BVMed-Herbstumfrage 2015

Medizintechnikindustrie unter Druck / Branche bietet dennoch beste Berufsaussichten

| Redakteur: Peter Reinhardt

(Bild: BVMed)

Die Medizintechnikbranche steht in Deutschland verstärkt unter Druck. Nur noch 20 Prozent der Unternehmen erwarten für 2015 ein besseres Gewinnergebnis, 35 Prozent der Unternehmen erwarten in Deutschland sogar zurückgehende Gewinne gegenüber dem Vorjahr. Doch aus der BVMed-Herbstumfrage 2015 lassen sich auch positive Trends ablesen.

90 internationale Unternehmen der Medizintechnikbranche haben sich in diesem Jahr an der traditionellen Herbstumfrage des BVMed – Bundesverband Medizintechnologie beteiligt. „Insgesamt haben wir zwar steigende Fallzahlen durch den demografischen Wandel und den medizintechnischen Fortschritt, aber auch zusätzliche Hürden im System und einen enormen Preisdruck. Wir müssen sehr darauf achten, dass die Unternehmen ihre neuen und weiterentwickelten Technologien in Deutschland noch zeitnah in die Versorgung bringen können. Denn ein starker Heimatmarkt ist Voraussetzung für die Exporterfolge“, so der BVMed-Vorstandsvorsitzende Dr. Meinrad Lugan bei der Vorstellung der Ergebnisse im Rahmen des BVMed-Medienseminars in Berlin.

Demografische Entwicklung sorgt für Mengensteigerungen

Durch Mengensteigerungen aufgrund der demografischen Entwicklung und durch neue Behandlungsmethoden erwarten die BVMed-Unternehmen im deutschen Markt im Jahr 2015 ein Umsatzwachstum von 4,3 Prozent. Die weltweite Umsatzentwicklung ist mit einem erwarteten Plus von 6,8 Prozent nach wie vor besser als die Entwicklung im Inlandsmarkt. Die unterschiedliche Entwicklung spiegelt sich auch beim Ausblick auf das kommende Jahr 2016 wider. Während nur 43 Prozent der Unternehmen eine positive Entwicklung im Inland erwarten, sehen 62 Prozent weltweit eine günstigere Geschäftslage.

„Generell ist davon auszugehen, dass die Fallzahlen in der Medizintechnik durch die demografische Entwicklung und den medizintechnischen Fortschritt in den nächsten Jahren weiter zunehmen werden. Eine ausreichend versicherungstechnische Vergütung ist daher unabdingbare Voraussetzung für die Medtech-Unternehmen und die weiterhin gewünschte qualitative Versorgung der Patienten“, so BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt.

Medtech-Branche schafft weiterhin neue Jobs

Trotz der schwierigeren Inlandssituation sorgt die Medizintechnik in Deutschland nach wie vor für zusätzliche Jobs. 51 Prozent der Unternehmen haben mehr Arbeitsplätze geschaffen, nur 11 Prozent Arbeitsplätze abgebaut. Hochgerechnet auf die BVMed-Mitgliedschaft haben die Unternehmen in diesem Jahr rund 2.000 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Die Berufsaussichten für Fachkräfte in der Medtech-Branche bewerten 97 Prozent der Unternehmen als sehr gut oder gut. Im Vorjahr waren es 95 Prozent. Gesucht werden vor allem Ingenieure, Medizintechniker, Naturwissenschaftler und Wirtschaftswissenschaftler. 83 Prozent der Unternehmen geben an, offene Stellen zu haben: vor allem in Vertrieb, Marketing, Key Account Management sowie Forschung. „Der Nachwuchs hat in der Medtech-Branche nach wie vor hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten“, stellen Lugan und Schmitt unisono fest.

Innovationsfeindliche Krankenkassen und Bürokratie: Innovationsklima stagniert

Auf einer Skala von 0 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut) bewerten die Unternehmen das Innovationsklima für Medizintechnik in Deutschland mit 4,9. Der Index 2015 hat sich damit gegenüber dem Vorjahr nicht weiter verändert, nachdem er zuvor signifikant um 1,3 Punkte gefallen war. Als innovativsten Forschungsbereich schätzen die Unternehmen wie im Vorjahr die Kardiologie ein. 38 Prozent der Befragten nennen diesen Versorgungsbereich. Es folgen Onkologie, Neurologie, Diagnostik, Orthopädie und Chirurgie.

Das Innovationsklima in Deutschland wird nach Meinung der Unternehmen vor allem durch innovationsfeindlich eingestellte Krankenkassen, bürokratische Prozesse, niedrige Erstattungspreise und die Unsicherheiten über die künftige Nutzenbewertung von Medizinprodukten zunehmend gefährdet. Bei den gesundheitspolitischen Forderungen steht der Hilfsmittelbereich an vorderster Stelle. Jeweils 34 Prozent der Unternehmen sprechen sich für die Wahlfreiheit des Hilfsmittel-Leistungserbringers für den Patienten sowie für Verhandlungsverträge statt Ausschreibungen aus. 33 Prozent der Unternehmen fordern eine stärkere Einbeziehung der Industrie in die Prozesse beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), 31 Prozent beschleunigte Erstattungsentscheidungen beim G-BA.

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Die Ergebnisse der BVMed-Herbstumfrage können hier abgerufen werden.

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