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Nutzen für Ärzte und Patienten Medizinische Apps: Auswahlkriterien und Funktionen im Überblick

Autor / Redakteur: Alena Nikuliak* / Ira Zahorsky

Immer mehr mobile Gesundheits-Apps werden sowohl im persönlichen als auch im klinischen Alltag genutzt. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und werden ständig erweitert. Damit bieten Gesundheits-Apps großes Potenzial und reale Hilfe, auch für Ärzte.

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Medizinische Apps können Ärzte und Patienten unterstützen.
Medizinische Apps können Ärzte und Patienten unterstützen.
(Bild: ScienceSoft)

Der Markt für Gesundheits-Apps ist gerade durch die Corona-Pandemie enorm gewachsen. Neben der steigenden Anzahl von zur Verfügung stehenden mobilen Health-Apps, wächst auch die Anzahl von damit verknüpften Wearables. Dadurch werden neue Nutzungsmöglichkeiten angeboten, die versprechen, das Arzt-Patienten-Verhältnis auf ein ganz neues Niveau zu bringen und das Gesundheits- und Krankheitsverständnis zu verändern. Mobile Apps werden damit zu wichtigen Helfern in der Gesundheitsversorgung, die den Alltag des medizinischen Fachpersonals erheblich erleichtern können.

Gesundheits-Apps richtig auswählen

Da der heutige Markt für Gesundheits-Apps rasant und permanent wächst, kann es schwierig sein, einen Überblick über alle Angebote zu behalten und geeignete sichere Anwendungen zu finden. Es gibt eine Reihe von Qualitätskriterien, die sowohl Ärzte als auch Patienten bei der Auswahl berücksichtigen müssen. Bis heute gibt es keine einheitlichen Kriterien für die Bewertung der Qualität medizinischer Apps. Deshalb müssen Ärzte und Patienten auf medizinische Apps mit Prüfsiegel und/oder Zertifizierung setzen. Dazu gehören u. a.:

  • Gesundheits-Apps aus dem dem DiGA-Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), die auf Kriterien wie Datenschutz und Informationssicherheit, Performance, Funktionalität, Interoperabilität geprüft werden und als Medizinprodukte gekennzeichnet sind.
  • Medizinische Apps, die durch relevante Fachgesellschaften und Initiativen (wie die deutsche Atemwegsliga e.V., die DiaDigital-Gruppe) auf Aspekte wie Sinnhaftigkeit, Verfügbarkeit, Benutzerfreundlichkeit sowie Sicherheit geprüft und getestet werden.
  • Medizinische Apps aus dem Verzeichnis der Bertelsmann Stiftung, das sowohl Gesundheitsexperten als auch Patienten und ihre Angehörigen bei der Suche und Auswahl relevanter Gesundheits-Apps unterstützt. Hier sind medizinische Apps gelistet, die eine Reihe von Kriterien erfüllen: digitale App ist als Medizinprodukt zertifiziert; die Hauptfunktion dient zur Erreichung des medizinischen Zwecks; es gibt eine Benutzeroberfläche für Endnutzer; die App ist in deutscher Sprache verfügbar.

Zur Beurteilung der Qualität von Gesundheits-Apps dienen auch die folgenden Kriterien: Nutzen-Risiko-Verhältnis, Verlässlichkeit der Inhalte, Informationen über Hersteller, mögliche Einschränkungen, Datenimport und -export sowie eine Datenschutzerklärung.

Das 2019 in Kraft getretene „Digitale-Versorgung-Gesetz“ (DVG) ermöglicht es Ärzten, die in dem Verzeichnis aufgeführten digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) auf Rezept zu verordnen. Es geht um Gesundheits-Apps, die vom BfArM auf bestimmte Kriterien, wie Datensicherheit, Qualität und Interoperabilität, geprüft werden. Falls die Gesundheitsanwendungen diese Prüfung erfolgreich bestehen, werden sie ins Verzeichnis des BfArM aufgenommen. Die Kosten für die im Verzeichnis aufgenommenen Apps übernehmen die Krankenkassen. Damit wird ein wichtiger Schritt in Richtung Digitalisierung im Gesundheitswesen gemacht, der hilft, Gesundheits-Apps in den Berufsalltag von Ärzten tiefer zu integrieren.

Weitere Informationen über Gesundheits-Apps kann man auch auf unterschiedlichen Plattformen und Websites von Organisationen wie Krankenkassen und medizinischen Fachgesellschaften finden, deren Tätigkeit mit diesen Apps eng verbunden ist.

Angebotene Funktionalitäten im Überblick

Im Allgemeinen zielen Apps im Gesundheitswesen darauf ab, durch die Nutzung mobiler Technologien die Gesundheit von Patienten zu verbessern und verschiedene Abläufe im klinischen Alltag zu vereinfachen. Je nachdem, welche Funktionalität die Apps haben und wer die Zielgruppe ist, lassen sie sich in verschiedene Kategorien unterteilen. Es gibt auch Apps, die speziell für Ärzte erstellt sind, um sie im Alltag zu unterstützen.

Planung und Erinnerung: Großer Beliebtheit erfreuen sich die so genannten Terminservice-Apps. Sie ermöglichen es, Arzttermine und Video-Sprechstunden online zu vereinbaren, und bieten auch eine Funktion zur Erinnerung an vereinbarte Termine. Solche Apps helfen Patienten und Ärzten, den Alltag effizient zu organisieren und zu planen.

Unterstützung bei der Planung bieten auch medizinische Apps für die Medikamenteneinnahme. Sie helfen Ärzten, einen digitalen Medikationsplan für Patienten zu erstellen. Dieser reguliert, wann und welche Medikamente die Patienten einnehmen müssen und erinnert an die Einnahme. Vor allem chronisch kranke Patienten, die üblicherweise viele Medikamente einnehmen müssen, können davon profitieren.

Echtzeit-basierte Überwachung und Kontrolle

Die Gesundheitsüberwachung kann durch das Tracking von Vitalwerten und Laborergebnissen erfolgen. Der Vorteil für Patienten besteht darin, dass die Überwachung auch aus der Ferne erfolgen kann. Das ist eine gute Alternative für Patienten mit eingeschränkter Mobilität, ältere Menschen und Patienten mit chronischen Erkrankungen.

Kommen Gesundheits-Apps solcher Art in Kombination mit Wearables, Sensoren und speziellen Messgeräten zum Einsatz, werden Patienten zu aktiven Teilnehmern im Behandlungsprozess. In diesen Fällen ist das medizinische Personal verpflichtet, über den Gebrauch der gewählten Apps sowie die Verarbeitung aller erfassten Daten zu informieren.

In Kombination mit der IoT- und AR-Technologie kann eine App auch die Barcodes auf den Patientenarmbändern scannen und einen sofortigen Zugriff auf deren Profile bereitstellen, um beispielsweise zu überprüfen, ob ein Patient die richtigen Medikamente zur richtigen Zeit genommen hat, oder um benötigte Dokumente schnell zu finden. Die IoT-Technologie ermöglicht es auch, den Standort von Patienten zu lokalisieren. In solchen Fällen geht es in erster Linie um Patienten mit psychischen Erkrankungen oder Störungen sowie um ältere Menschen.

Analyse mithilfe von intelligenten Algorithmen

Selbstlernende KI-Algorithmen, die nach einem umfangreichen Training selbst Muster und Zusammenhänge erkennen und darauf basierend bestimmte Entscheidungen treffen, können das medizinische Fachpersonal in unterschiedlichen Gebieten unterstützen, dadurch eine bessere Patientenversorgung gewährleisten und für die Entlastung des medizinischen Personals sorgen. KI-basierte Anwendungen können:

  • Bestimmte Krankheiten frühzeitig erkennen und eine präzisere Diagnose stellen
  • Bei der Entscheidung über Behandlungsmethoden und Medikamente Krankheitsverläufe vorhersagen und darauf basierend die personalisierte Therapie anbieten
  • Durch eine strukturierte Analyse aller individuell erfassten Daten richtige Entscheidungen über präventive Maßnahmen treffen
  • Bei der Entwicklung neuer Medikamente unterstützen

Kommunikation und Beratung

Die Corona-Pandemie hat die Art und Weise der Kommunikation zwischen Arzt und Patient verändert, Online-Sprechstunden haben einen Schub erlebt. Laut einer Umfrage des Bitkom vom Juli 2020 hat jeder Achte eine Online-Sprechstunde mit einem Arzt wahrgenommen. Im Vergleich zum Jahr 2019 hat sich diese Zahl verdreifacht. 87 Prozent der Befragten beurteilen ihre Erfahrung gut oder sehr gut. In den meisten Fällen (85 %) wurde eine Video-Stechstunde aus Angst vor einer Infektion in Anspruch genommen. Doch rund jeder Zweite kann sich vorstellen, eine Video-Sprechstunde auch künftig wahrzunehmen.

Die Apps können auch zur Kommunikation und zum Datenaustausch im Kollegenkreis genutzt werden. Es gilt aber zu beachten, dass das medizinische Fachpersonal nur DSGVO-konforme Messenger-Dienste nutzen sollten.

Zugriff auf Wissensdatenbanken und Unterstützung beim E-Learning

Mit medizinischen Apps können Ärzte auch nach der Eingabe von Zugangsdaten einen schnellen Zugriff zur internen Wissensdatenbank erhalten, die auf einem separaten gesicherten Server gespeichert ist. Viele Ärzte verwenden auch spezielle Anwendungen, die einen Zugriff auf externe Datenbanken ermöglichen, in denen Daten unterschiedlicher Art gespeichert sind. Beispiele sind: Informationen über alle verschreibungspflichtigen Medikamente und Medizinprodukte mit Arzneicharakter in Deutschland (IFAP Arznei Aktuell), Wirkstoffe und Handelsnamen (Arzneimittel Pocket) und Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit (Embryotox).

Dem medizinischen Fachpersonal stehen auch Apps für die Fort- und Weiterbildung zur Verfügung.

Fazit

Obwohl Gesundheits-Apps immer beliebter werden, wird deren Einsatz in Praxis und Klinik sowie der praktische Nutzen aktiv diskutiert. Mit dem Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation wurde eine Grundlage für den erleichterten Zugang zu Online-Sprechstunden und digitalen Gesundheitsanwendungen gelegt. Das ermöglicht es, Gesundheits-Apps in den klinischen Alltag stärker zu integrieren und Patienten in den Versorgungsprozess einzubeziehen. Die Gesundheits-Apps können auch dabei helfen, bestimmte Prozesse zu vereinfachen, einen sofortigen Zugriff auf erforderliche Daten verschiedener Art zu haben, die Behandlung zu personalisieren und das Arzt-Patienten-Verhältnis auf ein neues Niveau zu bringen.

*Die Autorin: Alena Nikuliak ist Senior Business Analyst und Healthcare IT Consultant bei Science Soft.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf unserem Schwesterportal www.healthcare-computing.de.

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