Porträt

Krankenhäuser – Zentren der Medizin

| Autor: Kathrin Schäfer

Das Berliner Krankenhaus Charité ist deutschlandweit bekannt.
Das Berliner Krankenhaus Charité ist deutschlandweit bekannt. (Bild: gemeinfrei)

Über sieben Millionen Zuschauer haben Anfang des Jahres regelmäßig den ARD-Sechsteiler über das Klinikum Charité gesehen.

Ein Erfolg, der kaum überrascht. Gab die Serie doch einerseits Einblicke in das Leben und Forschen von Robert Koch, Rudolf Virchow oder Paul Ehrlich – Persönlichkeiten, die Medizingeschichte geschrieben haben. Andererseits bietet das Berliner Krankenhaus dramaturgisch einen idealen Ort für spannende und tiefgreifende Geschichten nicht nur über die Protagonisten, sondern auch existenzielle Themen wie Krankheit und Tod.

Welche Technik war und ist heute in Krankenhäusern im Einsatz?

Diejenigen, die tagtäglich mit Medizin- und Medizintechnik zu tun haben, dürften aber auch noch ganz andere Aspekte interessiert haben: Wie sah ein Krankenhaus vom Rang der Charité damals aus? Was hat sich über die letzten Jahrzehnte im Bereich Krankenhaus verändert? Welche Technik war und ist heute in Kliniken im Einsatz? Und vor allem: Wie sieht eigentlich das (ideale) Krankenhaus von heute – und morgen – aus?

Ergänzendes zum Thema
 
Buchtipp: Grüße aus dem Krankenhaus

Nähert man sich dem Thema architektonisch, muss man leider feststellen: Viele Krankenhäuser in Deutschland tragen heute noch den Schick vergangener Jahrzehnte. Die Kliniken wurden und werden immer wieder an den aktuellen Stand der Technik angepasst. Neubauten sind dagegen eher die Ausnahme, viele Häuser stammen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Innern der funktional ausgelegten Plattenbauten führen lange Flure mit Linoleumböden und künstlichem Licht zu den einzelnen Stationen und Fachabteilungen. Es riecht nach Desinfektionsmitteln.

Zwar ist Effizienz ein zentrales Anliegen, doch je größer ein Krankenhaus, umso schwieriger wird es, kurze, effiziente Wege für Personal und Patienten zu realisieren – auch wenn dies ein Hauptanspruch an die Gebäudearchitektur darstellt. Universitätskliniken beispielsweise sind oft wie kleine Städte, sie bestehen aus einer Vielzahl von Gebäuden, so dass es Patienten meist gar nicht mehr möglich ist, den Weg von einer Abteilung zur anderen per Fuß zurückzulegen.

In der Antike gehen Kranke zum Schlafen ins „Krankenhaus“

Der Ursprung des Prinzips Krankenhaus reicht bis in die Antike zurück. Bereits damals gab die Beschaffenheit des Ortes Aufschluss über das, was medizinisch möglich war. So suchten Kranke das sogenannte Asklepios-Heiligtum im 6. beziehungsweise 5. Jahrhundert vor Christus auf, um durch Schlaf und die Hilfe des Heilgottes Asklepios zu genesen. Schlaf sei die beste Medizin, so dachte man. Und von den Liegen, auf denen man ruhte, griechisch „kline“, ist der heutige Begriff Klinik abgeleitet. Auch die Tempeldiener dieser Zeit, die „therapeutés“, haben Eingang in unsere Sprache gefunden.

Ergänzendes zum Thema
 
Zeitleiste zum Thema Krankenhaus

Im Mittelalter benutzte man Pesthäuser oder Leprosorien gerne dazu, ansteckende Kranke von der übrigen Gesellschaft zu isolieren. Heute ist das Thema Ansteckung mit multiresistenten Erregern wie dem MRSA-Keim ein zentrales Thema in der klinischen Versorgung. So gilt es einerseits zu verhindern, dass Krankheiten sich gerade im Krankenhaus gefährlich ausbreiten – ein Aspekt, der für eine dezentrale Versorgung von Patienten und die Vorteile von Homecare sprechen könnte. Andererseits sind es jedoch Krankenhäuser, die die nötige Infrastruktur bieten, um Menschen mit ansteckenden Krankheiten wirksam unter Quarantäne zu stellen.

Um bei den Funktionsbereichen von Krankenhäusern zu bleiben: In der Regel müssen die Abteilungen Untersuchung, Behandlung, Pflege, Verwaltung, soziale Dienste, Forschung und Lehre sowie Ver- und Entsorgung in Krankenhausgebäuden oder Gebäudekomplexen untergebracht werden. Ziel ist, wie bereits angedeutet, die Abläufe für die Beteiligen, allen voran Patienten und medizinisches Personal, möglichst effizient und angenehm zu gestalten. Dazu braucht es heute vor allem Raum für moderne Medizintechnik. Hierzu gehört auch eine vernetzte Klinik-IT.

Wellness und Wohlfühlatmosphäre werden wichtiger

Gleichzeitig finden Begriffe wie Wellness mehr und mehr Eingang in das Heilungskonzept von Kliniken. Inneneinrichtungen mit natürlichen Farben sowie Lichtkonzepte, bei denen (simuliertes) Tageslicht die Neonröhren der Vergangenheit ersetzt, sind weit verbreitet. Es gilt, eine Balance zu finden zwischen einer Umgebung, die der Tatsache Rechnung trägt, dass viele Patienten sich körperlich wie psychisch weitestgehend im Ausnahmezustand befinden, sowie deren medizinischen Belangen. Eine Wohlfühlatmosphäre könnte hier möglicherweise dazu beitragen, den Heilungsprozess zu unterstützen. So wünschenswert diese Bemühungen sind – in den meisten Gesundheitssystemen Europas herrscht Kostendruck. Von den Krankenkassen abgerechnet werden in Deutschland standardisierte Krankheitsfälle, nicht der therapeutische Aufwand, der tatsächlich stattfindet.

Nicht zuletzt auch dank moderner Behandlungsmethoden wird die Verweildauer in Krankenhäusern immer kürzer. Neben medizinischen und psychologischen spielen also wirtschaftliche Aspekte eine zentrale Rolle. Manch eine Klinik stand oder steht vor dem Aus. Infolgedessen werden kleinere Häuser mit größeren zusammengelegt. Einzelhandelskonzepte auf dem Klinikgelände mit Banken, Apotheken, aber auch Drogerien, Lokalen, Spa-Einrichtungen oder Fitnessstudios könnten helfen, kritische Finanzlagen in den Griff zu bekommen. Hierbei rücken beispielsweise auch die Bedürfnisse sowie die Unterbringung von Angehörigen in den Mittelpunkt.

Werden geriatrische Abteilungen zukünftig Kreißsäle verdrängen?

Zurück zur Charité, das die ARD als das Endes des 19. Jahrhunderts „einflussreichste deutsche Krankenhaus, einst Weltzentrum der Medizin“ porträtiert. Wie sieht so ein Krankenhaus in wenigen Jahren oder Jahrzehnten aus? Wird der demografische Wandel dazu führen, dass Kreißsäle und Gynekologie schrumpfen, um der Geriatrie Platz zu machen? Wird es papierlos funktionieren, weil medizinisches Personal von Tablets und ähnlichem jederzeit und sicher gegen Hackerangriffe Zugriff auf sämtliche Daten hat und Krankenwagen bereits während der Fahrt lebensrettende Daten an die Notaufnahme senden? Werden Roboter, wie sie heute schon in Dänemark eingesetzt werden, medizinisches Personal von Routineaufgaben entlasten und Ärzte im OP unterstützen?

In der Europäischen Metropolregion Nürnberg wurde im September 2016 ein Open-Innovation-Wettbewerb ausgerufen zum Thema Krankenhaus der Zukunft. Die drei Kategorien Wohlfühlklima, Digitalisierung und anti-bakterielle Materialien zeigen, worum es im Krankenhaus von morgen geht. Prämiert wurden Unterputz-Lichtschalter auf Ultraschallbasis. Sie tragen zum Wohlfühlklima bei und können energiesparend sowie berührungslos verwirklicht werden. Des Weiteren eine selbstreinigende Folie, die aktiv vor Viren und Keimen schützt. Sie kann Benutzern sogar signalisieren, dass Oberflächen gereinigt werden müssen. Im Wettbewerb Digitalisierung war mit Mobi Care LBS ein intelligentes mobiles Assistenzsystem für die Intensivpflege führend. Es basiert auf Techniken wie Augmented Reality sowie Cognitive Computing und unterstützt Pflegende bei wichtigen Abläufen. Wie auch immer also die Ärzte heißen, die im Krankenhaus der Zukunft Medizingeschichte schreiben – sie tun es auf jeden Fall mithilfe modernster Medizintechnik.

Lesen Sie auch:

Sieben innovative Ideen für das Krankenhaus der Zukunft

Open Innovation

Sieben innovative Ideen für das Krankenhaus der Zukunft

26.04.17 - Wie sieht es aus, das Krankenhaus der Zukunft? Im Rahmen eines Open-Innovation-Wettbewerbs wurden nun sieben vielversprechende Ideen ausgezeichnet. Fokus: Wohlfühlklima, antibakterielle Oberflächen und Digitalisierung. lesen

Gesundheitswesen muss digitale Angebote ausbauen

Bitkom

Gesundheitswesen muss digitale Angebote ausbauen

10.04.17 - Der Digitalverband Bitkom hat zusammen mit der Bayerischen TelemedAllianz (BTA) eine Umfrage durchgeführt, derzufolge die Bundesbürger die digitalen Angebote des Gesundheitswesens wie Fitness-Tracker, Online-Sprechstunde oder elektronische Patientenakte gerne in Anspruch nehmen. lesen

Weitere Meldungen aus der Medtech-Szene finden Sie in unserem Themenkanal Szene.

Kommentare werden geladen....

Diesen Artikel kommentieren

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

DER COMMUNITY-NEWSLETTER Newsletter abonnieren.
* Ich bin mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung einverstanden.
Spamschutz:
Bitte geben Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe (Addition) ein.
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44692290 / Szene)