Medtech-Report 2014

Neue Ära für Schweizer Medizintechnikunternehmen?

| Redakteur: Anne Richter

Den Beginn einer neuen Ära prognostizieren die Autoren und Mitwirkenden an der diesjährigen SMTI-Studie (v. l. n. r.): Patrick Dümmler und Beatus Hofrichter von Concep Plus sowie Peter Biedermann und Jonas Frey vom Medical Cluster.
Den Beginn einer neuen Ära prognostizieren die Autoren und Mitwirkenden an der diesjährigen SMTI-Studie (v. l. n. r.): Patrick Dümmler und Beatus Hofrichter von Concep Plus sowie Peter Biedermann und Jonas Frey vom Medical Cluster. (Bild: Anne Richter, SMM)

Nichts weniger als den Beginn einer neuen Ära prognostizieren die Verfasser des „Swiss Medical Technology Industry (SMTI) Report 2014“ den Schweizer Medizintechnikunternehmen. Die Firmen hätten zwar weitgehend ihre Hausaufgaben gemacht und erwarteten für dieses und nächstes Jahr eine Wachstumsrate von durchschnittlich 9,7 Prozent; doch angesichts des internationalen Preis- und Wettbewerbsdrucks sowie der wachsenden Regulierungen seien vor allem KMU gefordert, vermehrt aus ihren Nischen heraus zu agieren, um sich im globalisierten und konsolidierten Umfeld weiterhin zu behaupten.

In Zeiten des Umbruchs haben die Schweizer Medtech-Firmen weitgehend ihre Hausaufgaben gemacht und ihre operative Exzellenz verbessert. Sie sind gut aufgestellt für den nächsten Wachstumsschub. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren des 4. „Swiss Medical Technology Industry (SMTI) Report 2014“, der am 27. August von den Autoren Patrick Dümmler und Beatus Hofrichter von Concep Plus zusammen mit Medical Cluster vorgestellt wurde. Größte Herausforderungen für die meisten Unternehmen sind gemäß Studie Preisdruck und Regulierungen, die sich aufgrund schweren Marktzuganges weiter verschärfen werden.

Medtech-Industrie Schweiz

Als attraktiver Standort für die Medizintechnik hält die Schweiz hinsichtlich ihrer Dichte und volkswirtschaftlichen Bedeutung weltweit eine Spitzenposition: Mit 52.000 Vollzeitstellen hat das Land den größten Anteil an allen Medtech-Beschäftigten in Europa. Hier sind mit rund 1.450 Herstellern, Zulieferern, Händlern und Dienstleistern am meisten Betriebe pro Kopf angesiedelt. Mit einem Anteil von 1,1 Prozent aller Erwerbstätigen, 2,3 Prozent am BIP und 5,2 Prozent an den gesamten Schweizer Exporten toppt die Medtech-Branche sogar die EU und USA.

Die globalen Top 90 der gelisteten Medtech-Firmen haben in den vergangenen acht Jahren den Umsatz von 180 auf 348 Milliarden US-Dollar praktisch verdoppelt. Die acht an der Schweizer Börse kotierten SMTI konnten seit 2012 ihre Performance konstant steigern und liegen seit letztem Sommer über dem SMI.

Gemäß der Studie erwarten die Schweizer Medtech-Firmen beim Umsatz 2014 und 2015 eine durchschnittliche Wachstumsrate von 9,7 Prozent (nach rund 6 Prozent 2012 und 2013): Dabei schätzen große Firmen mit einem Umsatz von über einer halben Milliarde das Wachstum lediglich auf 4,4, kleine Firmen mit einem Umsatz von unter einer Million Schweizer Franken hingegen auf 15,7 Prozent.

Effizienz verbessert, Euro-Krise überwunden

In Zeiten des Umbruchs haben die Schweizer Medtech-Firmen weitgehend ihre Hausaufgaben gemacht und ihre operative Exzellenz verbessert. Sie sind gemäß den Autoren der Studie gut aufgestellt für den nächsten Wachstumsschub. Ein Drittel der Firmen konnte die Euro-Krise mit Hilfe der Währungspolitik durch die SNB bewältigen. Doch die internationale Wechselkursproblematik bleibt weiterhin bestehen, was die Wettbewerbsfähigkeit der SMTI in den betroffenen Ländern wie den USA schmälert. Investitionen werden deswegen zusätzlich in Ländern mit vorteilhafteren Kursen getätigt.

Kleinen Firmen fehlt kritische Größe

Doch Preisdruck und Regulierungen sind laut 85 Prozent der Befragten die beiden Kernherausforderungen, die sich in einem zunehmend globalisierten und konsolidierten Umfeld noch weiter verschärfen werden. Um diesen adäquat zu begegnen, haben viele Unternehmen, v.a. KMU, gemäß der Studie nicht die kritische Größe. Hauptsächlich Hersteller mit einem jährlichen Umsatz zwischen 10 und 50 Millionen Schweizer Franken bekunden Mühe, das „Valley of Challenges“ zu durchqueren. Sie müssen kreativ werden, um aus ihrer Nischenposition erfolgreicher zu agieren. So ist ihnen im Gegensatz zu den großen Unternehmen der direkte Zugang zu internationalen Märkten zunehmend verwehrt, das heißt, es fehlen dazu die nötigen Ressourcen. „Sie müssen mit den vorhandenen Fähigkeiten versuchen, intelligente Ansätze zu finden und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln“, raten die Verfasser der Studie.

Fach- und Nachwuchskräfte gesucht

Bei ihren Bestrebungen nach Effizienz dürften sich vor allem kleine und mittlere Firmen nicht zu schlank sparen. So hat sich das durchschnittliche Beschäftigungswachstum laut Studie seit 2009 von zehn auf 0,3 Prozent verlangsamt. Die Autoren befürchten, dass so manches Unternehmen die rechtzeitige Rekrutierung von Fachkräften (u.a. im Regulatory- und Marketing-Bereich) zu passiv verfolgt hat und dass es hier nach Annahme der Masseneinwanderungsinitiative Engpässe geben könnte. Das Hauptaugenmerk liegt deshalb auf der Verbesserung der Legal & Compliance-, Ingenieur- und IT-Kenntnisse. Vor allem reifere Firmen wollen künftig mehr in die Weiterentwicklung ihres Personals sowie in die Talent- und Nachwuchsförderung investieren.

Ergänzendes zum Thema
 
Facts & Figures zur Schweizer Medtech-Branche
 
Zur Studie

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