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Messe Mikrotechnik und Nanotechnologie beim Compamed High-Tech Forum im Fokus

Autor / Redakteur: Klaus Jopp* / Julia Engelke

Rund 500 Aussteller haben sich für die Compamed 2021 im Präsenzformat auf dem Düsseldorfer Messegelände angemeldet. Auch einige bewährte Programmbestandteile, wie die Compamed Foren, finden wieder statt. Das Compamed High-Tech Forum by IVAM präsentiert Programmpunkte rund um die Themen Mikrotechnik und Nanotechnologie.

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Das Compamed High-Tech Forum findet in diesem Jahr in Halle 13 statt.
Das Compamed High-Tech Forum findet in diesem Jahr in Halle 13 statt.
(Bild: Messe Düsseldorf/ctillmann)

Nachdem die Compamed, die internationale Leitveranstaltung für die Zulieferer der Medizintechnik, im vergangenen Jahr pandemiebedingt nur digital durchgeführt werden konnte, findet sie vom 15. bis zum 18. November in fester Parallelität zur Medizinmesse Medica wieder im Präsenzformat auf dem Düsseldorfer Messegelände statt. Fast 500 Ausstelleranmeldungen belegen das hohe Interesse der medizintechnischen Zulieferer, einen großen Schritt in Richtung Normalität zu gehen. Dem hybriden Veranstaltungskonzept folgend werden wesentliche Programmbestandteile wie das Compamed High-Tech Forum by IVAM mit speziellem Fokus auf die Bereiche Mikrotechnik und Nanotechnologie sowie das Compamed Suppliers Forum by Devicemed, das den gesamten Bereich der Entwicklung und Fertigung in der Medizintechnik umfasst, mit jeweils passendem Ticket sowohl in Präsenz als auch online als Livestream angeboten. Im Gegensatz zu früheren Jahren findet die Compamed diesmal in den Hallen 13 und 14 (und nicht in den Hallen 8a und 8b) statt.

Zu den Kooperationspartnern und größten Ausstellern der Compamed zählt wieder der IVAM Fachverband für Mikrotechnik. In diesem Jahr sind auf dem Gemeinschaftsstand (in Halle 13) 42 Unternehmen und Institute aus neun Nationen vertreten, die Beteiligung ist stark europäisch geprägt. Zu den vertretenden Technologien zählen vielfältige Mikrokomponenten (mikroelektronisch, optoelektronisch, mikrooptisch, mikrofluidisch), Sensoren, Aktoren und Sensorsysteme, Mikropumpen, Beschichtungen, smarte Textilien sowie Fertigungs- und Bearbeitungsverfahren sowie Dienstleistungen. Das Compamed High-Tech Forum bietet (ebenfalls in Halle 13) messebegleitend internationale Präsentationen an allen vier Messetagen und präsentiert auch 2021 ein breites Themenspektrum. Dazu zählen insbesondere gedruckte Elektronik und hochintegrierte Diagnostik der nächsten Generation, „Equipment Manufacturer meets Component Manufacturer”, Laser- und Photonic-Anwendungen, Smart-Sensor-Lösungen und Mikrofluidik-Optionen für Herausforderungen in der Point-of-Care-Diagnostik und Life Sciences.

Blutdruck messen mit einem optischen Sensor

Highlights auf dem IVAM-Stand sind unter anderem neue sensorische Entwicklungen. Erkrankungen des Herzkreislauf-Systems zählen zu den häufigsten Todesursachen in den Industrienationen. Ein wichtiger Indikator dafür ist Hypertonie, die aktuell noch mittels regelmäßigen mechanischen Druckmessungen mithilfe einer Oberarmmanschette diagnostiziert und überwacht werden kann. Diese unangenehme Methode schränkt den Patienten im Alltag ein und liefert auch nur vergleichsweise wenige, punktuelle Messwerte. Abhilfe kann hier ein optischer Sensor schaffen. Der nach dem Grundprinzip der Photoplethysmographie (PPG) arbeitende Sensor erfasst den zeitlichen Verlauf des Füllzustands der Blutgefäße in der Haut. Aus der so erfassten Konturkurve (Pulswellen) können mit einem patentierten Verfahren relevante Zeitpunkte zur Bestimmung der Laufzeit der Druckwelle in der Aorta identifiziert werden, die Rückschlüsse auf Änderungen des zentralen Blutdrucks ermöglichen. Über eine Alternative für die klassische Manschettenmessung hinaus liefert das Verfahren einen Blutdruckwert für jeden einzelnen Herzschlag. Aus der Analyse kurz- und mittelfristiger Schwankungen erwarten Mediziner einen neuartigen diagnostischen Zugang zur Früherkennung zahlreicher Krankheitsbilder verschiedener Patientengruppen (z.B. Präeklampsie). Der am CiS Forschungsinstitut entwickelte Sensor kann im Ohr getragen werden, was neben zahlreichen physiologischen Vorteilen für die Signalqualität und -stabilität auch einen alltagstauglichen Tragekomfort ermöglicht. Neben Blutdruck können weitere Vitalparameter wie Herzrate, Herzratenvariabilität und Blutsauerstoffsättigung erfasst werden.

Im Rahmen des Compamed High-Tech Forum referiert Dr. Martin Schädel, Geschäftsfeldleiter MOEMS am CiS Forschungsinstitut für Mikrosensorik, über diese Entwicklung.

Hightech für die Kommunikation des Körpers mit moderner IT

Mit dem Elektroden-Design der nächsten Generation schafft Cortec neue Wege für die Kommunikation zwischen elektrischen Signalen des Körpers und moderner Informationstechnologie. Das junge Medizintechnik-Unternehmen ist spezialisiert auf die Entwicklung effizienter Technologien für aktive Implantate zur Langzeitaufzeichnung und Stimulation neuronaler Aktivität. Die Technologie umfasst individualisierte Komponenten wie Elektroden zur Ableitung und Stimulation im zentralen und im peripheren Nervensystem. Mit der patentierten Air-Ray-Elektroden-Technologie überwindet Cortec bisherige Einschränkungen im Elektroden-Bereich durch flexibel anpassbare mechanische Eigenschaften und höchst präzise Herstellungsbedingungen. Der Herstellungsprozess unter Einsatz von Ultrakurzpuls-Lasern verleiht der Technologie eine hohe Reproduzierbarkeit bei besonders kleinen Größenordnungen von bis zu 25 μm wie auch bei hohen Dichten an elektrischen Kontakten. Die Flexibilität der Technologie ermöglicht Anpassungen verschiedenster Produkteigenschaften wie Dicke, Kontaktanzahl, -abstand oder -form sowie der Gesamtgröße der Elektrode.

Die Bauteile können beispielsweise helfen, bei bestimmten Typen von Epilepsie-Patienten den epileptogenen Fokus zu lokalisieren, der chirurgisch entfernt werden soll. Cortec verfolgt die Vision, führender Partner in der Entwicklung innovativer Therapien zu sein. Insbesondere ihre Design-Flexibilität macht die Air-Ray-Elektroden-Technologie dabei zu einem wichtigen Baustein für den Ansatz, mit dem menschlichen Nervensystem zu kommunizieren und es mit künstlicher Intelligenz zu verbinden. Diese spezielle Elektroden-Technologie ist ebenso wie eine hermetische Kapselung auf Keramik-Basis Teil von Cortec Brain Interchange, einer Technologie-Plattform für innovative Neurotherapien in vielfältigen Anwendungsbereichen wie Epilepsie, Parkinson oder auch bioelektronischer Medizin.

Weltneuheit für die Stoma-Versorgung

Eine Weltneuheit präsentieren Optima Life Science und Optima Automation gemeinsam im Rahmen ihrer Beteiligung an der Compamed 2021 – die erste kontinuierliche Herstellmaschine für Stoma-Flansche. Diese werden zur Versorgung künstlicher Darmausgänge (Stomata) eingesetzt. Damit bietet Optima Life Science nun auch für Stoma-Produzenten eine passende Maschinenlösung. Zentraler Vorteil ist die Zusammenführung von zwei getrennten Converting-Prozessen in einer Linie. Für diese Linie wurden Prozessstationen entwickelt, die bislang nur getaktet betrieben werden konnten.

Innovative Mikrotechnik im Dienst der Pharmaindustrie

Ein anderes Hightech-Beispiel, das das Knowhow der Compamed-Aussteller dokumentiert, sind die Mikrozahnringpumpen des Herstellers HNP Mikrosysteme. Die Mikroverkapselung gewinnt auch in der Pharmaindustrie zunehmend an Bedeutung. Voraussetzung für die Herstellung und Verarbeitung von APIs (Active Pharmaceutical Ingredients) sind präzise Dosiertechniken im Niedrigstmengenbereich. Die Herstellung dieser APIs ist anspruchsvoll, weil die wässrigen bis öligen Substanzen besonders schonend verarbeitet werden müssen. Die Mikroverkapselung ist ein geeignetes Verfahren, um diese aktiven Substanzen vor vorzeitiger Freisetzung zu schützen und die Bioaktivität zu erhalten. Die Kapseln bestehen aus polymeren oder anorganischen Materialien. Je nach Durchlässigkeit und Abbaubarkeit entweichen die Wirkstoffe nach und nach. Eine kontinuierliche Freisetzung macht medikamentöse Therapien besser verträglich und einfacher handhabbar. Die geförderte Menge liegt im Bereich weniger Mikroliter pro Minute bis hin zu 140 ml/min. Die Präzision der Förderung ist ausschlaggebend für die Qualität der Kapseln, ihre Toleranz liegt bei nur plus/minus einem Prozent. Für diese anspruchsvolle Aufgabe kommen Mikrozahnringpumpen von HNP Mikrosysteme zum Einsatz. Die Pumpen können beheizt oder bei Kleinstmengen zusätzlich mit einem Getriebe ausgestattet werden.

Alle Informationen zur Compamed 2021, z. B. zu beteiligten Firmen und Produkten sowie zu den Programmen der integrierten Fachforen sind online abrufbar unter: www.compamed.de.

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* Der Autor: Klaus Jopp ist freier Wissenschaftsjournalist (Hamburg).

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