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Medica 2015

Medizintechnik live erleben und anfassen

| Redakteur: Kathrin Schäfer

Medical Boards in Kliniken, die neben medizinischen auch wirtschaftliche Aspekte bei ihrer Kaufentscheidung berücksichtigen, eine zunehmende Digitalisierung im Gesundheitswesen oder Wearables, die vom Sportbereich in die Medizin überschwappen – welche dieser Trends finden sich auf der diesjährigen Medica wieder? Ein Statement von Messe-Düsseldorf-Geschäftsführer Joachim Schäfer.

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Medizintechnik lässt sich auf der Medica in Düsseldorf live erleben und anfassen.
Medizintechnik lässt sich auf der Medica in Düsseldorf live erleben und anfassen.
(Bild: Messe Düsseldorf/C. Tillmann)

Nach wie vor kann die Ausgangslage auf dem Markt für Medizintechnik und Medizinprodukte weltweit als gut bezeichnet werden. Gleich welche Studie namhafter Beratungsgesellschaften oder seitens der Industrieverbände zugrundegelegt wird, es ist von weiterem Marktwachstum auszugehen. Die Basis dafür liefern steigende Gesundheitsausgaben bedingt durch die einschlägige demografische Entwicklung, ein insgesamt gesteigertes Gesundheitsbewusstsein sowie die Zunahme wohlstandsbedingter Krankheiten auch in zahlreichen Schwellenländern. Deloitte geht laut der Studie Healthcare and Life Sciences Predictions 2020 beispielsweise davon aus, dass die Verkäufe der Medizintechnik-Industrie global von aktuell rund 330 Mrd. Euro bis zum Jahr 2020 auf gut 470 Mrd. Euro ansteigen werden.

Ungeachtet einer insgesamt hohen Innovationsorientierung sehen sich die Anbieter jedoch mit einem Markt im Umbruch konfrontiert. In den Kliniken werden Investitionsentscheidungen maßgeblich durch sogenannte Medical Boards getroffen, in denen neben den Ärzten längst auch die kaufmännischen Verantwortlichen gewichtig mitbestimmen. Die neuesten Geräte sind nur dann gefragt, wenn sie tatsächlich den für den Behandlungsprozess notwendigen optimalen Nutzen bedeuten. Neben der immer stärkeren Nutzenbetrachtung aus Sicht des Patienten, nimmt überhaupt der Patient eine immer aktivere Rolle ein.

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Digitalisierung des Patienten

Was mit wenigen Mini-Programmen für Smartphones und Fitness-Armbändern begann, entwickelt sich zum Megatrend und wird künftig die Behandlung, zum Beispiel auch nach einem stationären Aufenthalt zuhause, wesentlich prägen. Immer mehr auch medizinisch relevante Körperdaten können sprichwörtlich im Handumdrehen erfasst, verarbeitet und übermittelt werden. Die Zahl medizinischer Apps nimmt quasi täglich zu, Experten wie die Expertentagung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM gehen aktuell von gut 55.000 solcher Mini-Programme aus. Und gleich, ob eine Zulassung als Medizinprodukt in der Kombination von Hard- und Software vorliegt, sind es die gesundheitsbewussten Patienten, die bereits jetzt damit umgehen und zunehmend ihre behandelnden Ärzte mit den selbst erfassten Daten konfrontieren. Diese Entwicklung wird sich noch verstärken, zu attraktiv erscheint der Vorteil für Patienten. Wer wie selbstverständlich sein Smartphone, einen Tablet-PC oder künftig seine Smartwatch zur Organisation des Alltags nutzt, wird im (pflegebedürftigen) Alter erst recht auf digitale Hilfsangebote zurückgreifen, um möglichst lange selbstbestimmt zuhause leben zu können.

Konferenzen laden zur Vertiefung ...

Solche Trends müssen die Medizintechnik-Anbieter demnach aufgreifen. Und auch die Medica hat ihrer Rolle als Trendsetter gerecht zu werden. Als logische Konsequenz feierte das Medica Connected Healthcare Forum im Rahmen der Medica 2014 mit rund 2.000 Teilnehmern eine viel beachtete Premiere und findet in diesem Jahr seine Fortsetzung. Thematisch im Fokus steht, was länderübergreifend für die Gesundheitssysteme eine besonders relevante Fragestellung ist: Wie können die Akteure im Healthcare-Bereich unter Einbezug des Patienten mit entsprechenden Technologie-Lösungen einfach und sicher miteinander vernetzt werden?

Mobile Health-Anwendungen bilden dabei einen Schwerpunkt, wobei die von Mark Wächter organisierte Medica App Competition auch in diesem Jahr wieder spannende Ideen hinsichtlich hilfreicher Anwendungen für mobile Endgeräte liefern wird.

Daneben spiegelt auch das seit Jahren etablierte und stets Innovationen vorstellende Medica Health IT Forum Trendthemen der Health-IT. Hier liegt der Schwerpunkt vorrangig auf dem weiten Feld der Telemedizin. Ein interdisziplinäres Programm bietet 2015 wieder die Medica Education Conference, die 2014 erstmals von der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) veranstaltet wurde. Dem Konferenzmotto „Wissenschaft trifft Medizintechnik“ folgend sind die vier Tagesthemen so gewählt, dass sich eine enge Verzahnung zu den Medizintechnik-Neuheiten der Fachmesse ergibt. Schwerpunkte sind demnach Chirurgie und neue operative Techniken, Bildgebung, Endoskopie und Interventionen, Geriatrie, Ernährungs- und Palliativmedizin sowie Infektiologie, Entzündung und Labormedizin.

... und Auseinandersetzung ein

Ähnlich verhält es sich mit dem „Brückenschlag“ von der Medica Medicine + Sports Conference zu den Neuheiten, die im Rahmen der Fachmesse präsentiert werden. Denn moderne Leistungsdiagnostik im Sinne der Verletzungsprävention kann sich immer kompakterer, körpernah eingesetzter Technik bedienen. Wearables und Smartwatches sind auf dem Vormarsch. Sensoren erfassen unterschiedliche Vitaldaten, die aus therapeutischer Sicht für die betreuenden Sportmediziner relevant sein können. Wer bei einem Medica-Rundgang in Halle 15 vorbeischaut, wird etwa im Angesicht der Präsentationen im Rahmen der Wearable Technologies Show sich davon überzeugen können, dass der unbequeme Brustgurt zur Erfassung von Körperparametern wohl bald schon ausgedient hat. Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung oder Körpertemperatur lassen sich auch über feine Sensoren integriert in Textilien, Ohrclips oder Steckaufsätzen für das Smartphone erfassen.

Maßgebliche Entwicklungen vermitteln neben dem Medica-Konferenzprogramm ebenfalls die zahlreichen direkt in die Fachmesse integrierten Foren. Dazu zählen neben den bereits erwähnten auch das Medica Tech Forum in Halle 12, das Produktinnovationen der Medizintechnik-Industrie sowie politische, wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen für das Gebiet der Hightech-Medizin vorstellt. Das von der Messe Düsseldorf und der Techniker Krankenkasse (TK) gemeinsam initiierte Medica Econ Forum setzt sich mit Fragen der Nutzenbewertung und Finanzierung von Innovationen auseinander, und zwar primär aus der Sicht der Patienten und der Kostenträger.

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