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Devicemed-Kommentar

Not macht erfinderisch – Devicemed-Kommentar zur Ankündigung der neuen Messe Medtec Live

| Autor: Peter Reinhardt

Wohl kaum ein Kenner der Medtech-Szene hat mit der gestern angekündigten Kooperation zwischen dem britischen Messeveranstalter UBM und der Nürnberg Messe gerechnet. Und doch soll 2019 von allen denkbaren Möglichkeiten, wie die Wettbewerbssituation zwischen den Messen Medtec Europe und MT-Connect gelöst werden kann, die wahrscheinlich unwahrscheinlichste wahr werden. Aber es ist nun mal die Not, die erfinderisch macht, nicht der Erfolg.

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Devicemed-Chefredakteur Peter Reinhardt kommentiert live von der MT-Connect in Nürnberg.
Devicemed-Chefredakteur Peter Reinhardt kommentiert live von der MT-Connect in Nürnberg.
( Bild: Reinhardt / Devicemed )

Denn wer dachte, die thematische und zeitliche Nähe der beiden Messen führe zu einem Verdrängungswettbewerb, der musste feststellen, dass vielmehr ein Vernichtungswettbewerb entstanden ist. In Summe haben beide Messen in diesem Jahr rund 150 Aussteller weniger als 2017. Das erhöht den Druck zu handeln. Denn unter dem Rückgang an Ausstellern leiden nicht nur die beiden Messeveranstalter, sondern auch die Besucher, denen als Medizinproduktehersteller nur eine reduzierte Auswahl an Exponaten angeboten wird. Weniger Besucher sind die Folge. Das senkt die Ausstellerzahl. Ein Teufelskreis.

Den wollen UBM als Veranstalter der etablierten Medtec Europe und die Nürnberg Messe als Medizintechnik-Newcomer mit der MT-Connect mit demonstrativ zur Schau gestellter Einigkeit durchbrechen. Dabei hatte die Nürnberg Messe bis vor kurzen einen harten Konfrontationskurs gewählt, um UBM größtmögliche Konkurrenz zu bieten. Die angekündigte Kooperation ist also mitnichten eine Liebeshochzeit, sondern vielmehr eine Zweckgemeinschaft. Aber das muss ja nicht schlecht sein. Dennoch dürften hinter den Kulissen noch harte Diskussionen folgen. Zu unterschiedlich haben die beiden Veranstalter bisher agiert. Da gibt es trotz allen guten Willens durchaus Potenzial zum Scheitern.

Im Sinne der Aussteller und Besucher ist die Absicht allemal, die Messeaktivitäten in Süddeutschland künftig in der neuen Messe Medtec Live in Nürnberg zu bündeln. Wenn man davon ausgeht, dass die Compamed in Düsseldorf als international anerkannte Leitmesse gesetzt ist, kann hier sowohl geographisch wie terminlich eine zweite wichtige Plattform für den Austausch einer der innovativsten Branchen überhaupt entstehen. Das würden viele begrüßen.

Erste Reaktionen auf der aktuellen MT-Connect fallen jedenfalls überwiegend positiv aus. Es herrscht weitestgehend Erleichterung, sich künftig nicht mehr zwischen den beiden Messestandorten Nürnberg und Stuttgart entscheiden zu müssen – weder als Aussteller noch als Besucher.

Dabei darf eines nicht vergessen werden: Die erfolgreichen Zeiten der Medtec Europe haben bewiesen, dass Stuttgart sehr gut als Messestandort für die Herstellung von Medizintechnik funktioniert. Und so machen am Ausstellerabend der MT-Connect bereits erste Vermutungen die Runde, die Messe Stuttgart könnte die frisch verkündete Eintracht im süddeutschen Messegeschehen mit einer eigenen Veranstaltung wieder durcheinander bringen. Dass sie durchaus in der Lage ist, schwächelnden Messen anderer Veranstalter mit eigenen Plattformen Konkurrenz zu bieten – wenn nicht gar, diese ganz zu verdrängen –, hat sie schon bewiesen. So geschehen mit der Moulding Expo, die als Messe für Werkzeug- und Formenbauer nach einem fulminanten Start im Jahr 2015 die ehemals führende Euromold nahezu vergessen gemacht hat.

Kaum dass ich jedoch diese letzten Zeilen geschrieben habe, folgt auch schon die Ankündigung der Messe Stuttgart, 2019 tatsächlich mit einer neuen Plattform für die Medizintechnik-Zulieferindustrie an den Start zu gehen. Im Dialog werde ein noch stärker an den Interessen der Branche ausgerichtetes Veranstaltungsangebot entwickelt, heißt es dazu in einer Pressemitteilung. Das Duell Nürnberg gegen Stuttgart geht damit weiter.

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Zum Hintergrund: MT-Connect und Medtec Europe werden zu einer Messe

Die beiden Messeveranstalter UBM und Nürnberg Messe beabsichtigen künftig ihre Kompetenzen im Segment Medizintechnik zu bündeln: Die neue Messe „Medtec Live“ soll ab 2019 in Nürnberg die bisherigen Formate Medtec Europe (in Stuttgart) und MT-Connect (in Nürnberg) ersetzen. Die Idee wurde dem Bundeskartellamt zur Prüfung vorgelegt und steht deshalb noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die Kartellbehörden. Für den Fall eines positiven Ausgangs des Prüfungsverfahrens werden Nürnberg Messe und UBM das Vorhaben vorantreiben und dann baldmöglichst über Details zur künftigen Medtec Live öffentlich informieren. Als Termin für eine Erstveranstaltung der Medtec Live ist 21. bis 23. Mai 2019 angedacht.

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Über den Autor

Peter Reinhardt

Peter Reinhardt

Chefredakteur, DeviceMed - Für Profis der MedTech-Branche

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