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Porträt Pionier der Endoskopie

Von Kristin Breunig

Das Medizintechnikunternehmen Richard Wolf kann bereits auf eine lange Geschichte zurückblicken. Was als Familienunternehmen begann, ist heute ein Unternehmen mit weltweiter Präsenz. Im Jahr 2022 feiern Mitarbeiter, Geschäftsführung und Kunden das 75. Firmenjubiläum mit verschiedenen Aktivitäten.

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Das Gründer-Ehepaar Richard und Annemarie Wolf
Das Gründer-Ehepaar Richard und Annemarie Wolf
(Bild: Richard Wolf GmbH)

„Ein Jubiläum ist immer auch ein Anlass, in die Vergangenheit zu blicken“, meinen die beiden Geschäftsführer, Jürgen Steinbeck und Jürgen Pfab. Seinen Ursprung hat das Unternehmen in Berlin. Dort gründete 1906 Georg Wolf zusammen mit einem Partner die Firma Brückner & Wolf, Fabrik für elektromedizinische Geräte und Instrumente. Noch im selben Jahr firmierte die Unternehmung in Georg Wolf GmbH, Fabrik für elektromechanische Apparate und Instrumente um. Richard Wolf begann 1922 seine Lehre im väterlichen Betrieb und wurde 1938 nach dem Tod seines Vaters Geschäftsführer. 1945 wurde das Unternehmen beschlagnahmt und zwangsverwaltet.

Richard Wolf kehrte Berlin den Rücken und gründete zusammen mit seiner Frau Annemarie Wolf 1947 die Richard Wolf GmbH im baden-württembergischen Knittlingen. Die Eheleute waren jeweils Alleingesellschafter. Nach dem Tod Richard Wolfs übernahm seine Frau Annemarie alle Geschäftsanteile. 1968 gründete sie zudem eine gemeinnützige Stiftung. Annemarie Wolf starb im darauffolgenden Jahr und setzte die Stiftung als Alleinerbin in ihrem Testament ein. Seit 1969 ist somit die gemeinnützige Richard-und-Annemarie-Wolf-Stiftung Alleingesellschafterin der Richard Wolf GmbH sowie ihrer in- und ausländischen Tochtergesellschaften. Das Stiftungskonstrukt besteht seitdem gesellschaftsrechtlich unverändert.

Endoskopische Systeme bilden Kernkompetenz

Mit jahrzehntelanger Erfahrung trägt die Firma zur Entwicklung von Medizinprodukten und zur Weiterentwicklung von patientenschonenden minimalinvasiven Behandlungsmethoden bei. Die Kernkompetenz liegt dabei im Bereich der endoskopischen Systeme für die verschiedensten Fach-
richtungen der Humanmedizin, wie die Urologie, Chirurgie, Gynäkologie, Orthopädie, Pneumologie/Thoraxchirurgie, Wirbelsäulenchirurgie, Proktologie und Pädiatrie.

Ein weiteres Feld ist die extrakorporale Stoßwellenbehandlung. Bei dem nicht-invasiven Verfahren werden hochenergetische Schallwellen erzeugt. Diese werden dann gezielt auf einen erkrankten Bereich gelenkt. Man unterscheidet zwischen der extrakorporalen Stoßwellen-Lithotripsie (ESWL) und der extrakorporalen Stoßwellen-Therapie (ESWT). Die Urologie und Orthopädie sind die Hauptanwendungsfelder.

Getreu dem Unternehmensleitmotiv „spirit of excellence“ steht Richard Wolf in ständigem Austausch mit Ärzten und Experten, um seine Instrumente weiterzuentwickeln. Mit Engagement und Entwicklergeist will das Unternehmen medizinische Trends schon im Ansatz erkennen und gezielt Lösungen erarbeiten. Patientensicherheit und Anwenderfreundlichkeit stehen dabei an erster Stelle.

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Von Knittlingen in die große weite Welt

„Immer neue Herausforderungen, stetige technische Innovation und nachhaltiges Wachstum erforderten die permanente Anpassungsbereitschaft aller Beteiligten“, sind sich die Geschäftsführer einig. „Passioniertes Streben nach Verbesserung und ein optimistischer Blick in die Zukunft bilden deshalb das Zentrum der gelebten Unternehmenswerte.“ Das Jubiläum steht daher auch ganz unter dem Motto „Passion for change“, das sowohl für die Vergangenheit als auch für die Zukunft des Unternehmens gilt. Was 1947 als Familienbetrieb in Knittlingen begann, entwickelte sich zu einem weltweit agierenden Medizintechnikunternehmen. Heute zählt Richard Wolf rund 1.500 Mitarbeiter sowie 18 Niederlassungen und 130 Distributoren in aller
Welt.

Die beiden neuesten Niederlassungen befinden sich seit Sommer 2021 in Spanien und Vietnam. Die Richard Wolf Endoscopia Ibérica S.L. mit Sitz in Madrid soll u. a. dabei helfen, eine Dialogkultur mit Fachärzten und Wissenschaftlern aus dem spanisch- und portugiesischsprachigen Raum aufzubauen. Die Niederlassung in Vietnam befindet sich im Inkubator im Deutschen Haus Ho-Chi-Minh-Stadt. Somit wird auch Vietnam zu einem sehr wichtigen Markt für das Unternehmen. Neben Vietnam betreibt Richard Wolf in Asien noch weitere Niederlassungen in Japan, Südkorea, China und Singapur.

Den medizinischen Fortschritt unterstützen

Um die Medizintechnik und das Gesundheitswesen weiter voranzubringen, wurde die Richard Wolf Academy Prima Vista gegründet. Diese hat es sich bereits seit 15 Jahren zur Aufgabe gemacht, den medizinischen Fortschritt zu unterstützen. Aus- und Weiterbildung sowie eine Kommunikationsplattform stehen im Mittelpunkt. Das Kompetenzzentrum bietet ziel- und praxisorientierte, mit CME-Punkten akkreditierte Fortbildungen und Workshops für Ärzte und medizinisches Fachpersonal an. So werden in Workshops unter Anleitung von Experten Operationstechniken in praktischen Übungen an Modellen und Präparaten durchgeführt. Moderne Multimedia-Technologien ermöglichen zusätzlich die Übertragung von Live-Operationen. Klinische Veranstaltungen und Hospitationen bei internationalen Spezialisten vor Ort runden das Trainingsprogramm ab. Neben dem Standort in Knittlingen hat die Academy noch drei weitere in den USA, in China und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Weitere Artikel über OEM-Komponenten und Werkstoffe finden Sie in unserem Themenkanal Konstruktion.

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