhobene Innovationsklima-Index des BV-Med ist daher weiter leicht rückläufig. Auf einer Skala von 0 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut) bewerten Unternehmen das Innovationsklima für Medizintechnik in Deutschland im Durchschnitt mit 4,8. Der Index 2016 ist damit gegenüber dem Vorjahr (4,9) leicht rückläufig.

Die Industrie möchte stärker in G-BA-Prozesse eingebunden werden

Als innovativsten Forschungsbereich schätzen Unternehmen die Kardiologie ein, gefolgt von der Onkologie und der Neurologie. Bei den gesundheitspolitischen Forderungen wünschen sich die Medtech-Unternehmen vor allem eine bessere gegenseitige Anerkennung von Studien und einheitliche europäische Nutzenbewertungsverfahren. Weit oben auf der gesundheitspolitischen Agenda stehen weiterhin die Beschleunigung der Innovationseinführung und die Forderung nach einer stärkeren Einbindung der Industrie in die G-BA-Prozesse. Im Hilfsmittelbereich wünschen sich die Unternehmen Verhandlungsverträge statt Ausschreibungen sowie die Wahlfreiheit des Hilfsmittel-Leistungserbringers für den Patienten.

Wanted: Wirtschaftswissenschaftler, Ingenieure und Medizintechniker

Trotz der schwierigeren Inlandssituation sorgt die Medizintechnik in Deutschland nach wie vor für zusätzliche Jobs. 66 Prozent der Unternehmen haben mehr Arbeitsplätze geschaffen, nur 7 Prozent Arbeitsplätze abgebaut. Das sind deutlich bessere Werte als bei der letzten Herbstumfrage. Die Berufsaussichten für Fachkräfte in der Medtech-Branche bewerten 92 Prozent der Unternehmen unverändert gut oder sogar besser. Gesucht werden vor allem Wirtschaftswissenschaftler, Ingenieure und Medizintechniker.

85 Prozent der Unternehmen geben an, offene Stellen zu haben. Das ist gegenüber dem Vorjahr nochmals eine Steigerung. An der Spitze der offenen Stellen stehen Vertriebsmitarbeiter und das Key Account Management. 80 Prozent der Unternehmen haben dabei Probleme, die offenen Stellen zu besetzen. Das betrifft vor allem den Vertrieb, Führungskräfte im gehobenen Management und das Key Account Management.

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