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Baden-Württemberg Minister Schmid für runden Tisch zur EU-Medizinprodukteverordnung

Redakteur: Kathrin Schäfer

Der baden-württembergische Finanz- und Wirtschaftsminister Dr. Nils Schmid hat an einer Podiumsdiskussion der Clusterorganiation Medical Mountains, der Aesculap AG und der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg teilgenommen. In den Räumen des Aesculapiums hat er unter anderem mit Unternehmern und Wissenschaftlern über Themen wie die geplante EU-Medizinprodukteverordnung diskutiert.

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Über die Zukunft der Medizintechnik haben in Tuttlingen IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez, Karl-Heinz Fischer, Prof. Dr. Rolf Schofer, Dieter Teufel, Nils Schmid, Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel, Prof. Dr. Hugo Hämmerle und Yvonne Glienke diskutiert.
Über die Zukunft der Medizintechnik haben in Tuttlingen IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez, Karl-Heinz Fischer, Prof. Dr. Rolf Schofer, Dieter Teufel, Nils Schmid, Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel, Prof. Dr. Hugo Hämmerle und Yvonne Glienke diskutiert.
(Bild: Aesculap AG)

Kleine und mittelständische Unternehmen prägen die Region Tuttlingen. Mit der geplanten EU-Medizinprodukteverordnung sehen sie vor allem Wettbewerbsnachteile auf sich zukommen. Positiv wurde vor diesem Hintergrund der Besuch des Ministers gewertet, der großes Verständnis für die Branche gezeigt habe, so die Geschäftsführung von Medical Mountains.

Bürokratische Hürden bremsen die Innovationskraft

Mit dabei auf dem Podium ist Dieter Teufel, Präsident der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg. Er sieht in der geplanten EU-Medizinprodukteverordnung mehrheitlich Nachteile: „Leider werden dieser innovativen Branche durch hohe bürokratische Hürden immer mehr Steine in den Weg gelegt, die die Innovationsstärke ausbremsen. Nicht nur die geplante Medizinprodukteverordnung der EU bringt schwerwiegende Konsequenzen für die Branche, sondern auch die unangekündigten Audits durch die prüfenden Stellen.“ Der Standort Tuttlingen fertige seit 140 Jahren Medizinprodukte von höchster Güte und ohne einen einzigen Skandal. Dies dürfe nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.

Den Mittelstand nicht in seiner Existenz gefährden

„Die Medizintechnik und die Biotechnologie ist eine industrielle Perle Baden-Württembergs“, sagt Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel, Vorstandsvorsitzender der Aesculap AG. Er bemängelt, dass die Branche, die zu 99 Prozent aus Mittelständlern besteht, in der öffentlichen Wahrnehmung nur am Handeln der ganz großen Unternehmen gemessen werde. „Die Medizintechnik ist bereits ein hochregulierter Markt und diese Regulierung darf nicht so hochgeschraubt werden, dass der Mittelstand in seiner Existenz gefährdet wird.“ Für die Medizintechnik stehe die Patientensicherheit an erster Stelle und die Branche sei bereit, die gegenwärtigen Herausforderungen anzunehmen und die Zukunftsfähigkeit der Region weiter zu verbessern. Allerdings seien die Unternehmen dabei auf die Unterstützung der Politik angewiesen.

Positive Signale aus Stuttgart

„Die Landesregierung setzt ganz klar auf die Gesundheitswirtschaft und die Medizintechnik als Zukunftstechnologie“, so Nils Schmid. Er befürwortet deshalb die Anregung der Veranstalter, hinsichtlich der geplanten Medizinprodukteverordnung einen runden Tisch zwischen Medical Mountains, Unternehmen und Regierungspräsidien einzurichten. Schmid: „Medizinische Spitzentechnik made in Baden-Württemberg und vor allem hier in Tuttlingen trägt weltweit dazu bei, das kostbare Gut Gesundheit zu bewahren. Wir wollen auch weiterhin in diese herausragenden Ideen und Innovationen investieren.“

Der Austausch soll Klarheit über gewisse Rahmenbedingungen schaffen und ein Verständnis für die Prozesse in den Unternehmen der Region wecken. Der Minister sieht dabei in der Vernetzung der Medizintechnikunternehmen untereinander einen entscheidenden Innovationsvorteil. „Wir als Land fördern solch erfolgreiche Cluster wie Medical Mountains und fordern gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen auf, sich daran zu beteiligen.“

Die Medizintechnikbranche steht vor einem Wandel

Diesen Schritt hat Karl-Heinz Fischer von der Fentex Medical GmbH aus Neuhausen ob Eck bereits vollzogen: „Cluster sind wichtig für die mittelständischen Unternehmen der Region, denn ohne das Zusammenwirken der vielen Know-how-Träger wären wir nicht konkurrenz- und überlebensfähig. Deshalb sind wir ein Teil davon und versuchen, uns auch aktiv einzubringen“, sagt er in der Podiumsdiskussion, die von Yvonne Glienke, der Geschäftsführerin von Medical-Mountains, moderiert wird. Der Mittelstand könne auf neue, technologische Herausforderungen schnell und flexibel reagieren. Rektor Prof. Rolf Schofer von der Hochschule Furtwangen University unterstreicht ebenfalls „die Magnetfunktion der Medizintechnik, um vor allem junge Menschen für ein Ingenieurstudium zu begeistern“. Mit den Trends zur Computerisierung, Biologisierung, Individualisierung und Miniaturisierung werde die Branche, so Prof. Dr. Hugo Hämmerle vom Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut an der Universität Tübingen (NMI), in den nächsten Jahren vor einem permanenten Wandel stehen.

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