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Virtuelle Veranstaltung Medtech Change: Arzt-Patienten-Beziehung im digitalen Zeitalter

Autor / Redakteur: Raphaël Murswieck* / Julia Engelke

Die 3. Medtech Change am 23. Juli 2021 fand erneut mit Experten aus der Gesundheitsbranche unter Moderation von Prof. Dr. David Matusiewicz statt. Über 500 Anmeldungen von Herstellern und Anwendern von Medizinprodukten konnten die Veranstalter Heydelberger und Kite IT für den Livestream registrieren.

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Prof. Dr. Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Essen, hielt eine Keynote im Rahmen der 3. Medtech-Change-Veranstaltung.
Prof. Dr. Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Essen, hielt eine Keynote im Rahmen der 3. Medtech-Change-Veranstaltung.
(Bild: Jochen A. Werner)

Im Vordergrund der 3. Medtech Change, die im Oktober erneut ausgestrahlt wird, stand die Arzt-Patienten-Beziehung im digitalen Zeitalter mit Keynotes von Prof. Dr. Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Essen sowie Dr. Felix Nensa, Radiologe und Leiter KI des Universitätsklinikums Essen.

Prof. Werner sieht den Fokus der Digitalisierung neben der Verbesserung von Diagnostik, Therapie und Prävention als eine Humanisierung der Medizin im Gesamtkontext eines „Smart Hospital“, welches neben digitalen Tools auch eine empathische Kommunikation mit dem Patienten umfasst. Smart Hospital bedeutet nicht nur Überwindung der Krankenhausmauern, sondern auch das Einreißen der unsichtbaren Mauer zwischen Arzt und Patient für einen Austausch auf Augenhöhe. Dabei wird insbesondere die Möglichkeit zur Akteneinsicht des Patienten in seine Daten bei zunehmender Digitalisierung eine wichtige Rolle spielen; unverzichtbar begleitet durch den Dialog mit dem behandelnden Arzt mit dem Ziel, die Compliance und Mitbestimmung des Patienten im Behandlungsprozess zu erhöhen.

Dr. Nensa zeigte ergänzend konkreten Einblick auf Anwendungen aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Medizinische Daten, Bestandsdaten aus dem Materiallager oder Systemdaten sind für Ärzte wie ein Rohstoff zu sehen. So können und müssen Patienten in ihrer Gesamtheit betrachtet werden und nicht wie allzu oft unmittelbare Informationen aktueller Krankheitssymptome, sondern alle Daten, um optimale Anwendungen zu ermöglichen. Moderne Data-Mining-Techniken ermöglichen es, große Mengen wertvoller Daten aus vorhandenen Archiven unstrukturierter medizinischer Daten zu extrahieren.

Expertendiskussion: Digitale Lösungen für akute Probleme einsetzen

In der anschließenden Expertendiskussion unter Leitung von Prof. Dr. David Matusiewicz, Dekan und Institutsdirektor Medizintechnik der FOM Hochschule, wurden die Vorträge aus verschiedenen Blickwinkeln diskutiert. Mit dabei waren Andrea Galle, Vorständin und Gründerin der BKK VBU, Thomas Friese, Senior Vice President Digital Platform bei Siemens Healthineers, Dr. med. Dominik Pförringer, Berater für Digitalisierung in der Medizin sowie Jens Nieland, Medical Advisor Medical Devices DACH bei Johnson&Johnson.

So wurde deutlich, dass die Wandlung zum Smart Hospital klare Vorteile für Patienten und gleichermaßen für das medizinische Personal und Unternehmen bringt. Bedenken gegenüber der Digitalisierung gibt es jedoch auch, beispielsweise auch Angst vor Pflegerobotern, welche die Arzt- bzw. Pflegepersonal-Patienten-Beziehung stören könnte. Die „Patient-Experience“ ist in den USA jedoch schon heute ein großes Thema und könnte auch in naher Zukunft in Deutschland in den Vordergrund rücken. Letztlich sollen Patienten mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. Die Künstliche Intelligenz als Gesamtkonzept spielt jedoch als Spitze des Eisbergs lediglich eine Nischenrolle für bestimmte Anwendungen. Die breite Implementierung im Gesundheitswesen erfordert hingegen zahlreiche, grundlegende Schritte in der IT-Infrastruktur, Bildung von Personal und der eigentlichen Datenpflege. Nach Meinung der Gesundheitsexperten sollte der Fokus im Gesundheitswesen darauf liegen, die Nutzung digitaler Lösungen dann einzusetzen, wenn auch akute Probleme gelöst werden können. Ferner kann Software im Allgemeinen nur einen Nutzen bringen, wenn auch Vertrauen bei den Anwendern besteht.

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* Der Autor: Raphaël Murswieck ist Geschäftsführer von Heydelberger.

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