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Marcus Kuhlmann, Spectaris Neuer Leiter Fachverband Medizintechnik: „EU-Verordnung erst nach den Wahlen“

| Redakteur: Kathrin Schäfer

Marcus Kuhlmann leitet seit Anfang April den Fachverband Medizintechnik im Branchenverband Spectaris. Der 44-jährige Volkswirt folgt auf Jan Wolter, der den Verband zum Jahresende 2013 verlassen hatte. Devicemed hat Kuhlmann sowohl zur geplanten EU-Medizinprodukteverordnung als auch zu seinem künftigen Aufgabenfeld befragt.

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„Ich freue mich auf die neue Herausforderung, die Unternehmen in der spannenden Medizintechnikbranche bei ihrer Arbeit von Verbandsseite aus zu unterstützen“, sagt Marcus Kuhlmann, neuer Leiter des Fachverbands Medizintechnik im Branchenverband Spectaris.
„Ich freue mich auf die neue Herausforderung, die Unternehmen in der spannenden Medizintechnikbranche bei ihrer Arbeit von Verbandsseite aus zu unterstützen“, sagt Marcus Kuhlmann, neuer Leiter des Fachverbands Medizintechnik im Branchenverband Spectaris.
(Bild: Spectaris)

Herr Kuhlmann, Sie sind erst seit Kurzem im Amt. Dennoch sei die Frage erlaubt: Wie beurteilen Sie den Entwurf der neuen Medizinprodukteverordnung?

Die Industrie sieht den Entwurf der Medizinprodukteverordnung nach wie vor kritisch und fürchtet negative Auswirkungen auf die Unternehmen und am Ende auch für die Patienten. Dies gilt insbesondere bei den Themen Marktzugang, klinische Prüfungen und der Wiederaufbereitung von Einmalprodukten. Eine Erhöhung der Patientensicherheit wird auch seitens der Unternehmen befürwortet; allerdings nicht durch die Einführung rein bürokratischer Hürden, die die Wettbewerbsfähigkeit der mittelständisch geprägten Branche gefährden, jedoch kein Mehr an Sicherheit bieten.

Wann rechnen Sie mit dem Inkrafttreten der neuen EU-Medizinprodukteverordnung?

Vor dem Hintergrund des Umfangs und der Regelungstiefe der neuen Verordnung scheint es nicht verwunderlich, dass eine Verabschiedung bis zur Wahl des Europäischen Parlamentes im Mai 2014 nicht mehr realisierbar ist. Bis Mai wird die EU-Kommission auf den Beschluss des Parlamentes reagieren und gegebenenfalls einen geänderten Vorschlag vorlegen.

Zurück zu Ihnen: Welche Erfahrungen bringen Sie bereits im Bereich Medizintechnik mit?

Nach meiner langjährigen Tätigkeit als Geschäftsführer des Bundesverbandes der Freien Berufe, in dem Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und andere Heilberufler Mitglied sind, freue ich mich, meine Verbandserfahrung und Kenntnisse der Berliner Sozial- und Gesundheitspolitik jetzt in einen Industrieverband der Gesundheitsbranche einzubringen. Für mich als Volkswirt stellt die Vertretung der Interessen der Medizintechnik, als eine der wesentlichen Wirtschaftsbranchen in Deutschland, eine interessante Herausforderung dar.

Worin sehen Sie Ihre dringlichsten Aufgaben für die nächste Zeit?

Der Gesundheitssektor wurde viel zu lange lediglich als Kostenfaktor und nicht als Wachstumsfaktor gesehen. Hier ist eine weitere Sensibilisierung der Politik notwendig. Insbesondere die Medizintechnik hat große Wachstumspotenziale, die es weiter auszuschöpfen gilt. Der demografische Wandel und technische Fortschritt sind Faktoren, die die Innovationsfähigkeit der Medizintechnik vorantreiben werden.

Es ist eine ständige dringliche Aufgabe, die Interessenpolitik für unsere mittelständischen Medizintechnikunternehmen zu stärken und unser Dienstleistungsangebot für unsere Mitglieder weiter auszubauen. Ganz konkret geht es mir beispielsweise darum, den Gesundheitssektor durch den Einsatz innovativer Medizintechnik kosteneffizienter zu gestalten und diese Einsparpotenziale gemeinsam mit den Unternehmen auch umzusetzen. Wichtig ist mir auch, die in immer kürzeren Abständen aus Brüssel kommenden Anforderungen an Medizinprodukte so zu gestalten, dass die Innovationsfähigkeit der deutschen Medizintechnikunternehmen nicht darunter leidet.

Die Fragen stellte Kathrin Schäfer.

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