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Lieferant? Nein – Partner!

| Autor / Redakteur: Autor | Alex Geddes / Kathrin Schäfer

In der Vergangenheit haben Zulieferer für ihre Kunden Komponenten entworfen, entwickelt und ausgeliefert. Warum das heute nicht mehr ausreicht, erklärt Alex Geddes am Beispiel Sensortechnik für Medizingeräte.

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Das Humid-Icon-Modul kombiniert zwei verschiedene Sensoren in einem Gehäuse und spart damit Platz.
Das Humid-Icon-Modul kombiniert zwei verschiedene Sensoren in einem Gehäuse und spart damit Platz.
(Bild: Honeywell)

Kooperation – unter diesem Stichwort lässt sich die Beziehung zwischen Zulieferern und Medizintechnik-OEMs heute zusammenfassen. Denn Teilelieferanten werden mehr und mehr zu Partnern ihrer Kunden. Sie begleiten die Produktentwicklung von der Konstruktionsphase bis zur Lieferung.

Bearbeitungsschritte können entfallen

Honeywell Sensing and Control liefert maßgeschneiderte Sensoren für Medizintechnik-Anwendungen. In diesem Bereich ist der Wandel vom Zulieferer zum Systempartner mit zahlreichen Vorteilen für OEMs verbunden. Denn wenn Technologieanbieter nicht nur den Sensor, sondern auch eine umfassende Sensorschnittstelle bereitstellen, können OEMs die Produktionszykluszeit verringern. Durch die enge Zusammenarbeit mit Konstrukteuren kann eine Plug-and-Play-Einheit bereitgestellt werden, die sich mit den Konstruktionen von Kunden integrieren lässt, ohne dass eine zusätzliche Bearbeitung oder Feinabstimmung nötig wäre. Mit der Bereitstellung des erforderlichen Anwendungs- und Konstruktionssupports wird die Konstruktionszeit auf Seiten des Kunden reduziert; es müssen keine zusätzlichen Konstrukteure für spezielle Projekte eingestellt oder Aufträge an externe Konstrukteure vergeben werden.

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Weniger Anbieter, mehr Effizienz

Die enge Zusammenarbeit mit einem einzigen Anbieter, der ein breites Spektrum an Komponentenvarianten – d. h. Sensorgehäuse in unterschiedlichen Arten und Größen, Eingänge und Ausgänge, Stromversorgung etc. – bereitstellen kann, sorgt außerdem für einen weitaus effizienteren Beschaffungs- und Konstruktionsprozess als bisher. Dagegen kann sich die Arbeit mit einer Vielzahl unterschiedlicher Anbieter, die alle ihre eigenen Bestell- und Lieferabläufe haben, als kompliziert erweisen. Häufig müssen sich OEMs eine spezielle Komponente von einem Anbieter besorgen, bevor sie die zugehörigen Komponenten und Teile von einem weiteren Anbieter anfordern können. Durch die Zusammenarbeit mit nur einer Quelle kann sichergestellt werden, dass Komponenten aufeinander abgestimmt und keine zusätzlichen Tests, Reengineering-Prozesse und Neuzertifizierungen erforderlich sind.

Die damit einhergehende Reduzierung von Schwachstellen erhöht die Betriebsverlässlichkeit. Ein einzelner Anbieter kann eine getestete Baugruppe mit Garantie bereitstellen. So lässt sich nicht nur ein Großteil der Konstruktionsarbeit eliminieren, sondern auch der Aufwand, um die Komponenten unterschiedlicher Anbieter zu integrieren. Außerdem werden durch die Verwendung eines einzigen Anbieters und einer einzelnen Teilenummer für den Teilekauf, die Teileherstellung und die Teileverfolgung Produktqualifikation und Fertigungsprozess vereinfacht.

Zurück zu Honeywell: Für die Temperatur- und Feuchtigkeitsmessung bietet das Unternehmen beispielsweise ein spezielles Humid-Icon-Modul. Es kombiniert zwei verschiedene Sensoren in einem Gehäuse. Dies spart Platz, auch, weil die mit der Sensorsignalverarbeitung verbundenen Komponenten überflüssig sind. Alle zusätzliche Intelligenz ist bereits im Modul eingebettet.

Lösungen, die den Vorgaben entsprechen

Honeywell entwickelt in enger Zusammenarbeit mit seinen Kunden Sensormodule, die die Implementierung und Interaktion des Sensors mit dem OEM-Produkt vereinfachen. Das Ergebnis ist eine Lösung, die den festgelegten technischen Anforderungen entspricht. Dies kann beispielsweise ein elektrischer Anschluss mit zusätzlichen Verbindungen zu vorhandenen Leitern in einem Sensor sein, der nicht den Standards entspricht.

Im Rahmen der Zusammenarbeit mit Technologieanbietern, die den Ansatz des zusätzlichen Nutzens verfolgen, konnten bereits viele OEMs ihre Produkte untereinander harmonisieren. Durch die Implementierung eines Differenzdruck- und Luftstromsensors in einem einzelnen Gehäuse muss beispielsweise nicht unbedingt ein redundanter Durchflusssensor für medizinische Beatmungsgeräte entwickelt werden. Durch die Kombination zweier Sensoren wird gleichzeitig die Größe der Baugruppe minimiert.

Anwendungsbeispiele aus der Medizintechnik

Für einen Gerätehersteller von medizinischen Pumpen hat Honeywell gemeinsam mit dem Konstruktionsteam eine benutzerfreundliche Schnittstelle entwickelt sowie ein Gehäuse für einen speziellen gekapselten Kraftsensor erstellt. Für ein Produkt zur Thermalkontrolle wiederum haben die Ingenieure von Honeywell Temperatursensoren, Heizungen, Thermostate und die Montageelemente in einem eigenständigen Subsystem kombiniert. Damit wird ein schneller und einheitlicher Heizprozess bei einer stabilen und engmaschigen Temperaturkontrolle in einem medizinischen Gerät gewährleistet, bei dem jede Sekunde und jedes Grad zählt.

Fazit: Um Kosten zu senken und Produkte effizienter gestalten zu können, sollten OEMs nach Sensorlieferanten suchen, die mehr tun, als lediglich eine Komponente anzubieten. Eine enge Zusammenarbeit macht sich erfahrungsgemäß sowohl bei der Entwicklung als auch bei der Herstellung von medizinischen Geräten bezahlt.

Alex Geddes leitet bei Honeywell den Bereich Sensing and Control Pressure in Europa.

(ID:42562192)