France

Leichtbauroboter

Leichtbauroboter halten Einzug in die Labore

Seite: 2/2

90 % aller Blutproben in weniger als einer Stunde abwickeln

Damit konnte die Klinik ihre Ansprüche trotz eines Zuwachses von etwa 20 % mehr Proben pro Tag erfüllen, ohne zusätzliches Personal für diesen Arbeitsvorgang zur Verfügung stellen zu müssen. Die Vorgabe, 90 % aller Blutproben in weniger als einer Stunde nach Ankunft im Labor abzuwickeln, konnte eingehalten werden. „Unsere Belegschaft hat die Roboter enthusiastisch angenommen. Uns ist bewusst, dass jede unbearbeitete Blutprobe im Labor einen wartenden Patienten bedeutet. Unseren ambulanten Patienten ersparen wir so auch eine zusätzliche Fahrt in die Klinik. Wenn ihre Blutproben innerhalb von einer Stunde analysiert werden, bekommen sie die Ergebnisse noch am selben Tag. Und Proben, die wir stationären Patienten am frühen Morgen entnehmen, sind bereits untersucht, wenn die Ärzte ihren morgendlichen Rundgang machen“, fasst Stender zusammen.

Da sich die Roboter an ihren Werkzeugschnittstellen je nach individuellen Anforderungen mit unterschiedlichsten Werkzeugen bestücken lassen, sind verschiedenste Anwendungen denkbar. Die AGH University of Science and Technology im polnischen Krakau konnte ebenfalls zwei Herausforderungen mit UR-Robotern lösen: An einer Roboterstation hat ein UR5 die Aufgabe, Stammzellen in den Körper zu implantieren. Der Roboterarm wurde für diese hochpräzise Aufgabe ausgewählt, weil er die gleiche Bewegung wieder und wieder gleichbleibend genau ausführen kann. Er erlaubt eine Wiederholgenauigkeit von 0,1 mm, die eine menschliche Hand selbst bei großer Konzentration auf Dauer nicht erreichen kann.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 6 Bildern

Roboter übernimmt gefährliche Medikamentenherstellung

In einem weiteren Projekt setzt die Universität einen UR5 an einer Mischstation für Zytostatika-Arzneimittel ein, die in der Chemotherapie bei Krebs Anwendung finden. Bislang konnte das Medikament nur von Mitarbeitern spezialisierter Krankenhausapotheken hergestellt werden, da der Vorgang Substanzen mit hoher Toxizität freisetzt, in deren Umgebung Menschen nur wenige Stunden arbeiten dürfen. Ein UR-Roboter ist weder davon betroffen, noch benötigt er eine sauerstoffreiche Atmosphäre. So lassen sich Prozesse – in einer Umgebungstemperatur von 0 bis 50 °C – effizient automatisieren, für die Mitarbeiter bisher aufwendig ausgerüstet werden mussten.

Doch es gibt noch viele weitere Aufgaben, die der Kollege Roboter in einem Labor übernehmen kann. Etwa bei Lebensdauertests, für die sich stetig wiederholende Bewegungen, manchmal mehrere Millionen Ausführungen, wichtig sind. Der Roboter kann so eingestellt werden, dass er ansteigende oder abfallende Kräfte während der Bewegung misst und aufzeichnet. So registriert er beispielsweise einen Bruch des getesteten Objekts und stoppt die Ausführung.

In anderen Fällen ist die absolut präzise durchgeführte Reinigung von Geräten, Werkstücken oder Behältern ein entscheidendes Qualitätskriterium. Ein Roboter führt den Reinigungsvorgang jedes Mal mit der gleichen Präzision aus und erreicht so immer alle Ecken und Winkel eines Objekts. Mit einer Schutzhülle versehen sind die Roboter außerdem reinraumtauglich einsetzbar, leicht zu desinfizieren und zu säubern.

Neue Möglichkeiten dank Automatisierung

Die Mensch-Roboter-Kollaboration zeichnet sich durch einen Mehrwert für Unternehmen und Mitarbeiter aus. Durch kollaborierende Leichtbauroboter haben moderne Labore neue Möglichkeiten, Abläufe effizient zu automatisieren, die früher viel Zeit und Aufwand gekostet haben. Kreative Beispiele beweisen: Der Varianz möglicher Anwendungen sind dabei kaum Grenzen gesetzt. MM

* Helmut Schmid ist General Manager Western Europe bei Universal Robots A/S in 81377 München, Tel. (01 60) 93 49 12 27, hsh@universal-robots.com

(ID:44046310)