Vitabook

Medizintechnikunternehmen löscht seinen Facebook-Account

| Redakteur: Kathrin Schäfer

Der Umgang Facebooks mit den persönlichen Daten seiner Nutzer stand schon häufig in der Kritik. Das Medtech-Unternehmen Vitabook hat jetzt Konsequenzen gezogen.
Der Umgang Facebooks mit den persönlichen Daten seiner Nutzer stand schon häufig in der Kritik. Das Medtech-Unternehmen Vitabook hat jetzt Konsequenzen gezogen. (Bild: Vitabook)

Wegen des Facebook-Datenskandals hat das Medizintechnik-Unternehmen Vitabook Mitte der Woche seinen Facebook-Account gelöscht. Das hat sich schnell über Twitter und andere Medien verbreitet. Seither haben zahlreiche Mails den Vitabook-Vorstand erreicht – mit durchweg positiver Resonanz.

  • Datenskandal um Facebook und Cambridge Analytica
  • Umgang mit persönlichen Daten
  • Wahlsieg Donald Trumps bei der US-Präsidentschaftswahl 2016

„Es reicht“, so CEO Markus Bönig. „Der Schutz persönlicher Daten ist für uns ein unumstößliches Gebot. Darum haben wir uns zum Boykott von Facebook entschieden.“ Mit diesem Schritt geht Vitabook weiter als andere Unternehmen: Nach dem Datenskandal um das weltgrößte Online-Netzwerk und die Firma Cambridge Analytica hat zum Beispiel Mozilla reagiert. Der Entwickler des Web-Browsers Firefox will solange keine Werbung mehr auf Facebook platzieren, bis das Unternehmen seine Datenschutz-Einstellungen verbessert hat.

Sonos, Anbieter vernetzter Lautsprecher, stoppt für eine Woche die Online-Werbung. Vitabook kehrt Facebook endgültig den Rücken. „Der aktuelle Skandal ist ja nur einer von vielen. Ich teile die Meinung von EU-Justizkommissarin Vera Jourová, dass der Skandal ein Weckruf für uns alle sein sollte. Letztlich geht es um die Grundfeste unserer Demokratie“, begründet Markus Bönig die Entscheidung.

Unberechtigter Zugriff auf Nutzer-Daten

Der Umgang Facebooks mit den persönlichen Daten seiner Nutzer stand schon häufig in der Kritik. In einer Pressemeldung von Vitabook heißt es nun: „Jüngst brachte eine Enthüllung ans Licht, dass sich Cambridge Analytica, ein Datenanalyse-Unternehmen, über eine App unberechtigt Zugang zu Informationen von rund 50 Millionen Facebook-Nutzern verschaffte.“ Anhand der Datenauswertung könnte Cambridge Analytica zum Sieg Donald Trumps bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 wesentlich beigetragen und ebenfalls eine entscheidende Rolle in der Kampagne zum Brexit-Referendum gespielt haben. „Facebook war dies seit 2015 bekannt, gab sich aber mit der Zusicherung zufrieden, die Daten seien gelöscht worden. Die Nutzer wurden über diese Vorgänge nicht informiert“, ärgert sich Bönig.

So reagiert das Netz auf Vitabooks Facebook-Rückzug

Auf Nachfrage von Devicemed antwortet Vitabook wie folgt zu den Reaktionen auf seinen:Facebook-Rückzug: „Kurz zusammengefasst gab es eine ganze Reihe von Reaktionen. Uns haben zahlreiche Mails erreicht. Auch aus internen Kreisen gab es durchweg positive Resonanz an den Vorstand“, erklärt Redaktionsmanagerin Claudia Kreft. Hier ihre Online-Favoriten:

Oberste Datenschützerin zweifelt

„Gründer und Chef Mark Zuckerberg behauptet zwar, die Software-Schnittstellen, die einer Umfrage-App einen so breiten Zugriff auf Nutzerdaten ermöglichen, seien dichtgemacht worden. Doch beispielsweise die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff bezweifelt das“, so der Vitabook-Chef weiter. Das Geschäftsprinzip von Facebook sei es ja gerade, Daten zu generieren und sie gewinnbringend zu vermarkten. „Wir möchten diese Machenschaften von Facebook in keiner Weise unterstützen. Deshalb sind wir diesen deutlichen Schritt gegangen“, erklärt Bönig den Schlussstrich, den er jetzt für sich und sein Unternehmen gezogen hat.

Ergänzendes zum Thema
 
Wer ist die Firma Vitabook?

Auch Tesla und Playboy meiden Facebook

Derweil machen sich neben dem eher kleinen Medizintechnik-Hersteller auch große Firmen und Marken Gedanken über ihr Engagement auf Facebook. So haben beispielsweise Tesla und Playboy angekündigt, sich zumindest vorübergehend von Facebook zurückzuziehen. In der Zwischenzeit hat Facebook reagiert und kündigt einfachere Datschutzeinstellungen an, wie zum Beispiel die Zeit vermeldet. Derweil fordert Spiegel online: „Facebook muss reguliert, aber nicht zerstört werden.“

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